Corona-Virus

Anstehen für den Besuch in der Apotheke – wenn der Einkauf zum Hindernis-Parcours wird

Auch in der Stadt reagieren die Apotheken: Hier Stephane Haller in der Gellert Apotheke in Basel.

Auch in der Stadt reagieren die Apotheken: Hier Stephane Haller in der Gellert Apotheke in Basel.

Die Mitarbeitenden stehen fast täglich im Kundenkontakt – so gehen Baselbieter Apotheken mit der Corona-Situation um.

«Es dürfen sich nur 2 Personen im Verkaufsraum befinden. Bitte halten Sie den Mindestabstand von 2 Metern ein.» Der A 4-grosse Zettel ist hinter den Glasscheiben der automatischen Schiebetür der Apotheke Strichcode in Sissach aufgestellt. Eine Tür, die zurzeit ihrem Namen trotzt. Sie öffnet sich nicht, wenn jemand davorsteht. Denn im Inneren befinden sich schon zwei Kunden. Die anderen müssen draussen warten, bis eine Theke frei wird. Erst, wenn jemand die Apotheke verlässt, gewährt die Türe wieder Zutritt.

Das Innere der Apotheke ähnelt einem Hindernis-Parcours. Rund zwei Meter vor den Theken stehen drei Alu-Bartische, verbunden mit rot-weiss gestreiftem Absperrband. Auf den Tischen: Drei Plexiglasscheiben, die mittlere verfügt über ein rechteckiges Loch am unteren Rand. Am Boden markiert eine gelbe Linie, wo sich die Kunden hinstellen sollen; ein schmales Regal, auf dem sich zwei Blumentöpfe befinden, soll die Kunden zusätzlich voneinander trennen. «Zum Schutz der Kunden und Mitarbeitenden», erklärt Geschäftsführer Marco Gonçalves. «Wir gehören durch die vielen Kundenkontakte zu den gefährdetsten Personen.»

Angefangen habe er mit der gelben Markierung am Boden. «Aber viele Leute haben sie einfach missachtet und übertreten», erzählt er. In einem zweiten Schritt habe er das Absperrband angebracht. «Dann mussten wir uns dumme Sprüche anhören von Kunden, die fanden, dass wir übertreiben.» Dies könne verletzend sein, sagt der Geschäftsführer: «Das Team arbeitet momentan wirklich sehr hart und setzt sich der Gefahr aus. Sich dann solche Kommentare anhören zu müssen, ist frustrierend.»

Sandsturm ist auch im Baselbiet angekommen

Mit den immer schärferen Massnahmen des Bundes habe er schliesslich auch diejenigen in der Apotheke ein weiteres Mal verschärft: Hinzu kamen die Tische und die Plexiglasscheiben. «Und wir haben von drei auf zwei Verkaufstheken reduziert», so Gonçalves. Das Desinfektionsmittel, das aus dem übrig gebliebenen Bier für die abgesagte Sissacher Fasnacht hergestellt wurde, verkaufte Gonçalves trotzdem innert weniger Tage: Gestern ging die letzte Flasche über die Theke. Witze und Sprüche müsse er sich mittlerweile nicht mehr viele anhören. «Ich glaube, die Leute verstehen langsam, wie ernst die Sache ist», sagt er. Und vergleicht die Situation mit einem Sandsturm: «Wir hören schon seit einer Weile davon, dass der Sturm kommen wird», so Marco Gonçalves. Doch erst jetzt sehe man die rot-braune Wolke langsam am Horizont.
Auch ein Augenschein bei den anderen Sissacher Apotheken und Drogerien zeigt: Überall gibt es neue Sicherheitsmassnahmen wie Trennscheiben oder Einlassgrenzen.

Wenn die Eingangstür zur Verkaufstheke wird

Neue Regeln gelten auch in der Saner-Apotheke in Liestal: Der Raum wurde in zwei Bereiche aufgeteilt – im Verkaufsbereich werden nur noch zwei Kunden gleichzeitig bedient, im Wartebereich darf sich nur eine Person aufhalten. Auch hier wird das Personal mit Plexiglasscheiben geschützt. Insgesamt gehe es «gesittet» zu und her, wie eine Mitarbeiterin erzählt. Die Kunden würden sich lediglich darüber ärgern, dass sie pro Einkauf nur eine Schutzmaske oder ein Desinfektionsmittel kaufen dürfen. «Wir erklären jeweils, dass das eine Massnahme des Bundes ist», sagt die Mitarbeiterin.

Auch in der TopPharm-Apotheke in Gelterkinden gibt es kaum verärgerte Kunden – aber solche, welche die Regeln nicht verstehen, wie die Inhaberin erzählt. «Wir haben jetzt alles etwas grösser angeschrieben, damit es allen klar ist», sagt sie. Beispielsweise der neue Wartebereich beim Eingang oder die «Keine Selbstbedienung»- Aufschrift im frei zugänglichen Teil der Apotheke. Die Mitarbeitenden bedienen die Kunden auch hier durch Trennscheiben, die auf den Verkaufstheken aufgestellt sind.

Einige hundert Meter weiter, in der Apotheke Gelterkinden Handschin, wird mit einer grösseren Trennscheibe gearbeitet: Der Eingang wurde dort kurzerhand zur Verkaufstheke umgewandelt, aus der Tür wurde eine riesige Trennscheibe. Kunden können den Laden nicht mehr betreten, sondern werden direkt an der Eingangstür bedient. Es werden jeweils zwei Personen gleichzeitig bedient – die Kunden werden ebenfalls durch eine Scheibe voneinander getrennt.

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