Zullwil

Dunkle Wolken über Zullwil: Die Vergangenheit holt das kleine Dorf ein

In der idyllischen Schwarzbuben-Gemeinde Zullwil kehrt keine Ruhe ein.

In der idyllischen Schwarzbuben-Gemeinde Zullwil kehrt keine Ruhe ein.

Noch vor einigen Monaten schien Zullwil auf einem guten Weg zu sein. Das einst vom Kanton Solothurn zwangsverwaltete Dorf im Schwarzbubenland hatte wieder einen stabilen Gemeinderat. Es machte den Anschein, als wären die Sorgen der letzten Jahre überwunden.

Nun sind über der 650-Einwohner-Gemeinde jedoch erneut dunkle Wolken aufgezogen. Die Vergangenheit hat das Dorf im Thierstein gnadenlos eingeholt. An der letzten Gemeindeversammlung geschah etwas, was in der Kommunalpolitik äusserst selten ist: Die Anwesenden lehnten die Gemeinderechnung des Jahres 2019 ab. Gleichzeitig ist es in der Dorfexekutive in den letzten Wochen wieder zu zahlreichen Mutationen gekommen, die böse Erinnerungen wachrufen. Von der erhofften Ruhe kann in Zullwil keine Rede mehr sein.

«Die Erfolgsrechnung 2019 schliesst mit einem erheblichen und unvorhergesehenen Aufwandüberschuss von 708123 Franken ab», heisst es im Bericht zur letzten Zullwiler Jahresrechnung. Der Hauptgrund für das schlechte Ergebnis seien die rückläufigen Steuereinnahmen. «Aus heutiger Sicht sind diese viel zu hoch budgetiert worden.»

Ein Grossteil der Stimmberechtigten an der letzten Gemeindeversammlung war nicht bereit, die Hiobsbotschaft zu akzeptieren. Die Rechnung des Jahres 2019 wurde von den Anwesenden zurückgewiesen.

Finanzielle Situation in Zullwil bleibt angespannt

Sie könne die ablehnende Haltung der Stimmberechtigten verstehen, sagt die Zullwiler Finanzverwalterin Gerdi Murer. Den Steuerzahlern ein solch negatives Ergebnis zu erklären, sei schwierig. Sie vermute, es seien Denkfehler passiert und die Steuereinnahmen deutlich zu hoch eingeschätzt worden. Murer ist seit Anfang letzten Jahres als Finanzverwalterin tätig. Zuvor hatten sich der ehemalige Finanzverwalter und der vom Kanton Solothurn eingesetzte Sachwalter Michel Meier um die Finanzen des Schwarzbuben-Dorfs gekümmert.

An der nächsten Zullwiler Gemeindeversammlung hat der Gemeinderat noch einmal die Möglichkeit, die Rechnung genehmigen zu lassen. Die Stimmberechtigten verlangten von der Exekutive detailliertere Auskünfte als beim letzten Mal. Grundsätzlich sei dies möglich, sagt Finanzverwalterin Murer. «Der Kanton Solothurn hat aufgrund der Coronapandemie die Frist für die Genehmigung der Rechnung bis Dezember verlängert.»

Die finanziellen Aussichten von Zullwil sind auf jeden Fall nicht rosig. Durch den Wegzug der Firma Gurrit verliert das ohnehin angeschlagene Dorf die wichtigste Steuerzahlerin. Murer meint: «In den nächsten Jahren sind nur die dringendsten Investitionen möglich.»

Häufung der Rücktritte aus Gemeinderat sei Zufall

Wären die finanziellen Schwierigkeiten nicht schon Herausforderung genug, muss der Zullwiler Gemeinderat erneut neu zusammenfinden. Vor zwei Jahren hatte sich die Dorfexekutive derart zerstritten, dass drei Mitglieder zurücktraten und der Gemeinderat die Handlungsfähigkeit verlor. Der Kanton Solothurn musste einen Sachwalter einsetzen, der die Geschäfte des Gemeinderats übernahm.

Im Januar des letzten Jahres fanden Ersatzwahlen für den Zullwiler Gemeinderat statt. Dieser war auf einen Schlag wieder komplett und die Gemeinde konnte sich aus der kantonalen Zwangsverwaltung lösen. Mittlerweile sind von den damaligen fünf Mitgliedern nur noch zwei übrig.

«Dass innert kurzer Zeit drei Gemeinderäte zurücktraten, war Zufall», sagt Gemeindepräsidentin Sandra Christ. Zu Verwerfungen innerhalb der Exekutive sei es nicht gekommen, beteuert sie. Bei allen Zurückgetretenen seien berufliche und private Gründe ausschlaggebend gewesen.

Die Gefahr einer erneuten Zwangsverwaltung habe nie bestanden, betont die Gemeindepräsidentin. «Wir waren immer mindestens zu dritt.» Ab nächstem Montag sei man wieder komplett: Dann werden zwei Nachnominierte vereidigt. Der erneut neuen Zusammensetzung blickt Christ positiv entgegen: «Ich bin überzeugt, dass wir uns finden.»

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