Kunsthaus Baselland

Die wunderbare Leichtigkeit des Asphalts

Der Künstler Kilian Rüthemann begeht den zweiten Teil seines Aussenprojekts «Run»: Den schwarzen Teppich, der zum Kunsthaus Baselland führt.

Der Künstler Kilian Rüthemann begeht den zweiten Teil seines Aussenprojekts «Run»: Den schwarzen Teppich, der zum Kunsthaus Baselland führt.

Kilian Rüthemann hat nun auch den zweiten Teil seines Aussenprojekts «Run» vor dem Kunsthaus Baselland realisiert.

Wie zwei schwarze Teppiche liegen zwei sich an einer Ecke überlappende, lang gezogene Asphalt-Rechtecke auf dem Vorplatz des Kunsthauses Baselland. Es scheint, der Asphalt sei ausgerollt worden. Kilian Rüthemanns Ausseninstallation für das Kunsthaus Baselland verleiht Asphalt eine wunderbare Leichtigkeit, die man dem harten Material gar nicht zutraut. Hartes Material in einen Zustand des Fliessens oder der Weichheit zu versetzen, darum geht es Rüthemann einmal im zweiteiligen Kunstprojekt, das bis Ende Jahr das äussere Erscheinungsbild des Kunsthauses an der Muttenzer Grenze hin zu Basel prägt.

Kilian Rüthemann ist – nach Bianca Pedrina – der zweite Künstler, der von der Kunsthaus-Direktorin Ines Goldbach den Auftrag erhalten hat, den Aussenbereich des Kunsthauses zu bespielen. An der zur St. Jakobs-Strasse gerichteten Aussenwand prangt eine riesige Fotografie, die geschmolzene, fliessende Schokolade zeigt. Schon hier im ersten Teil seiner Installation «Run» lässt Rüthemann ein hartes Material fliessen – und hält diesen Fluss in der Momentaufnahme zugleich wieder auf, lässt die heisse Schokolade erstarren. Die Fotografie ist so von doppelter Ironie – sie erinnert auch an ein Werbebild. Rüthemann arbeitet zauberhaft mit Täuschungen und Ent-Täuschungen. Die Fotografie, die Räumlichkeit vortäuscht, hat skulpturalen Charakter.

Fest – flüssig – fest

Die beiden Teile der Installation korrespondieren miteinander. Beide wie der weiche und harte Zustand eines Materials als Prozess ineinander spielen und so auch rätselhaft erscheinen. Das aus profanem Material bestehende Werk hat seine ganz eigene Poesie.

Das gilt ebenso für den zweiten Teil der Installation, den beiden sich überlappenden Asphalt-Rechtecken auf dem Vorplatz des Kunsthauses. Gerade in dem Dreieck, in dem ein Asphalt-Teppich den anderen überlappt, scheint das Material weich und biegsam.

Obwohl es im erkalteten Zustand äusserst hart ist. Rüthemann hat bewusst ein alltägliches Material gewählt, das für den Strassenbau eingesetzt wird, mit dem gleichsam in die Natur hinein Strassen gelegt werden. Als Kunstwerk raubt er dem Asphalt bewusst seinen ansonsten rein funktionalen Charakter. Rüthemann erwähnt mit einem Lächeln, dass die Handwerker, welche die Flächen teerten, am Anfang gerade mit dieser Nutzlosigkeit ihre Mühe bekundet hätten.

Die Installation erzählt uns noch viel mehr: Einmal, dass die planierten Strassen mit einer nur dünnen – hier drei Zentimeter dicken – Schicht bedeckt sind. Vor allem aber sagen die beiden Rechtecke viel über die Präzision des Handwerks. Die dem Platz aufgesetzten schwarzen Asphalt-Flächen sind mit äusserster Genauigkeit gearbeitet.

Es sind diese alltäglichen Materialien, die Rüthemann in seiner Kunstarbeit interessieren: Er geht ihnen auf den Grund, bearbeitet sie neu, setzt sie in der Kunst anders ein.

Schwarzen Teppich ausgerollt

Die beiden Asphalt-Teppiche strukturieren den Vorplatz des Kunsthauses neu. Der Annex des Gebäudes mit seinen Kunst-Schaufenstern tritt in den Dialog mit Rüthemanns Installation. Und sie lässt uns entdecken, welch Flickwerk der Vorplatz ist – wie fast alle asphaltierten Plätze. Die zwei schwarzen Teppiche machen jede Reparatur des von der Sonne längst ins Grau aufgehellten alten Asphalts darunter stark sichtbar. Auch dies ist ein Effekt, den Rüthemann erzielen wollte. Ebenso macht er die Unebenheit, die wellenartige Form des Platzes erfahrbar.

Der zweite Teil von «Run» ist quasi der ausgerollte – hier schwarze – Teppich, der zum Kunsthaus führt und in seiner geometrischen klaren Form zugleich Ausdruck konkreter Kunst ist. Die Installation ist begehbar – ja sie lädt gerade dazu ein, über sie zu schreiten.

Ines Goldbach erzählt, dass einige Besucher zur Vernissage von Rüthemanns zweitem Teil von «Run» bewusst über die Asphalt-Teppiche gegangen seien, so gleichsam mit den Füssen die Beschaffenheit des Materials erfahren haben. Andere wiederum seien darum herum gegangen, trauten sich nicht, das Kunstwerk zu betreten. Jeder der unterschiedlichen zwei Haltungen zollt dem Kunstwerk auf ihre eigene Art Respekt.

Kilian Rüthemann: Run, zweiteilige Ausseninstallation am Kunsthaus Baselland, St. Jakobs-Strasse 170, Muttenz, bis 31. Dezember.

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