Preise
Weniger Preise, mehr Orden - Wie weiter mit kantonalen Ehrungen?

Der Versuch, eine Straffung und Aufwertung der kantonalen Preisvergaben herbeizuführen, ist gescheitert. Alt-Staatsschreiber Robert Heuss rät, die Verleihung von Orden einzuführen.

Christian Mensch
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Die Preisträger Moritz Walther, Laura Pregger, Elias Schäfer, Rebekka Kiesewetter, Matylda Krzykowski.

Die Preisträger Moritz Walther, Laura Pregger, Elias Schäfer, Rebekka Kiesewetter, Matylda Krzykowski.

Zur Verfügung gestellt

Kantonale Preise und Ehrungen sind in Basel-Stadt Regierungssache. Zumindest waren sie es. Nun lanciert die Abteilung Kultur des Präsidialdepartements in eigener Regie den Kultur-Förderpreis mit einer Gewinnsumme von 10000 Franken. Philippe Bischof, Leiter Kultur, kündete diese Woche den neuen Preis sowie die fünfköpfige Jury an. Und mit dazu den ersten Preisträger: das Depot Basel.

Die Überraschung ist geglückt. Marco Greiner, Informationsbeauftragter der Regierung, ist informationslos und verweist an das Präsidialdepartement. Dort führt Daniela Krienbühl, Assistentin des Leiters Kultur, das kommunikative Zepter: Nein, für den neuen Preis gebe es kein Reglement, das Verfahren sei «intern festgeschrieben», erklärt sie auf Anfrage. Das Preisgeld stamme aus dem Budget der Abteilung Kultur und die Auszeichnung sei als «gezielte Förder-Massnahme im jungen Kunst- und Kulturbereich zu verstehen». So weit, so unbürokratisch.

«Straffung und Aufwertung»

Gedacht war es anders. 2007 erhielt der damalige Staatsschreiber Robert Heuss den Auftrag, alle staatlichen Preise und Ehrungen zu sichten und zu bewerten. Das Ziel war eine «Straffung und Aufwertung» des Preisreigens. Mehrfach beugte sich die Regierung über das Geschäft. Der Erfolg war jedoch ein «Hornbergerschiessen», erinnert sich Heuss. Keiner der preisverleihenden Regierungsräte wollte sich einen der garantiert positiven Medienauftritte nehmen lassen.

Den von Heuss verfasste Bericht erklärt Greiner auf Anfrage des «Sonntags» zur Verschlusssache. Berichte an den Regierungsrat seien vertraulich, «um den Meinungsbildungsprozess des Regierungsrats und damit das Kollegialitätsprinzip» zu schützen. Die Kollegialität scheint sich bei diesem Thema allerdings in engen Grenzen gehalten zu haben: Der Versuch, den als problematisch erachteten «Schappo»-Preis (Präsidialdepartement) mit dem «Sozialpreis» (Wirtschaftsdepartement) zu vereinigen, scheiterte jedenfalls kläglich. Ein zusätzlicher Evaluationsbericht, ebenfalls für vertraulich erklärt, lobte den «Schappo»-Preis derart, dass sein Weiterbestehen bis heute garantiert blieb. Insbesondere Morin klammerte sich an den «Schappo», der jährlich dreimal an sozial aktive Einzelpersonen oder Gruppen für ihr «Engagement im Alltag» vergeben wird und mit einem warmen Händedruck und einer fremdfinanzierten Plakatkampagne dotiert ist.

In Zukunft Orden?

Die Folge des regierungsrätlichen Ausfalls: Die Verleihung des «Sozialpreises» fiel ersatzlos aus. Seit gut zwei Jahren ist Hansjürg Dolder, Chef im Amt für Wirtschaft und Arbeit, mit dem Auftrag unterwegs, ein neues Konzept zu erarbeiten. Dieses soll nun in den nächsten Wochen den Sozialpartnern zur Begutachtung und Anfang 2013 der Gesamtregierung zur Absegnung vorgelegt werden, sagt er gegenüber dem «Sonntag».

Solchen administrativen Aufwand umging das Präsidialdepartement mit der Ad-hoc-Kreation des Kultur-Förderpreises. Mit der Auszeichnung des Depot Basel setzt sich die Abteilung Kultur allerdings gleich bei der Erstverleihung in vermintes Gelände: Denn das Depot Basel entspricht exakt dem Zielpublikum der ebenfalls umstrittenen «Initiative Kreativwirtschaft Basel» (IKB) – und diese wird wiederum vom Wirtschaftsdepartement finanziert.

Robert Heuss macht nun einen Vorschlag zur Güte: Die Ehrungen und Preise sollten doch durch Orden ersetzt werden. Diese waren in der Schweiz verboten, sind jedoch seit dem Jahr 2000 verfassungsmässig zugelassen. Heuss sagt: Es zeige sich in Frankreich wie in Deutschland, dass sich Orden einer hohen Beliebtheit erfreuten. Und nicht wenige Basler, die sich um die Dreiländersache verdient gemacht hätten, würden mit Stolz eine solche ehrenvolle Nadel am Revers tragen. Und günstig, sagt Robert Heuss, seien sie obendrein.

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