Puff ums Puff
Trotz Verbot: Im Kleinbasler «FKK Club» wird weitergefeiert

Seit fast zehn Jahren hält das Bordell Kleinbasler und Behörden in Atem. Die Bewilligung ist längst entzogen, der Betrieb läuft dennoch weiter. Anwohner sind resigniert.

Andy Strässle
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Die Baurekurskommission ordnete Ende März die Schliessung des Bordells auf September an.

Die Baurekurskommission ordnete Ende März die Schliessung des Bordells auf September an.

Kenneth Nars

«Die Anwohner machen die Faust im Sack», erklärt der Kleinbasler Markus Knöpfli. Der Grund: Der FKK-Club an der Amerbachstrasse 45 wird anfangs September erneut nicht schliessen müssen. Die Baurekurskommission (BRK) ordnete Ende März die Schliessung des Bordells auf September an, da dessen Betriebsbewilligung als Fitnessclub nicht gültig sei. Der Club dagegen freut sich auf seiner Homepage in drei Sprachen: «FKK Basel bleibt weiterhin geöffnet. FKK Bâle reste ouverte. FKK Basel remains open.»

Der «erste und grösste Saunaclub» in Basel verspricht auf dem Internet die «perfekte Symbiose aus sinnlicher Erotik und Wellnessangebot». Für die Anwohner ist das Puff im Hinterhof seit neun Jahren ein Ärgernis. In die Quartierstrasse finden Abend für Abend durchschnittlich 200 Freier ihr Vergnügen. Der Eintritt kostet pro Person 69 Franken, so kommen schnell 13'800 Franken zusammen. Kein Wunder hängt die Betreiberin KMS Verwaltungs GmbH am Saunaclub.

Rekurs – schon wieder

Dass der Club geöffnet bleibe, findet Knöpfli «nicht überraschend, aber enttäuschend». Die Schliessung des Bordells verhindert ein weiterer Rekurs. Obwohl die BRK nach einer Begehung im März zum Schluss gekommen war, dem «grössten Bordell und Laufhaus in Basel» sei die Betriebsbewilligung zu Recht vom Gastgewerbeinspektorat verweigert worden, da die Nutzung als Bordell in einem Wohnquartier nicht «zonenkonform» sei, rekurrierte der Club erneut und der Fall kommt vors Appellationsgericht.

Das Basler Gericht bewilligte in den Sommerferien eine «aufschiebende Wirkung», so dass der feierfreudige Sexclub, der Grillfeste mit Pornostar Nicky Thorne anbietet, weitermachen kann. Während die Anwohner noch im März 200 Unterschriften gesammelt und der Baurekurskommission überreicht hatten, hätten viele dennoch resigniert, wie Markus Knöpfli erklärt.

Vor neun Jahren hatte der FKK Club die Bau- Betriebsbewilligung offensichtlich nur dank eines Tricks bekommen. Der Umbau des Hinterhofs an der Amerbachstrasse war nämlich als derjenige zu einem Fitnessclub angekündigt worden. Im ersten Urteil des Basler Appellationsgerichtes heisst es, «2008 ein Fitnessclub mit Restaurationsbetrieb (Snack Bar)» bewilligt worden.

Verboten – seit 2012

Nachdem sich die Anwohner gewehrt hatten, schritt das Bau- und Gewerbeinspektorat erstmals ein: «Mit Verfügung Nr. [...] stellte das BGI am 9. August 2012 fest, dass die als Fitnessclub und Restaurationsbetrieb bewilligten Räumlichkeiten als Sexbetrieb genutzt würden. Es untersagte diese Betriebsnutzung und entzog einem allfälligen Rekurs die aufschiebende Wirkung.»

Ein erstes Verbot also. Der Fall landete vor Appellationsgericht, das entschied, der FKK-Club müsse eine neue Bau- und Betriebsbewilligung beantragen. Diesmal mit Angabe des richtigen Nutzens. Erneut wurde die Bewilligung nicht erteilt. Schon das Appellationsgericht hatte in seinem ersten Urteil 2013 darauf hingewiesen, dass das Bundesgericht ein Bordell in einem Quartier mit 60 Prozent Wohnanteil für nicht zumutbar hält.

«Es beginnt alles von vorne», sagt Anwohner Knöpfli. Nach dem erneuten Rekurs muss das Appellationsgericht nun prüfen, ob nicht doch ein Bordell im Wohnquartier zulässig sei. Dabei war die erste Bewilligung ja nur wegen des «Fitnessclub-Tricks» erteilt worden. Am Ende können die Betreiber den Fall sogar bis vors Bundesgericht ziehen. So könnte es noch eine Weile dauern, bis an der Amerbachstrasse Ruhe einkehrt.

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