Urteil
Aussagen und Indizien wogen zu schwer: Gericht spricht Sexualstraftäter schuldig

Der Mann, der sich in Hölstein an einem Nachbarsmädchen vergriffen hatte, erhält eine bedingte Strafe.

Patrick Rudin
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Das Strafgericht in Muttenz spricht den Angeklagten schuldig.

Das Strafgericht in Muttenz spricht den Angeklagten schuldig.

Nicole Nars-Zimmer

Zwei Begutachtungen musste die junge Frau über sich ergehen lassen. Am Donnerstag fällte das Basel­bieter Strafgericht in Muttenz aufgrund ihrer als glaubwürdig eingestuften Aussagen einen Schuldspruch: Es verurteilte einen heute 52-jährigen Mann wegen mehrfachen sexuellen Handlungen mit einer Minderjährigen zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten.

Der Mann hatte vor rund 15 Jahren in Hölstein das Nachbarsmädchen gehütet und es dabei immer wieder unter den Kleidern befummelt. Als Belastungsbeweis dienten hauptsächlich die Aussagen der inzwischen erwachsenen Frau. Allerdings gab es auch noch weitere Hinweise. So meldete sich bereits während der Zeit der Übergriffe ein anderer Nachbar bei den Eltern, weil er mehrmals beobachtet hatte, dass der Angeklagte einen durchaus intimen Umgang mit dem Mädchen pflegte. Die ­Eltern schlugen den Rat aber offenbar in den Wind.

Verräterische Chatnachtrichten

Gerichtspräsident Andreas Schröder zitierte in der Urteilsbegründung auch aus einem Chat zwischen der jungen Frau und dem Angeklagten, dieser fand rund ein Jahr nach den ­letzten Übergriffen statt. Die Frau war damals in den Ferien, und aus den Nachrichten geht klar hervor, dass sich der Mann Bikinifotos wünschte und frustriert darüber war, dass sie in den Ferien andere Leute kennenlernte. «Es klingt nach Eifersucht», folgerte Schröder.

Der Gerichtspräsident erwähnte auch, selbst die von der Verteidigung zugezogene Expertin habe betont, es seien keine Gründe für eine Falschbezichtigung ersichtlich. Teilweise unklar blieb lediglich die genaue Dauer der Übergriffe. Im Zweifel ging das Gericht zugunsten des Angeklagten von einer Gesamtdauer über vier Jahre hinweg aus. Es fing an, als das Mädchen zehn Jahre alt war.

Die Taten vor dem zwölften Lebensjahr sind unverjährbar, für die Übergriffe nach dem zwölften Lebensjahr hingegen sind inzwischen bereits zwei Drittel der Verjährungsfrist verstrichen. Das Gericht kürzte deshalb das Strafmass leicht von 16 auf 14 Monate. Das Dreiergericht sprach der Frau eine Genugtuung von 5'000 Franken zu, deren An­wältin hatte 20'000 Franken verlangt.

Mit dem Schuldspruch muss der Mann zusätzlich sämtliche Verfahrens- und Expertisekosten sowie die Urteilsgebühren tragen, insgesamt rund 27'000 Franken. Er kann den Schuldspruch ans Kantons­gericht weiterziehen.