Gesundheitsversorgung

Dornacher Krankenhaus-Direktorin: «Ausbau des Spitals war dringendst nötig»

Hält sich wacker: Das vor Jahren totgeglaubte Spital Dornach ist wieder ein wichtiger Versorger in der regionalen Gesundheitslandschaft.

Hält sich wacker: Das vor Jahren totgeglaubte Spital Dornach ist wieder ein wichtiger Versorger in der regionalen Gesundheitslandschaft.

Spitaldirektorin Irene Wyss betont die wichtige Rolle des Dornacher Krankenhauses für die Gesundheitsversorgung der Region Basel.

In Laufen sorgt die geplante Schliessung des Spitals für Kontroversen. 15 Kilometer birsabwärts steigen in Dornach seit Jahren die Fallzahlen, was nun in einem Ausbau des Spitals mündet. In einem Dachaufbau wird neu die Administration konzentriert. Direktorin Irene Wyss erklärt, was mit den dadurch frei werdenden Flächen geschieht und welche Auswirkungen die Coronakrise auf das Spital hat.

Irene Wyss, Ihr Spital wird ausgebaut, das Spital Laufen geschlossen. Was machen Sie besser als Ihre Kollegen?

Irene Wyss: Unsere Situation ist eine andere als die des Kantonsspitals Baselland. Wir sind als Teil der Solothurner Spitäler AG das einzige Krankenhaus am Juranordfuss. Als solches sind wir wichtig für die Bevölkerung des Dorneck-Thierstein. Wir befinden uns im Grenzgebiet von Solothurn und Baselland. Die Wege sind hier kurz. Die Verbindungen zu den zuweisenden Ärztinnen und Ärzten sind gut, was auch mit der lokalen Verbundenheit und Fachkompetenz unserer Chefärzte zu tun hat.

Trotzdem ist die Konkurrenz in der Region gross. Das Spital Dornach ist einer von vielen Anbietern in einem hart umkämpften Markt.

Am Schluss entscheiden die Patienten. Sie erwarten eine hohe medizinische Kompetenz und möchten sich gut aufgehoben fühlen und bestens betreut wissen. Das erfüllen wir. Bei Patientenumfragen erhielten wir überdurchschnittlich gute Feedbacks. Das Bedürfnis der Bevölkerung nach dem Spital Dornach ist vorhanden. Ein entscheidendes Kriterium ist die seit Jahren stabile Führung der Solothurner Spitäler AG.

Es macht den Anschein, dass Dornach innerhalb der Solothurner Spitäler AG grossen Rückhalt geniesst.

Das kann ich bestätigen. Wir spüren von der Geschäftsleitung und vom Verwaltungsrat der Solothurner Spitäler AG eine grosse Unterstützung. Man sieht es derzeit an der Auslagerung aller administrativen Arbeitsplätze in den neuen Dachaufbau. Die Mitarbeitenden, deren Büros bisher im Spital verteilt waren, ziehen in diesen Tagen um. Insgesamt befinden sich im Aufbau künftig 43 Arbeitsplätze.

Welche Pläne haben Sie für die durch den Umzug frei werdenden Räume?

Die Notfallstation und die Ambulatorien sollen vergrössert, erweitert und infrastrukturell verbessert werden. Die frei werdenden Flächen geben uns die Möglichkeit, Disziplinen wie Urologie, Gastroenterologie und Endokrinologie mehr Platz einzuräumen. Dieser Ausbau war dringendst notwendig, da unser Spital stetig wächst und wir die Infrastruktur anpassen müssen.

Ursprünglich war geplant, für 27 Millionen Franken einen Erweiterungsbau zu realisieren. 2018 ruderte die Spitäler AG jedoch zurück. Welche Konsequenzen hatte das für das Spital Dornach?

Im Juni 2018 wurde der Anbau gestoppt, weil sich die Situation verändert hatte: Der Solothurner Spitäler AG war es nicht möglich, neben dem Neubau des Bürgerspitals Solothurn, der im September bezogen wird, ein weiteres Riesenprojekt zu stemmen. Durch die Auslagerung des Bürotrakts konnten wir einiges auffangen. Eine Strategie der kleinen Schritte, wie wir sie jetzt verfolgen, macht Sinn. Seit der Sistierung des Projektes wurde in Dornach viel in die Modernisierung der Infrastruktur investiert. Das Spitalgebäude wird in diesem Jahr hundertjährig. Wäre Corona nicht dazwischengekommen, hätten wir mit Veranstaltungen das Jubiläum begangen. Das werden wir zu gegebener Zeit nachholen.

Die Pandemie war zuletzt das dominierende Thema. Wie war die Ausnahmesituation in Ihrem Spital zu spüren?

Corona nahm unsere Mitarbeitenden sehr stark in Beschlag. Die Physiotherapie wurde zu einem Testzentrum umfunktioniert. Menschen aus der Region mit Symptomen konnten bei uns einen Coronatest machen. Personen mit Verdacht wurden isoliert, während sie auf das Ergebnis warteten. Das bedeutete einen grossen Mehraufwand für die Pflegenden. Bei einem positiven Ergebnis wurde die Person ins Bruderholzspital verlegt. Zum Glück waren die wenigsten Verdachtsfälle letztlich positiv.

Direktorin Irene Wyss im Gespräch über den Spitalausbau.

Direktorin Irene Wyss im Gespräch über den Spitalausbau.

Rund die Hälfte Ihrer Patienten stammt aus dem Baselbiet. Rechnen Sie mit einem Ansturm aus dem Laufental, wenn dereinst das Laufner Spital geschlossen sein wird?

Seit das medizinische Angebot in Laufen reduziert wurde, haben wir mehr Patienten aus dieser Region. Das hat sich noch verstärkt, seit bekannt ist, dass das Spital geschlossen wird. Ich nehme an, dass Patienten beginnen, sich umzuorientieren, wenn sie von einer Veränderung erfahren. Wir rechnen mit mehr Patienten aus dem Laufental. Es ist ein Bedürfnis, dass man sich regional behandeln möchte. Für viele aus dem Laufental ist es wahrscheinlich eine Hürde, in die Stadt zu gehen.

Halten Sie es für richtig, das Spital Laufen zu schliessen und durch ein Gesundheitszentrum zu ersetzen?

Wichtig ist, dass die Bevölkerung einer Region eine gute Gesundheitsversorgung geniesst. Das ist der Auftrag eines kantonalen Spitals. Ob dieses Geschäftsmodell der richtige Weg ist, kann ich nicht beurteilen.


Das Spital Dornach arbeitet mit dem Universitätsspital Basel und der Crossklinik zusammen. Ist eine Kooperation mit dem Kantonsspital Baselland denkbar?

Es ist wichtig, dieses Thema von einer politischen Seite anzuschauen: Wenn ein öffentliches Spital des Kantons Solothurn mit einem öffentlichen Spital des Kantons Baselland eine strukturelle Kooperation eingeht, nimmt das eine andere Dimension an. Die Zusammenarbeit mit den anderen Einrichtungen ist jeweils fachspezifisch. Ich denke, dass dies auch mit dem KSBL möglich wäre – dort wo es Sinn macht und es den Patienten einen Mehrwert bringt. Kooperationsgespräche finden jedoch keine statt.

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