Madrid

Welche Ehre: Königin Letizia eröffnet Ausstellung des Basler Kunstmuseums

In Madrid wurden am Dienstag «White Fire» und zwei private Sammlungen des Basler Kunstmuseums eröffnet – von Königin Letizia persönlich. Das ist aus einem Grund eine besondere Ehre.

Eine schlanke Frau in einem smaragdgrünen, eng anliegenden Kleid läuft durch den Eingang des Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía. Sie lächelt scheu und biegt umgehend nach rechts ab. Weg ist sie. Den wartenden Journalisten und extra aus Basel angereisten Anwesenden – und davon hat es sehr viele – ging das zu schnell. Sie haben soeben die Möglichkeit eines ersten Blicks auf Königin Letizia von Spanien verpasst.

Doch es wird nicht die letzte Chance sein. Denn die Königin höchstpersönlich eröffnete am Dienstag die Ausstellung «White Fire» des Kunstmuseums Basel. Eine unglaubliche Ehre für das Reina Sofía – aber auch für Basel. Denn die königliche Hoheit besucht nur einmal im Jahr eine Eröffnung einer Ausstellung. Dass sie sich dazu die Basler Sonderausstellung ausgesucht hat, ist eine Huldigung.

Während viele noch immer der Chance eines ersten Blickes auf die Königin und ehemalige Journalistin nachtrauern, ist sie bereits mitten in der Ausstellung. In steter Begleitung vom Basler Regierungspräsidenten Guy Morin, dem Direktor des Kunstmuseums Basel, Bernhard Mendes Bürgin, und seinem Madrider Pendant, Manuel Borja-Villel, begutachtet Letizia die Kunstwerke. Besonders angetan haben es ihr die Bilder von Fernand Léger. Sowohl seinem «Les deux figures» aus dem Jahr 1923 als auch dem auf 1918 datierten «Les Acrobates dans le Cirque» werden von Letizia grosse Aufmerksamkeit geschenkt.

Abdeckung ab dem 19. Jh.

Doch ihre Aufmerksamkeit hätten alle Werke verdient. Schon im ersten Raum der Ausstellung «White Fire» – der Name ist übrigens eine Hommage an das Werk Barnett Newmans aus dem Jahr 1960 – wird deutlich, welch bedeutende Werke der zeitgenössischen und modernen Kunst Basel besitzt. Picasso, Juan Gris oder Braque illustrieren den Kubismus. Aber auch die Schweizer Künstler wie Klee und Hodler bekommen ihre Plattform. Ähnlich aufgebaut wie im Prado sind sowohl an den Wänden Kunstwerke zu finden, aber auch auf raumtrennenden Wänden in der Mitte. Diese speziellen Plätze gehören beispielsweise dem erwähnten «Les Acrobates dans le Cirque» oder der abstrakten Kunst von Alberto Giacometti, der gleich mit mehreren Werken vertreten ist. Insgesamt 104 Bilder, Skulpturen und Collagen zeigt die von Nina Zimmer kuratierte Ausstellung. Gemeinsam decken sie Kunstgeschichte vom späten 19. Jahrhundert bis heute ab. Auch deshalb wird die Basler Sammlung immer wieder als einmalig beschrieben.

Alte Schätze neu entdeckt

Neben der «White Fire»-Ausstellung im ersten Stock sind in der vierten Etage des Reina Sofía die beiden Privat-Sammlungen «Im Obersteg» und «Rudolf Staechelin» erstmals gemeinsam zu sehen. Die zusammengelegten Sammlungen – oft als «Schwester-Sammlungen» bezeichnet – zeigen insgesamt 62 Gemälde, von Gaugin über van Gogh oder Monet. Die Sammlungen der beiden Freunde Rudolf Staechelin und Karl Im Obersteg bilden durchs Band bedeutende Meisterwerke des 19. und 20. Jahrhunderts. Allesamt waren sie noch nie in Spanien zu sehen. Es ist eine einmalige Gelegenheit, das gestehen auch die Verantwortlichen des Reina Sofía ein. Doch es ist nicht nur ein Geschenk für Madrid und Spanien, sondern auch für Basel. Beim offiziellen Apéro Guy Morins war immer wieder zu hören, dass durch die neue Umgebung alle Bilder wieder neu entdeckt werden könnten – oder gar das erste Mal überhaupt wahrgenommen wurden. Ganz nach dem Motto: Alte Schätze werden neu entdeckt.

Von offizieller Seite wurde immer wieder betont, dass der Auftritt der Basler Werke im Reina Sofía der wichtigere sei als jener der zehn Picassos im Prado – allein schon von der Anzahl der Exponate her. Den Ausstellungen im Reina Sofía geht zwar etwas die magische Wirkung und die Natürlichkeit ab, mit der sich die Picassos im Prado präsentieren. Die Ausstellungen wirken kälter, statischer, klassischer eben. Doch das kann man wohl gut verkraften, wenn sich dafür Letizia persönlich die Ehre gibt.

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