Kaserne Basel

«Wir tasten uns zur Normalität zurück» – Musikchef Sandro Bernasconi im Interview

«Manche Konzerte haben wir bereits dreimal verschoben», sagt Musikchef Sandro Bernasconi. (Archiv)

«Manche Konzerte haben wir bereits dreimal verschoben», sagt Musikchef Sandro Bernasconi. (Archiv)

Das Basler Dreispartenhaus Kaserne hat am Mittwochabend einen Ausblick auf die kommende Saison gegeben. Im Gespräch berichtet der Musikverantwortliche Sandro Bernasconi von seiner Arbeit in Zeiten von Corona.

Normalerweise stellt sich bei einer Programmvorstellung die Frage «Was». War es im Coronajahr eher ein «Wie»?

Ja, aber das ist nicht neu. Wir befinden uns seit Ende Februar in dieser Situation, die uns zum Umdenken zwingt. Schon im April haben wir andere Formate, wie etwa die Innenhofkonzerte, durchgeführt.

Aber nun machen Ihnen die Reiseeinschränkungen zu schaffen?

Das ist wahrlich ein Dolch in unserem Rücken. Ein Haus wie wir, das international programmiert, leidet natürlich unter diesen Einschränkungen. Ein grosser Teil unserer üblichen Musikprogrammation ist aktuell schlicht nicht möglich.

Welches sind die konkreten Hürden?

Viele Acts können nicht aus- oder einreisen. Oder halt nur mit strengen Quarantäneauflagen. Es macht für Musiker finanziell aber keinen Sinn, wenn sie für ein einzelnes Konzert tagelang in Isolation müssen und in dieser Zeit kein Einkommen haben. Kommt hinzu, dass das viele auch losgelöst vom finanziellen Verlust nicht möchten. Also gehen viele Bands gar nicht erst auf Tour.

Und ohne Tour schnellen die Kosten für ein Konzert in die Höhe?

Genau. Grosse Festivals können sich vereinzelt Fly-in-Gigs leisten, also Konzerte, bei denen der Künstler für ein einzelnes Konzert anreist. Wir dagegen sind darauf angewiesen, dass wir eine Band unterwegs abfangen können. Aber gerade, wenn die Konzertorte in den Nachbarländern oder -kantonen wegbrechen, geht das nicht.

Also bleiben Ihnen fast nur die nationalen Acts.

Wir hatten immer Schweizer Bands, haben diese aber oft an einem Abend mit internationalen Acts gepaart.

Einheimische Bands als Lückenbüsser?

Auf gar keinen Fall! Wir holen nun jene Bands, die wir immer toll fanden, die aber bisher vielleicht keinen Platz hatten. Als Nebeneffekt können wir unsere Verantwortung wahrnehmen, die einheimischen Kulturschaffenden noch mehr zu stärken. Wobei man hier nicht in einen Protektionismus fallen darf.

Sie könnten angesichts von Corona auch alle Veranstaltungen aussetzen.

Wir haben vom Kanton den Auftrag, das Haus zu bespielen. Auch uns ist wichtig, dass wir die Türen öffnen und unter den gegebenen Schutzkonzepten Veranstaltungen durchführen.

Was bedeutet das für die erlaubten Besucherzahlen?

Wir tasten uns zur Normalität zurück. Aktuell haben wir in beiden Räumen bei Musikveranstaltungen eine Kapazität von je 150 und möchten das in Absprache mit dem Kanton langsam erhöhen. Aber das hängt jeweils von den Entwicklungen bei den Fallzahlen ab.

Eine rollende Planung also?

Sowieso. Manche Konzerte haben wir bereits dreimal verschoben. Dann habe ich einige in der Hinterhand, die noch nicht kommuniziert sind, obschon sie so gut wie fix sind. Und dann gibt es wiederum andere, die ausverkauft sind, bei denen aber noch immer nicht klar ist, in welcher Form sie stattfinden können.

War die Öffnung verfrüht?

Nein, das Bedürfnis ist ja da. Man sieht das an den Bildern aus der Steinen oder vom Rhein. Und auch daran, dass es wieder zahlreiche illegale Partys gibt. Ich denke, da ist es klüger, wenn man unter Einhaltung der Massnahmen Events stattfinden lässt.

Es bleibt aber die Unberechenbarkeit der Besucher.

Das ist aktuell sehr stark so. Die Ticketvorverkäufe sind fast überall massiv eingebrochen. Gemäss dem Feedback, das ich aus anderen Szenen bekomme, werden aktuell keine Türen eingerannt.

An was liegts? Im Lockdown schrie man nach Events.

Ich kann mir vorstellen, dass die Leute das Vertrauen in den Vorverkauf verloren haben, selbst wenn man die Tickets zurückerstattet bekommt. Es braucht nun vielleicht einfach etwas Zeit.

Wie weit reicht aktuell Ihr Planungshorizont?

Wirklich fix sind die Events, die binnen Monatsfrist stattfinden. Mit den Verschiebedaten hat sich unser administrativer Aufwand aber verdreifacht. Gleichzeitig gibt es auch Agenturen, die bereits für Februar 2022 anklopfen.

Weil sie das kommende Jahr abgeschrieben haben?

Ja. Wobei ich mich nicht so weit im Voraus festlegen möchte. Ich warte mit Freude auf die Meisterleistungen, die im Lockdown im Studio vollbracht wurden.

Was wünschen Sie sich in der Zwischenzeit?

Dass wir die Ruhe nicht verlieren. Und dass wir Konzerte besuchen und die Künstler und Clubs unterstützen, statt nur auf den sozialen Medien von Solidarität zu reden. Statt sich mit Verschwörungstheorien abzumühen, sollte man sich beispielsweise lieber die grossartige Compilation «Nisf Madeena (half city)» kaufen, deren Einnahmen den Beiruter Clubs zugutekommen.

Das volle Programm der Kaserne finden Sie unter: www.kaserne-basel.ch/de/spielplan

3 x 5 Tipps: Die Sparten-Experten der Kaserne stellen ihre Highligts vor

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