Coronavirus

Headbangen zwischen Plexiglasscheiben? Jetzt müssen die Veranstalter stark sein

Finde die drei Fehler: keine Masken, weniger als 1,5 Meter Abstand, mehr als 100 Leute. Im Corona-Zeitalter wäre das Z7-Open Air undenkbar.

Finde die drei Fehler: keine Masken, weniger als 1,5 Meter Abstand, mehr als 100 Leute. Im Corona-Zeitalter wäre das Z7-Open Air undenkbar.

Im Baselbiet werden wegen der wieder verschärften Corona-Schutzmassnahmen erste Anlässe abgesagt. Und um weiterhin Publikum zu empfangen, brauchen die verbleibenden Veranstalter wie das Z7 nochmals einiges an Kreativität.

«Wir hatten alle eine schlaflose Nacht», sagt Melanie Mandel von der Konzertfabrik Z 7 in Pratteln. Mit den neuen Verschärfungen, die Baselland, Basel-Stadt, Aargau und Solothurn am Mittwoch bekannt gaben, kommen auf die Kultur- und Eventveranstalter noch restriktivere Vorgaben zu. Das Z 7 beschränkte sich bislang auf 300 Personen. Neu liegt die Obergrenze bei 100 Personen. Oder aber, es werden mehrere Sektoren mit je 100 Personen gebildet.

Die Frage, ob das Z7 neu mit Raumteilern arbeiten werde, liess Melanie Mandel gestern unbeantwortet. «Wir überlegen uns gerade, wie wir mit der jetzigen Situation umgehen.» Sie versichert jedoch, alle für Juli geplanten Konzerte fänden statt.

Die anderen drei Möglichkeiten, mehr als 100 Personen einzulassen, kommen fürs Z 7 wohl kaum in Frage. Das wären: Abstände zwischen allen Anwesenden von mindestens 1,5 Metern, generelle Schutzmasken-Tragepflicht in der Halle oder Plexiglaswände zwischen den Besuchern.

Unterschiedliche Fristen führen zu Unsicherheiten

Unter den verschärften Vorgaben für Veranstalter leidet auch die übrige Eventbranche. Baselland hat zwar seine neuen Bestimmungen vorerst «nur» bis Ende August terminiert. Trotzdem streuen die Ängste.

Edgar P. Lehmann, Inhaber der Plan B Entertainment GmbH in Reinach, die unter anderem für das Cabaret Divertimento tätig ist, sagt, er spüre Vorbehalte. Alleine in den letzten 24 Stunden seien drei Absagen für Weihnachtsfeiern eingegangen. «Firmen mögen keine Unsicherheit.» Er kritisiert auch die unterschiedlichen Fristen: «Wieso können sich nicht mal Baselland und Basel-Stadt einig sein?»

Bereits bewilligte Bundesfeiern sind gefährdet

Sogar bereits bewilligte Anlässe sind gefährdet. Binningen und Arlesheim waren die einzigen grösseren Gemeinden, die an ihren Bundesfeiern festhielten. Doch jetzt ist die Situation eine andere. Mike Keller, Gemeindepräsident von Binningen, teilt der bz mit, man werde über eine Durchführung heute Freitagvormittag entscheiden. Kellers Amtskollege in Arlesheim, Markus Eigenmann, schreibt, der definitive Entscheid über die Durchführung werde am kommenden Dienstag gefällt.

In Aesch wartete die Organisatorin der 1.-August-Feier, die Bürgergemeinde, lange zu. Nach Bekanntwerden der neuen Einschränkungen zieht sie jedoch zusammen mit der Einwohnergemeinde die Reissleine: Dieses Jahr gibt es keine Bundesfeier in Aesch.

Viele Firmen warten vergeblich auf Ausfall-Entschädigungen

Im Baselbiet kam von Seiten Kultur- und Eventbranche Kritik am Kanton auf. Er stellte im März Ausfallentschädigungen für untersagte Anlässe in Aussicht. Doch auf Anfrage der bz stellte sich heraus, dass von diesen Geldern alle Unternehmen ausgeschlossen sind, die gewinnorientiert arbeiten und eine Unternehmens-Identifikationsnummer (UID) besitzen – beides dürfte auf ziemlich alle kommerziell tätigen Unternehmen der Branche zutreffen.

Der Regierungsrat kann zwar bei «besonderem kulturpolitischem Interesse» Ausnahmen genehmigen, wie die Baselbieter Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD) am Dienstag mitteilte. Doch über Härtefälle könne erst entschieden werden, wenn die Anträge aller nicht-gewinnorientierten Gesuchsteller abgearbeitet worden sind. Mit Entscheiden sei folglich nicht vor Mitte August zu rechnen.

Ohne Entschädigung resultieren wohl viele Konkurse

Laut BKSD sind von 128 Gesuchen mittlerweile 44 bewilligt worden. 16 Gesuche stammen von gewinnorientierten Unternehmen, davon habe man bereits 4 ablehnen müssen. Die zweite Eingabefrist für Ausfälle vom 1. September bis zum 31. Oktober läuft am 20. September ab.

Noch bis Mitte August warten zu müssen, sei mühsam, sagt Martin Ditzler, Inhaber der Eventis AG in Muttenz, der auch Ausfälle geltend machte: «Man hat uns seit März faktisch ein Berufsverbot auferlegt. Jetzt ist die Situation nochmals schlimmer geworden. Ein Wegfall der Ausfallentschädigung wird viele Konkurse zur Folge haben.»

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