Interessenskonflikt
Wenig Gäste sitzen am verkorksten Boulevard im Gundeli

Wirte wollen eine attraktivere Güterstrasse ohne wild parkierte Autos – die Verwaltung winkt ab. Um das Bild ein wenig zu ändern, wird der Platz im Juli und August zum Open-Air-Kino.

Pascale Hofmeier
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Zwischen Trams und parkierten Autos geniessen nur wenige einen Kaffee im Freien.

Zwischen Trams und parkierten Autos geniessen nur wenige einen Kaffee im Freien.

bz Basellandschaftliche Zeitung

Vor dem Restaurant La Tavola stehen drei leere Tische an der Güterstrasse. «Die sind dort, um aufzufallen», sagt Wirt Yönden Tacim. 1100 Franken kostet ihn die Bewilligung für die Allmendnutzung vor dem Haus jährlich, das sind wie in der ganzen Stadt 88 Franken pro Quadratmeter und Jahr. Den Umsatz draussen erwirtschafte er aber an der anderen Hauswand, an der Ecke Pfeffingerstrasse.

Angesprochen auf die 12 Millionen Franken teure Umgestaltung der Güterstrasse zum Boulevard vor fünf Jahren fragt er mehrmals aufgebracht: «Wo ist der Boulevard?» Die Strasse sehe schöner aus als vorher. «Aber es ist gefährlicher geworden», sagt Tacim. Trams, Autoverkehr und die wild parkierten Autos machten es unattraktiv, draussen zu sitzen. Das finden auch etliche andere Wirte entlang der Güterstrasse.

Pflanzentöpfe statt Parkplätze

Statt einer von Verkehr und wild parkierten Autos dominierten Strasse wünscht sich zum Beispiel Monika Müller eine klarere Gestaltung des Boulevards als Ort zum Flanieren und Verweilen. Sie betreibt seit einem Jahr das «Pfifferling Deli» vis-à-vis dem Coop. Vier runde Tische stehen vor der Glasscheibe - sie dürfen maximal zwei Meter Abstand haben zur Hauswand. Das werde regelmässig von der Allmendverwaltung kontrolliert. «Manchmal gibt es die Situation, dass ein Auto vor den Tischen steht und dann zum Beispiel Kinderwagen kaum mehr durchkommen», sagt Müller. Es bräuchte wenig, um die Situation zu verbessern, ist sie überzeugt: «Ein paar Blumentöpfe oder Bäume wie auf der anderen Seite wären gut.»

Das sieht die Quartierkoordination Gundeldingen ähnlich. «Einen Boulevard stelle ich mir anders vor», sagt Geschäftsführerin Gabriele Frank und kann sich ein Lachen nicht verkneifen. Ihr fehlen Sitzbänke zum Verweilen. Und Grünpflanzen. Und der Platz zum Flanieren. Den Boulevard rein über die Aussenbestuhlung attraktiver gestalten zu wollen, das reiche nicht aus. Frank kritisiert insbesondere die Situation mit den Wildparkierern. «Natürlich braucht das Gewerbe Platz für die Anlieferung», räumt sie ein, «aber so ist das nicht befriedigend.» Die Quartierkoordinatorin wünscht sich eine «kreativere Lösung» für die Parkflächen und hofft in dem Zusammenhang auf die Verkehrsberuhigung. «Aber man muss an mehreren Strängen ziehen», sagt Frank weiter.

Allmend braucht Aufwertung

Insgesamt werde die Allmend im Gundeli nicht optimal genutzt, das gelte auch für den Tellplatz und den Meret-Oppenheim-Platz. «Der Meret-Oppenheim-Platz im Gundeli wird von vielen Quartierbewohnerinnen und Quartierbewohnern als karg und wenig einladend empfunden.»

Um das Bild ein wenig zu ändern, wird der Platz im Juli und August zum Open-Air-Kino. Ab dem 24. Juli werden Stühle aufgestellt und am Samstag, 31. August wird zum 100. Geburtstag von Meret Oppenheim auf dem nach der Künstlerin benannten Platz der Dokumentarfilm «Imago» gezeigt.

Bussen bringen wenig

Das Problem mit dem Parkieren am Boulevard Güterstrasse ist beim Bau- und Verkehrsdepartement hinlänglich bekannt. Bereits 2010 wurden zusätzliche Halteverbote markiert. Und erst diesen Juni hat der Regierungsrat einen Anzug von Mustafa Atici und Konsorten beantwortet, der nach «Massnahmen gegen das Falschparkieren und für mehr Verkehrssicherheit und Attraktivität auf dem Boulevard Güterstrasse» fragte.

Allerdings wird dort das zentrale Anliegen, das auch die Wirte haben, direkt versenkt: Eine Gestaltung mit Parkhindernissen oder Grünpflanzen sei nicht geeignet, weil das den Güterumschlag behindere; das Gleiche gelte auch für Sitzbänke.

Dass aber einzelne Automobilisten den Begriff «Güterumschlag» stark dehnen, weiss zumindest der Verkehrsdienst, der regelmässig Kontrollen durchführt. «Wie an anderen Orten in der Stadt auch gibt es eine Busse, wenn die Regeln nicht befolgt werden», sagt Andreas Knuchel, stellvertretender Mediensprecher der Basler Kantonspolizei. Wer also statt seiner Güter aus- und wieder einzuladen auch noch einen Kaffee trinken geht, wird gebüsst - sofern die Polizei gerade vor Ort ist. 120 Franken kostet das Parkieren im Halteverbot, 40 Franken im Parkverbot.

Auch Stadt ist unzufrieden

Allerdings: Ganz zufrieden ist auch das Bau- und Verkehrsdepartement nicht mit der bisherigen Entwicklung der Güterstrasse. «Wir sind nicht dort, wo wir wünschen», sagt André Frauchiger. Zwar gebe es schon mehr Cafés und Läden. Leider würden noch nicht alle verfügbaren Allmendflächen genutzt. «Aber man kann die Wirte und die Läden nicht dazu zwingen, wir können lediglich die Grundlagen schaffen», sagt Frauchiger.

Und er schiebt den Ball den Wirten und Läden zu: «Würden sie den Boulevard mehr nutzen, würde dies auch das illegale Parkieren eindämmen», ist Frauchiger überzeugt. «Und es ist auch nicht verboten, mit den Nachbarn zu reden und eine gangbare Lösung für den Güterumschlag zu suchen.»