Leuchtreklame
«Wir sind keine Bettler»: Gastro-Werbung am Barfi sorgt für Unmut

Ein Basler Wirt spielt Gastronomen gegen Bettler aus. Das kommt nicht überall gut an.

Nora Bader
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«Wir sind keine Bettler» heisst es auf der Leuchtreklame.

«Wir sind keine Bettler» heisst es auf der Leuchtreklame.

Juri Junkov

Heroisch thront sie über dem Barüfsserplatz: die Leuchtreklame am Seiler-Haus, die zum Bild der Innenstadt gehört. In roter Leuchtschrift ist dort derzeit zu lesen: «... Wir sind keine Bettler! Das für unsere Gesellschaft wertvolle Gastrogewerbe hat den Anspruch, dass der von der Obrigkeit verfügte Schaden eine korrekte Entschädigung zugute hat. Sind 265'000 Gastgewerbe-Mitarbeiter nichts wert?! Ein frohes neues Jahr wünscht Ihnen Restaurant Walliserkanne, Stadthof und Brötlibar.»

Seit über drei Jahren befindet sich das «Barfiband» im Besitz von Josef Schüpfer, dem ehemaligen Präsidenten des Wirteverbands und Betreiber des «Stadthofs» am Barfi. Damals kaufte er es dem Medienunternehmer Christian Heeb ab, der das Band nach mehrjährigem Stillstand im Jahr 2015 wieder zum Leben erweckt hatte, dann aber ziemlich rasch flüssige Mittel für seine damalige Plattform barfi.ch benötigte. Das Schriftband am Barfüsserplatz erfreut sich bei Kunden grosser Beliebtheit. Mittlerweile sind darauf unter anderem News von «Telebasel» zu lesen.

In der Stadt sorgt das Band derweil für Gesprächsstoff. Dass Schüpfer die coronabedingten Gastroforderungen offenbar in Verbindung mit der Bettlerdebatte bringt, kommt nicht überall gut an, wie sich im Gespräch mit Passanten in der Innenstadt zeigt.

Wirteverband störte sich im Sommer ab Bettelnden

Basta-Grossrätin Tonja Zürcher sagt dazu auf Anfrage: «Ich finde diese Verknüpfung von Coronafinanzhilfe und Bettlerdebatte problematisch.» Es sei absolut gerechtfertigt, dass die Gastronomie wegen Corona Hilfe beanspruche und fordere. «Aber ein Gastrobetrieb muss deshalb nicht gegen Bettelnde hetzen.» Im Sommer habe sich der Wirteverband bereits mehrfach in die Betteldebatte eingemischt und diese mit öffentlicher Hetze befeuert. Sie sehe wirklich nicht ein, weshalb man die Bettelproblematik einbringen müsse, um Hilfe zu bekommen, so Zürcher. «Es erschüttert mich, wie auf Menschen eingehackt wird, die es sowieso schon schwer haben», so Zürcher.

Nicht so eng sieht es SVP-Grossrat Joël Thüring, der sich für die Wiedereinführung des Bettelverbots in Basel eingesetzt hatte. Man müsse diese Zeilen auf dem «Barfiband» mit einem Augenzwinkern betrachten. Sein Fazit: «Das ist doch eine gelungene Werbung, die offenbar Aufmerksamkeit erlangt. Ziel erreicht, es wird darüber gesprochen», so Thüring.

Josef Schüpfer selber war gestern für eine Stellungnahme nicht verfügbar. Und beim Wirteverband Basel-Stadt heisst es auf Anfrage: Man habe sich im Sommer gestört ab den allgegenwärtigen Bettelnden, aber: «Diese Debatte hat nichts mit Corona zu tun», so Präsident Maurus Ebneter, der sich nicht weiter dazu äussern

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