Kommentar
Ungerecht, aber auch vorteilhaft

Benjamin Wieland
Benjamin Wieland
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Bürgerliche Baselbieter sind unzufrieden mit der rotgrünen Entwicklung und fordern einen zweiten Sitz im Ständerat. Werden andere Halbkantone folgen? (Archivbild)

Bürgerliche Baselbieter sind unzufrieden mit der rotgrünen Entwicklung und fordern einen zweiten Sitz im Ständerat. Werden andere Halbkantone folgen? (Archivbild)

KEYSTONE/PETER KLAUNZER

Die Ständeratswahlen führten es wieder vor Augen: Die beiden Basel sind halt doch nur halbe Kantone. Sie dürfen nur je eine Person in den Ständerat schicken statt zwei wie die «richtigen» Stände. Kaum verwunderlich, erhält die Forderung nach zwei Sitzen im «Stöckli» wieder Auftrieb. Die Wahlsiegerin Maya Graf sei eine Grüne, lamentieren die Wahlverlierer noch am Sonntag. Und eine Grüne könne das Baselbiet nicht adäquat vertreten. Denn das sei bürgerlich.

An der Untervertretung in der kleinen Kammer dürfte sich so bald nichts ändern. Das Problem: Der Bund fürchte um die Balance zwischen den Landesteilen. Auch die anderen vier «Halbkantone» könnten sich berufen fühlen, einen zweiten Sitz zu fordern. Die Deutschschweiz hätte plötzlich sechs Sitze mehr. Für National- und Ständerat war es ein leichtes, die bisherigen Forderungen aus den beiden Basel abzuschmettern. Denn die Region spricht nicht mit einer Stimme. Der Stadtkanton ziemt sich. Doch auch im Baselbiet harzt es. Im Landrat liegt längst eine Initiative parat, die je zwei Ständeratssitze für Baselland und Basel-Stadt fordert: die Regio-Stärkungsinitiative, eingereicht 2014. Zweimal schon schob der Landrat die Behandlung nach hinten.

Was bei der Debatte untergeht: Ein einziger Ständeratssitz hat auch einen grossen Vorteil. Die Person, die den Sitz besetzt, muss sich tatsächlich für den ganzen Kanton einsetzen. Sonst wird sie rasch wieder abgewählt.

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