Konzert
Trail of Dead zeigten sich im Sommercasino in Bestform – streckenweise

Die Band «Trail of Dead» spielte am Freitagabend in Basel.

Stefan Strittmatter
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And You Will Know Us By The Trail Of Dead

And You Will Know Us By The Trail Of Dead

zVg

Sie sind nicht angetreten, um einen Preis für fehlerfreie Interpretationen und fein austarierte Arrangements zu bekommen: ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead machen bei ihrem Basler Gastspiel am Freitagabend streckenweise gar nicht erst den Versuch, ihre Songs so zu spielen, dass man sie erkennen würde. Wobei sich die Texaner in ihrer 26-jährigen Karriere genau mit dieser Gratwanderung zwischen Konzert und Crashlandung einen Namen erspielt haben.

Und so gerät im Sommercasino mit «All Who Wander» bereits der erste Song des Abends zum Schiffbruch: Die beiden Gitarren sind heillos verstimmt, der Bass verspielt sich mehrfach. Conrad Keely singt wahlweise einen Ganzton zu hoch oder zu tief, und Jason Reece prügelt so unkoordiniert auf sein Schlagzeug ein, als habe er mit seinem Instrument noch eine Rechnung offen. Wenig später wird Reece freudig verkünden, er habe nach wenigen Takten das Pedal seiner Bassdrum «gekillt».

Dazu sehen Trail Of Dead in der aktuellen Besetzung aus, als hätten sich die beiden gegen Ende vierzig tendierenden Bandleader eine Schülerband als Verstärkung auf die Bühne geholt. Die drei Begleitmusiker sind erst so kurz dabei, dass man selbst auf den Videos der laufenden Tour ihre Gesichter vergebens sucht: Noch vor wenigen Wochen hatten Trail of Dead ein anderes Line-up. Beim gut besuchten (wenn auch nicht ausverkauften) einzigen Schweizer Konzert macht sich schnell Unruhe im Publikum breit. Dann aber passiert etwas: Alle Pegel im Saal und auf der Bühne werden drastisch nach oben korrigiert, die Bässe drücken in die Magengrube, und ein mächtiger Bandsound stellt sich ein.

Nach der Offenbarung setzt die Erschöpfung ein

«It Was There That I Saw You» von 2002 ist eine Offenbarung: Keely hält sich an die Melodie, und Reece feuert auf seiner Snare Maschinengewehrsalven ab. So mitreissend hat man Trail of Dead lange nicht mehr gehört.

Für «Into The Godless Void» wechselt Begleitmusiker Ben Redman von der zweiten Gitarre erstmals ans Schlagzeug. Hier entpuppt sich der hagere Jüngling als Kraftpaket, während sich Reece die Seele aus dem Leib schreit. Redmans Fähigkeit, die nach vorne preschende Band etwas abzubremsen, lässt das mehrschichtige «Will You Smile Again?» zum unbestrittenen Höhepunkt des Abends werden. Wenn sie wollen und es das Songmaterial zulässt, dann sind Trail of Dead eine überwältigende Live-Band.

Das selten gehörte «Bells Of Creation» ist ein weiterer klanglicher Schöpfungsakt, der lange nachhallt. Dies aber auch, weil danach für einige austauschbare Songs lang eine gewisse Erschöpfung spürbar wird. Das reguläre Set endet nach schweisstreibenden 90 Minuten mit «Mistakes & Regrets»: Fehler gab es in diesem Konzert einige. Zu bereuen jedoch gab es nichts.

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