Eidgenössisches
Wirrwarr um mögliches Schwingfest im Joggeli

Die Basler Schwinger wollen eine Durchführung des Eidgenössischen Schwingfests im St.Jakob Stadion nicht näher prüfen. Nun erledigen das andere: Bis zum 15. Dezember will das Sportamt ein Konzept vorlegen.

Benjamin Wieland
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Schlussgang im St.Jakob-Park: Mit den sieben Sägemehl-Ringen wäre die Arbeit längst nicht getan.

Schlussgang im St.Jakob-Park: Mit den sieben Sägemehl-Ringen wäre die Arbeit längst nicht getan.

KEYSTONE

Urs Lanz, der Chef der Baselbieter Schwinger, sagt es bei jeder Gelegenheit: Es sei nicht die Aufgabe seines Verbands, die Durchführung eines «Eidgenössischen» im St. Jakob-Park zu prüfen – das müssten die Kollegen aus dem Stadtkanton erledigen. Was Lanz wohl nicht weiss: Auch die Basler Schwinger haben wenig Lust auf diese Büez.

Das geht aus den Antworten des Vize-Präsidenten und Mediensprechers des Schwingerverbands Basel-Stadt auf die Frage hervor, wie weit man mit der Machbarkeitsstudie für die Variante St. Jakob sei: «Die Stadionfrage ist ungelöst», sagt Raymond Stalder. «Und so lange sie nicht gelöst ist, erübrigt sich jede weitere Diskussion.» Eine Machbarkeitsstudie sei nicht vorgesehen.

Keine guten Voraussetzungen also, dass das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAV) 2022 wie vorgesehen in der Region Basel stattfinden kann: Die Planungen für die Variante Aesch Nord sind blockiert. Zwar fiel die Machbarkeitsstudie positiv aus, aber die betroffenen Bauern weigern sich weiterhin, ihr Land herzugeben (bz berichtete). Und in Basel streckt der Kantonalverband frühzeitig die Waffen.

Stadtmarketing mit im Boot

In die Bresche springen nun aber andere Akteure im Stadtkanton. Sie haben offensichtlich ihre Liebe für den Schwingsport entdeckt. Kürzlich fand ein Treffen zum Thema «Eidgenössisches St. Jakob-Brüglinger Ebene» statt – mit illustrem Teilnehmerfeld: Anwesend waren neben dem Basler Schwingerverband das Stadtmarketing, das Sportamt Basel-Stadt, der FC Basel und die Genossenschaft Stadion St. Jakob-Park. Derzeit würden die genannten Stellen die Machbarkeit eines Schwingfests im Joggeli und in der Brüglinger Ebene prüfen, sagt Rolf Klarer. Der frühere Spitzenschwinger hat im Gremium eine beratende Funktion inne, zudem ist er Ehrenmitglied im Nordwestschweizerischen Schwingerverband.

Es handle sich nicht um eine Machbarkeitsstudie im eigentlichen Sinn, erklärt Klarer, sondern um «interne Abklärungen von Experten der beteiligten Stellen». Alle Betroffenen seien mit dem Festort grundsätzlich einverstanden.

Indes sind nicht alle so optimistisch. Knackpunkt bei der Variante «Joggeli»: die Planungssicherheit. Der Basler Schwingerverband müsse eine Garantie vorlegen, dass das Stadion im Sommer in knapp sechs Jahren auch tatsächlich für mehrere Wochen belegt werden wird, sagt Raymond Stalder. Aber diese Garantie könne derzeit niemand aussprechen. Der Eidgenössische Schwingerverband vergibt das Schwingfest 2022 im Frühjahr 2018. «Wenn es dann heisst», sagt Stalder, «der St. Jakob-Park ist nicht hundertprozentig frei, oder nicht zum vorgesehenen Zeitpunkt, dann hat diese Bewerbung keine Chance. Wir müssen sie so gar nicht erst einreichen.»

Basler Sportamt erstellt Konzept

Dem widerspricht Rolf Klarer: «Es besteht schon eine gewisse Flexibilität. So ist zum Beispiel nicht in Stein gemeisselt, dass das Fest immer an einem Wochenende Ende August stattfinden muss.» Weil am besagten Treffen der St. Jakob-Anrainer auch ein Vertreter des Eidgenössischen Verbands teilgenommen habe, sei der Informationsfluss zu diesem gewährleistet.

Stark vom Fest betroffen wäre das Sportamt. Es müsste wochenlang auf wichtige Einrichtungen verzichten. Das wäre aber kein unüberbrückbares Hindernis. Sportamt-Leiter Peter Howald schreibt: «Wenn sich herausstellen sollte, dass der Festplatz Aesch nicht ermöglicht werden kann, wird der Standort St. Jakob vertieft geprüft.» Selbstverständlich sei man bereits daran, diese «Hausaufgaben» zu erledigen. Bis zum 15. Dezember will das Sportamt ein Konzept vorlegen. Dann trifft sich die Gruppe Schwingfest St. Jakob ein zweites Mal. Bereits am 25. November hält der Basellandschaftliche Kantonalschwingerverband seine Jahresversammlung ab. Dann wird auch über das weitere Vorgehen bei der Variante Aesch Nord entscheiden. Der Basler Verband wiederum hält seine Generalversammlung am 10. Dezember ab.

Das «Eidgenössische» fand bereits 1977 im alten St. Jakob-Stadion statt. Bei einer Neuauflage müsste der FC Basel wohl auf andere Spielstätten ausweichen. Der Club will den Schwingern aber keine Steine in den Weg legen. Dazu Jonas Blechschmidt, Leiter Stadion und Gastronomie: «Wenn es für den FC Basel organisatorisch möglich ist, und es der internationale Fussball-Terminkalender zulässt, sind wir die letzten, die das Schwingfest verhindern würden.»