Neubau
Unispital will 68 Meter hohen Turm bauen, obwohl nur 25 Meter erlaubt sind

Der 300-Millionen-Neubau an der Schanzenstrasse von Herzog & de Meuron bedingt eine Anpassung des Bebauungsplans durch den Grossen Rat, da dort keine Hochhäuser vorgesehen sind. Mit dem Turm-Bau vollzieht auch Architekt Jacques Herzog eine Kehrtwende.

Michael Nittnaus
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Herzog & de Meurons Vorschlag für den Neubau beim Basler Unispital
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Perspektive Klingelbergstrasse Richtung Südost
Eingangsbereich, Perspektive Schanzenstrasse Richtung Klingelbergstrasse
Perspektive Klingelbergstrasse Richtung Schanzenstrasse/UKBB
Ansicht Hebelstrasse
Die Eingangshalle erstreckt sich wie im Klinikum 1, aber in intimerem Massstab, von der Strasse zum Spitalgarten. Von dort aus erreicht man direkt alle Abteilungen im Sockel und im Turm.

Herzog & de Meurons Vorschlag für den Neubau beim Basler Unispital

zvg / Herzog & de Meuron

Etwas im Schatten der Planungen des Neubaus des Klinikums 2 lancierte das Universitätsspital Basel (USB) vor gut einem Jahr einen Studienauftrag. Auch die letzte verbliebene Landreserve auf dem «Campus Gesundheit» auf der Seite Klingelberg-/Schanzenstrasse – der sogenannte Perimeter B – soll neu überbaut werden. Gestern trat das 300-Millionen-Franken-Projekt aus dem Schatten ans Licht. Ein Gremium von unabhängigen Architekten, Vertretern des Spitals und des Kantons wählte den Vorschlag des Teams Herzog & de Meuron / Rapp Architekten als die beste von sieben Eingaben aus.

Ein Turm war unabdingbar

Was sofort auffällt: Basel erhält einen weiteren Turm. Auf einen drei- bis viergeschossigen Sockel kommt ein Pavillon und daneben ein zwölfgeschossiger, würfelförmiger Aufbau. 68 Meter hoch soll er werden und damit nochmals neun Meter höher als der geplante Turm des Klinikums 2 direkt auf der anderen Seite des Spitalgartens.

Das ist in mehrfacher Hinsicht interessant: Zum einen sieht der vom Grossen Rat 2015 verabschiedete Bebauungsplan im Perimeter B eine maximale Gebäudehöhe von 25 Metern vor. Es braucht also auf jeden Fall eine erneute Zustimmung des Parlaments zum angepassten Überbauungsplan.

«Im Rahmen der Zwischengespräche zum Studienauftrag wurde schnell klar, dass die Höhenbegrenzung aus betrieblicher Sicht keinen Sinn macht», sagte der Basler Kantonsbaumeister Beat Aeberhard, der dem Beurteilungsgremium vorsass, gestern an der Präsentation. Alle sieben beurteilten Vorschläge hätten die 25 Meter überschritten. Die Grenze sei gesetzt worden, ohne zu wissen, was genau die Bedürfnisse des Spitals sein würden. Aeberhard gibt sich betont gelassen: «Es wird einen politischen Prozess geben. Das ist courant normal.»

Herzog: «Ein Dialog der Gebäude»

Interessant ist aber auch, dass nun just Herzog & de Meuron ein Turm-Projekt für das Unispital-Areal eingereicht haben und damit gewannen. 2013 kritisierte Jacques Herzog das Klinikum-2-Siegerprojekt «Arcadia» der Zürcher Architekten Giuliani und Hönger nämlich scharf: «Aus städtebaulicher Sicht ist ein neuer Turm an diesem Ort völlig unverständlich», sagte er damals in den Medien. Dies, weil sich ein Gebäude dieses Massstabs nicht mit der benachbarten Altstadt vertrage.

Kann sich das Unispital wirklich alles leisten?

Das Unispital muss die verschiedenen Bauprojekte selber finanzieren, das bestätigt Regierungsrat Lukas Engelberger der bz. Man stehe als Eigner aber im Austausch. Grundsätzlich gratuliere man dem USB zum Siegerprojekt für den Perimeter B. «Wir tragen es mit», so Engelberger. Verschiedene Szenarien seien möglich. Für Details sei es aber noch zu früh.

Der USB-Verwaltungsrat seinerseits prüft die Finanzierbarkeit des Perimeter-B-Projekts bis Ende Jahr. «Wenn wir es nicht hinbekommen, müssen wir unsere Pläne überdenken», sagt VR-Präsident Robert-Jan Bumbacher. Der Jahresabschluss 2018, den das USB in zwei Wochen präsentiert, werde aber einen höheren Ebitda, also Gewinn vor Steuern, Abschreibungen und so weiter, als 2017 bringen, auch wenn die nötigen zehn Prozent noch nicht erreicht würden. Immerhin zum Klinikum 2 hält USB-Direktor Werner Kübler auf Anfrage fest: «Wir wollen und wir können es finanzieren, davon sind wir überzeugt.»

Nun schreibt Herzog in einem Statement an die bz: «Dem geplanten Hochhaus des Klinikum 2 wird ein weiteres Hochhaus gegenüberstehen. Es entsteht ein Dialog der Gebäude. Statt eines vereinzelten Zahns im Stadtbild entsteht eine Gruppe von Hochhäusern.» Damit ist auch der im Bau befindliche ETH-Neubau gemeint oder das bestehende Biozentrum. Letzteres ist 70 Meter hoch. Herzog weiter: «So wie die mittelalterlichen Kirchtürme unsere Stadt in ihrem Kern prägen und Orientierung schaffen, sind die Hochhausgruppen städtebaulicher Ausdruck des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens von heute.»

Baubeginn frühestens Ende 2021

Dass es diesen weiteren Neubau braucht, ist für das Unispital klar: Er soll Platz für komplexe ambulante Behandlungen bieten, um eine räumliche Entflechtung vom stationären Bereich zu erreichen. Neben der Konzentration des interdisziplinären Tumorzentrums für die Behandlung von Krebserkrankungen und der Nierenheilkunde mit der Dialyse-Station sowie der Labormedizin soll es auch Platz für die Pathologie sowie für Lehre und Forschung bieten. Diskutiert wird auch, ob die Augenklinik hierhin umzieht, für die schon länger ein Standortwechsel vorgesehen ist.

Doch das Gebäude hat noch einen weiteren Nutzen: «Wir brauchen Rochadeflächen, um während des Neubaus des Klinikums 2 und der späteren Sanierung des Klinikums 1 den Betrieb aufrechthalten zu können», sagt USB-Verwaltungsratspräsident Robert-Jan Bumbacher. Ansonsten hätten teure Provisorien mitten im Spitalgarten erstellt werden müssen. Die Projekte des USB-Masterplans sind also ineinander verschachtelt. Der Verwaltungsrat entscheidet bis Ende Jahr über die Baueingabe des Klinikums 2 und über die Freigabe des Vorprojekts zum Perimeter B. Baubeginn des K2-Turms ist etwa im dritten Quartal 2020. Das gestern vorgestellte Gebäude kann frühestens Ende 2021 / Anfang 2022 in Angriff genommen werden, soll aber vor der zweiten Bauetappe des Klinikums 2 beendet sein.

Etwas machte Bumbacher klar: «Das Projekt ist kein Plan B nach der gescheiterten Fusion mit dem Kantonsspital Baselland. Es wäre auch so nötig gewesen.»

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