Denkmalpflege
Zwischen den Gräbern blüht das Leben

Der Wolfgottesacker ist Ruhestätte und Lebensraum mitten in der Stadt – und kostet viel Geld.

Andreas Fahrländer
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Eine englische Parklandschaft mit uralten Bäumen umschliesst die Grabfelder auf dem Wolfgottesacker. Einst war der Friedhof oval, 1875 wurde er von den Gleisen der Centralbahn zerschnitten.

Eine englische Parklandschaft mit uralten Bäumen umschliesst die Grabfelder auf dem Wolfgottesacker. Einst war der Friedhof oval, 1875 wurde er von den Gleisen der Centralbahn zerschnitten.

Roland Schmid

Es ist still auf dem Wolfgottesacker. Nur das Plätschern der Gartenschläuche ist zu hören. Die Gärtner der Stadtgärtnerei haben viel zu tun. Das Stellwerk 4 der SBB ragt über die Grabmäler des Basler Bürgertums. Geigy reihen sich hier an Merian, Passavant, Paravicini, Staehelin und Sarasin. Der halbe Daig liegt hier begraben. Eichhörnchen rennen über die Mauer hinter den berühmten Toten, direkt dahinter steht ein Bummelzug auf dem Abstellgleis. Der Friedhof – eingeklemmt zwischen Dreispitzareal, Gleisfeld, Schrebergärten und Gassenzimmer – ist nämlich nicht nur friedvolle Ruhestätte für vermögende Basler, sondern auch ein wertvoller Lebensraum für Tiere und Pflanzen mitten in der Stadt.

1872 wurde der «Gottesacker auf dem Wolf» auf noch freiem Feld eröffnet. Die Anlage im Stil eines englischen Landschaftsgartens und mit neoromanischer Leichenhalle und Pförtnerhaus galt als eine der schönsten der Schweiz. Einst reichte die Anlage weiter nach Nordwesten. Als 1875 die Centralbahn hier ihre Schienen verlegte, wurde der Gottesacker in der Mitte halbiert und seitwärts erweitert.

Die Stadtgärtnerei hat nun ein Parkpflegewerk entwickelt, mit dem der Friedhof als Ort der Trauer und als Lebensraum für Tiere und Pflanzen auch in Zukunft erhalten werden soll. Insekten und Vögel, aber auch Reptilien und Amphibien aus den nahen Gleisen fühlen sich wohl hier.

Geldsorgen auf dem Gottesacker

Der Erhalt der historischen Grabmäler und des alten Baumbestandes ist sehr aufwendig – und kostet viel Geld. Marc Lüthi, Leiter des Bestattungswesens bei der Stadtgärtnerei, sagt: «Wir haben zahlreiche Staatsgräber, entweder von historischen Persönlichkeiten oder solche, die als Denkmäler erhalten werden müssen.» Für den Unterhalt fehle immer wieder das Geld. «Wir sind aber im Gespräch mit dem Präsidialdepartement.»

Zudem werden immer noch Familiengrabstätten verpachtet. Ab 30 000 Franken bekommt man für 40 jahren ein Familiengrab für vier Personen – inklusive Pflege. Auch Jacob Burckhardts Leichnam wurde 1897 hier bestattet. Heute liegen seine Gebeine auf dem Friedhof am Hörnli. Mit der Eröffnung des Zentralfriedhofs 1932 gingen die Bestattungen auf dem Wolfgottesacker stark zurück. 1936 wurden hier die Beisetzungen eingestellt. Nach Ablauf der letzten Ruhezeiten sollte der Friedhof 1951 eigentlich aufgehoben werden. Aus Angst um Burckhardts Grab wurde sein Sarg deshalb aufs Hörnli überführt. Doch der Wolfgottesacker blieb erhalten, im vergangenen Jahr wurden die Kapelle und das Pförtnerhaus in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege erneuert. Abdankungshalle und Aufbahrungsraum wurden rollstuhlgängig umgebaut.

Heute ist der Wolfgottesacker ein Ort der Stille für Trauernde und Erholungssuchende in der Hektik der Stadt. Jährlich werden noch rund 120 Bestattungen in Familiengräbern durchgeführt. Ein Besuch in der idyllischen Parklandschaft ist im Gegensatz zu einer Bestattung ganz umsonst.

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