Der Verein Elternlobby Schweiz hat die Nase voll. Jährlich würden rund 5000 Jugendliche frustriert die Schule abbrechen. Mancherorts erhalte jeder zweite Drittklässler sondertherapeutische Massnahmen, oft begleitet von ADHS-Diagnosen samt Ritalin-Verschreibung. Schliesslich beende jeder fünfte Jugendliche die Schulzeit als funktionaler Analphabet. Bei diesen Zahlen beruft sich die Elternlobby auf Studienergebnisse. Für sie steht fest, dass die Schweizer Volksschule immer mehr an ihre Grenzen gerät. Zahlreiche Rückmeldungen verzweifelter Eltern würden diesen Eindruck verstärken.

Deshalb lanciert der Verein in den sechs Kantonen Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Wallis, Zürich, St. Gallen und Freiburg eine Petition für die freie Schulwahl für alle. Dabei ist je nach Kanton die Anzahl angestrebter Unterschriften unterschiedlich. Laut Medienberichten sind es für den Kanton Zürich 6000 und im Wallis 2000. Für das Baselbiet nutzt die Elternlobby zusätzlich die Online-Plattform petitio.ch, an der die bz beteiligt ist, und wo das Begehren unter dem Titel «Bildungswahl für alle statt für wenige. Jedem Kind die beste Bildung» vergangene Woche aufgeschaltet worden ist.

Gelingt es den Initianten, in den verbliebenen 23 Tagen Petitionsdauer im Internet total 200 Unterstützer des Anliegens zu mobilisieren, wird die bz der Baselbieter Regierung die Bittschrift überreichen und den weiteren Verlauf redaktionell verfolgen. Dafür müssen sich die Initianten allerdings ranhalten. Gestern Sonntagabend waren erst drei Personen bereit, das Anliegen zu unterstützen.

Die Elternlobby fordert Regierung und Landrat dazu auf, künftig die Schulwahl im Kanton auf der Basis der Erklärung der Menschenrechte zu gestalten. Diese besagt, dass «die Eltern ein vorrangiges Recht haben, die Art der Bildung zu wählen, die ihren Kindern zuteil werden soll». Freie Bildungswahl erhöhe die Schulqualität und die Chancengerechtigkeit in der Bildung. Eine Schulwahlmöglichkeit dagegen, die nur dank dickem Eltern-Portemonnaie funktioniert, sei sozial ungerecht. 2008 scheiterte im Baselbiet eine Gesetzesinitiative an der Urne, welche komplette Wahlfreiheit zwischen staatlichen und privaten Schulen forderte.