Coronavirus

Die Agglo ist kein Corona-Hotspot

Das Baselbiet liegt im Mittelfeld der Kantone. (Archivbild)

Das Baselbiet liegt im Mittelfeld der Kantone. (Archivbild)

Die Ansteckungszahlen liegen auch in den grossen Unterbaselbieter Gemeinden unter jenen von Basel-Stadt.

Erstmals seit Ausbruch der Coronapandemie hat der Kanton Baselland Fallzahlen für alle 86 Gemeinden veröffentlicht. Am meisten registrierte Ansteckungen mit dem Virus gab es bisher in Pratteln (95), gefolgt von Allschwil (90), Reinach (73), Binningen (70) sowie Muttenz und Birsfelden (je 55). Demgegenüber gibt es zwölf kleinere Gemeinden, fast alle aus den Bezirken Waldenburg und Sissach, die bisher keinen einzigen Coronafall zu vermelden hatten.

Bezogen auf die Einwohnerzahl verändert sich freilich das Bild: Der sogenannte Inzidenzwert, der die Zahl der Infizierten pro 100000 Einwohner angibt, ist in den kleinen Gemeinden Blauen mit 855 (6 registrierte Infektionen) und Wintersingen mit 822 (5 Fälle) am höchsten im Kanton. Allerdings sind diese Zahlen aufgrund der geringen Bevölkerungszahl dieser Dörfer nicht sehr aussagekräftig; wenige Neuinfektionen können den Inzidenzwert hier bereits massiv in die Höhe schnellen lassen.

Baselland im Mittelfeld der Kantone

Die Publikation der Zahlen steht im Zusammenhang mit dem Entscheid des Kantons Baselland, auf die Einführung einer Maskenpflicht in Läden vorerst zu verzichten. FDP-Landrätin Christina Jeanneret-Gris wollte von der Regierung in der letzten Parlamentssitzung wissen, ob dieser Entscheid mit Blick auf den Nachbarkanton Basel-Stadt, der die Maskenpflicht am vergangenen Montag eingeführt hat, zu rechtfertigen sei. (Die erwähnten Ansteckungszahlen beziehen sich auf dieses Datum).

Ja, findet die Regierung. So lag der Inzidenzwert am vergangenen Montag im Landkanton bei 347, in Basel-Stadt bei 591. Baselland befand sich damit im Mittelfeld der Kantone, Basel-Stadt auf Rang vier hinter Genf, Tessin und Waadt. Es gibt im Baselbiet zudem keinen Agglo-Land-Graben: Im Bezirk Arlesheim sind die Ansteckungszahlen mit 363 pro 100000 Einwohner nur leicht über dem kantonalen Durchschnitt, aber signifikant von den Zahlen in Basel entfernt.

Von den grösseren Gemeinden, deren Zahlen aussagekräftig sind, erreichen nur Pratteln (567) und Birsfelden (524) Werte, die mit jenen der Stadt vergleichbar sind. Indes gibt es auch in der Agglomeration einige Gemeinden wie Bottmingen (190) und Ettingen (242) mit tiefen relativen Infektionszahlen.

Ansteckungen der letzten zwei Wochen entscheidend

Massgebend für die Entscheide der Politik ist aber ohnehin der Inzidenzwert bezogen auf die vergangenen zwei Wochen. Liegt dieser über 40, so erwägen die Nordwestschweizer Kantone eine Verschärfung der Coronamassnahmen, wie dies der Baselbieter Gesundheitsdirektor Thomas Weber kürzlich in der bz erklärt hat. Ab einem Wert von 60 wird ein Staat gemäss Covid-Verordnung des Bundes als Region mit erhöhtem Ansteckungsrisiko bezeichnet.

Basel-Stadt lag mit 49 Ansteckungen pro 100 000 Einwohner in den zwei Wochen vor Einführung der Maskenpflicht ziemlich genau zwischen den beiden Grenzwerten; für Baselland konnte für denselben Zeitraum ein Inzidenzwert von 22 errechnet werden. Damit, sowie mit der tiefen Anzahl Hospitalisationen, begründete Weber den Verzicht auf die Maskenpflicht. Bezogen auf die vergangenen Wochen sind die Unterschiede bei den Ansteckungszahlen zwischen Stadt und Land demnach grösser, als wenn man die Gesamtzahlen seit Ende Februar vergleicht.

Auf Gemeindeebene wurden keine Inzidenzwerte für spezifische Zeiträume veröffentlicht; sie wären statistisch kaum aussagekräftig. In den letzten Tagen ist der Inzidenzwert für die vergangenen 14 Tage in Basel-Stadt leicht gesunken, im Baselbiet stabil geblieben.

Quelle: Lagekarte Covid-19, Kanton Baselland, 24. August 2020; eigene Berechnungen.

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