Kirchenrätin

Überraschend: Die umstrittene Basler Pfarrerin Christine Dietrich tritt ab

Interview mit Pfarrerin Christine Dietrich, Mittwoch, 11.9. 15 Uhr Sakristei Theodorskirche

Christine Dietrich

Interview mit Pfarrerin Christine Dietrich, Mittwoch, 11.9. 15 Uhr Sakristei Theodorskirche

Jahrelang arbeitete Christine Dietrich an einem rechtsextremen Blog mit, darüber berichtete im Herbst die bz anlässlich der Kirchenratswahlen. Ein halbes Jahr später kündigt die Kirchenrätin ihren Rücktritt an.

Damit hatten wohl nicht mehr viele gerechnet: Die umstrittene Basler Pfarrerin Christine Dietrich tritt ab. Sie kündigt gleichzeitig das Niederlegen ihres Amts als reformierte Pfarrerin von Kleinhüningen als auch jenes als Kirchenrätin an. Dies geht aus einer Mitteilung der Evangelisch-Reformierten Kirche Basel-Stadt (ERK) vom Dienstag hervor.

«Seit ihrer Wahl in den Kirchenrat ist es um Pfarrerin Christine Dietrich nie mehr ruhig geworden. Die Auseinandersetzungen um ihre Person haben ihre Arbeit als Gemeindepfarrerin zunehmend beeinträchtigt», heisst es in der Mitteilung. Die ERK und Christine Dietrich seien jetzt zum Schluss gekommen, dass unter diesen Umständen eine Weiterführung des Gemeindepfarramts durch Christine Dietrich «keinen Sinn mehr macht».  

Das Überraschendste an dieser Ankündigung ist der Zeitpunkt: Vergangenen Herbst gingen die Wogen hoch in der Kirche, nachdem die bz Recherchen zur Vergangenheit Christine Dietrichs publiziert hatte. So hatte Dietrich während mehrerer Jahre zum innersten Zirkel eines rechtsextremen Portals gehört und darauf auch selber anonyme Beiträge verfasst. Dies führte zu grossen Debatten innerhalb der Synode der ERK – doch Kirchenratspräsident Lukas Kundert stellte sich zuletzt hinter die umstrittene Pfarrerin.

Weiterhin bei der Kirche beschäftigt

«Die Kirche hat keinen Grund, nicht an Frau Dietrich festzuhalten. Sie ist gewählt, und es ist nichts vorgefallen, das gegen sie vorgebracht werden kann», sagte Kundert noch zum Ende vergangenen Jahres gegenüber den Medien. Im Januar doppelte er in einem Leserbrief nach. Das waren die letzten Zeilen, die in einem Schweizer Medium über Christine Dietrich standen. Aus diesem Grund ist auch nicht ganz klar, was mit der zunehmenden Beeinträchtigung gemeint ist. Gemäss ERK-Sprecher Matthias Zehnder sei es seither zu keinen neuen Vorfällen rund um die Kleinhüninger Pfarrerin gekommen.

Ohnehin ist die arbeitsrechtliche Situation in einem solchen Fall schwierig: Anstellungsbehörde der Pfarrerin ist die Kirchgemeinde, als Kirchenrätin ist sie zudem gewählt. Der Ball lag also bei Christine Dietrich selber. Sie wird nun weiterhin bei der ERK beschäftigt sein: Christine Dietrich wird ihre Arbeit als Gemeindepfarrerin per Ende Juni 2020 aufgeben und danach der Kirche «für kantonalkirchliche Aufgaben zur Verfügung stehen», heisst es in der Mitteilung.

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