Am 21. März kam es zum Undenkbaren. Eine ältere Frau ersticht im Basler Hegenheimerquartier einen ihr völlig unbekannten Knaben, der sich auf dem Schulweg nach Hause befand. Einige Stunden nach der Tat meldete sich die Frau selbst bei der Polizei. Seither sitzt sie im Untersuchungsgefängnis Waaghof ein. Die Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren wegen vorsätzlicher Tötung eröffnet.

Bereits einen Tag nach der Tat beantragte der eingesetzte Verteidiger, die Frau solle psychiatrisch untersucht werden. Anfang April beauftragte die Staatsanwaltschaft einen Experten der Klinik für forensische Psychiatrie der Universität Zürich, ein Gutachten über die Frau zu verfassen. Als diese davon erfuhr, stellte sie ein Gesuch «um Aussetzung der Begutachtung».

Die Frau beanstandete, dass ihr Anwalt ohne ihr Einverständnis die Begutachtung beantragt habe. Besonders ist jedoch vor allem ihre Begründung: Sie fürchte, dass zur Erstellung des Gutachtens beschlagnahmte Akten zu ihrer Person beigezogen würden, «welche manipuliert werden könnten». Es handle sich dabei um Dokumente aus verschiedenen zurückliegenden Rechtsstreitigkeiten. Sie forderte, «ohne vorherige Überprüfung auf ihre Richtigkeit» dürften diese Akten nicht verwendet werden.

Der Vorgang ist öffentlich, weil die Frau den Rechtsweg beschritt. Genau innerhalb der angesetzten zehntägigen Beschwerdefrist hatte die Frau Beschwerde gegen die Verfügung zu psychiatrischen Begutachtung eingereicht.

Das zuständige Appellations reagierte innerhalb von drei Wochen und wies die Beschwerde ab. Im vorliegenden Urteil stellt das Gericht nochmals fest, dass die Frau «unbestrittenermassen einen ihr unbekannten Primarschüler erstochen hat». Auf ihr Ansinnen ging das Gericht nicht ein: Zum einen sei nicht ersichtlich, weshalb die Strafverfolgungsbehörde oder der Gutachter ein Interesse haben könnte, Dokumente zu manipulieren. Zum einen sei unerheblich, dass sie sich gegen den Antrag ihres Verteidigers wendete, da die Staatsanwaltschaft auch ohne diesen eine psychiatrische Begutachtung angesetzt hätte.

Die Frau liess nicht locker. Wiederum genau innerhalb der gesetzlichen Frist von 30 Tagen reichte sie nun Beschwerde beim Bundesgericht ein. Dieses reagierte bereits innerhalb einer Woche und wies die Beschwerde im vereinfachten Verfahren wegen fehlender Begründung zurück. Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft ist ihre psychiatrische Begutachtung noch ausstehend.