Malariakongress
Tropen-Experte Marcel Tanner: «Ich hatte schon zweimal Malaria»

An der Uni Basel endet heute die erste internationale Konferenz zur Tropenkrankheit Malaria. 350 Forscher diskutierten über den Stand der Forschung und die Bekämpfung der Epidemie. Tropeninstituts-Leiter Marcel Tanner zieht im Interview eine Bilanz.

Jasmin Grasser
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Herr Tanner, was bedeutet der Malaria-Kongress für Basel?

Marcel Tanner: Der Kongress ist wichtiger für das Bewusstsein der Krankheit als für Basel. Malaria ist die häufigste parasitäre Erkrankung auf der Welt. 200 bis 300 Millionen Menschen sind betroffen. Dass Forscher, die Industrie, und Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO) an einem Kongress versammelt sind, ist wichtig für die Bekämpfung der Krankheit. Dass der Kongress in Basel selbst stattfindet, ist natürlich wichtig für die Stadt. Die NGO aus der Region, die Pharmaindustrie und das Schweizerische Tropen- und Public-Health-Institut Swiss TPH leisten einen wichtigen Beitrag.

Zur Person

Marcel Tanner ist seit 1997 Leiter des schweizerischen Tropen- und Public-Health-Instituts Swiss TPH. Er ist zudem Professor an der Universität Basel für Parasitologie und Epidemiologe. Tanner ist Mitautor von zwei Büchern zum Thema urbane Gesundheit und hat zahlreiche Studien für Internationale Agenturen und Regierungen verfasst. (JAG)

Wer ist am Kongress beteiligt?

Eigentlich rechneten wir mit 200 Personen, gekommen sind rund 350. Darunter befinden sich Forscher, NGO-Mitglieder und hochrangige Vertreter der von der Epidemie betroffenen Länder, Direktoren von Gesundheitsprogrammen und Mitglieder der Weltgesundheitsorganisation WHO. Das Tolle an diesem Kongress ist, dass Vertreter mit verschiedenen Interessen unter einem Dach sind. Der Ort, die Universität Basel, ist bewusst gewählt: So lassen sich auch Studierende auf das Thema ein. Es ist sinnvoller, solche Kongresse möglichst sichtbar zu machen als Tagungen hinter verschlossen Türen abzuhalten.

Welche Gebiete sind heute am stärksten von Malaria betroffen?

Nach wie vor sind es afrikanische Länder, vor allem südlich der Sahara. Zum Beispiel Zentralafrika, Angola und die Demokratische Republik Kongo. Schön hingegen ist zu sehen, dass wir in den letzten zehn Jahre durchaus Fortschritte in West- und Nordafrika gemacht haben, wo die Epidemie eingegrenzt wurde.

Können Sie erläutern, wie die Krankheit abläuft?

Natürlich, denn ich hatte schon zweimal Malaria (lacht). Sechs Tage nach dem Stich beginnen die Ableger, die sich in der Leber eingenistet haben, diese zu verlassen. Sie befallen die roten Blutkörperchen und vermehren sich darin. Dieser Zyklus äussert sich für den Kranken in Fieberschüben, dann in Schüttelfrost. Gelangen die befallenen Blutkörperchen in das Gehirn, können sie die Kapillaren verstopfen. Das kann zu schweren Behinderungen oder zum Tod führen. Erkrankte Personen sterben auch wegen Nierenversagen, das durch giftige Stoffe hervorgerufen wird, die beim Platzen der roten Blutkörperchen frei werden. Je nach körperlicher Verfassung kann man durch den Befall der roten Blutkörperchen auch an Blutarmut sterben.

Welche Möglichkeiten zur Bekämpfung von Malaria hat man heute?

Eine besonders wichtige Neuerung sind die Stäbchentests. Früher musste das Blut unter dem Mikroskop untersucht werden, was länger ging. Grundsätzlich zeigen Massnahmen wie die Verwendung von Moskitonetzen, von Insektiziden und die bessere Aufklärung in Malariagebieten Wirkung. Damit ist es gelungen, die Erkrankungs- und Sterblichkeitsrate zu senken. Ebenfalls hilfreich sind die 500 Millionen Dosen Medikamente, welche Novartis in den letzten 10 Jahren verteilt hat. Allerdings greifen die Massnahmen nur in betroffenen Ländern mit einem funktionierenden Gesundheitssystem. Wir sind aber zuversichtlich, denn wir rechnen damit, in den nächsten Jahren einen Durchbruch in der Entwicklung eines Impfstoffes gegen Malaria zu erleben.

Ist es zermürbend, zu wissen, dass man helfen könnte, allerdings aufgrund von politischen Unruhen keine Möglichkeit hat, die betroffenen Gebiete zu erreichen?

Es bedrückt und ärgert einen auf jeden Fall. Deswegen darf man seine Bemühungen nicht auf einen Faktor, zum Beispiel das Medikament, beschränken. Es braucht Wissen vor Ort, die Infrastruktur und die Medikamente, um erfolgreich handeln zu können und es benötigt eine starke Zusammenarbeit zwischen Forschung, Industrie und NGO, um etwas bewegen zu können.

Ist die Ausrottung der Krankheit möglich oder Utopie?

Wir möchten die Malaria in erster Linie in einzelnen Gebieten ausrotten: Mein Wunsch ist, dass keine lokalen Übertragungen mehr stattfinden. Die komplette Ausrottung der Krankheit auf der Welt werden wir wahrscheinlich nicht mehr erleben.

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