CBD

Im Thierstein wächst viel Gras: Eine der grössten Indoor-Anlagen der Welt

Afrim Saliu, Geschäftsführer der Marry Jane AG, wird die Anlage in Büsserach bald aufgeben.

Afrim Saliu, Geschäftsführer der Marry Jane AG, wird die Anlage in Büsserach bald aufgeben.

Gleich zwei grosse Player in der Produktion von legalem CBD-Hanf sind in Breitenbach beheimatet.

Die Goldgräberstimmung, die vor drei Jahren herrschte, ist vorüber. Mehrere Produzenten, die damals mit erlaubtem Hanf handelten, sind verschwunden. Das Gras, dem sie sich verschrieben hatten, besitzt keine berauschende Wirkung und hat einen hohen Anteil an Cannabidiol. Deshalb wird das in der Schweiz vielerorts wachsende Kraut auch als CBD-Hanf bezeichnet.

Waren damals die Unternehmen, die Geld mit dem legalen Hanf verdienen wollten, zahlreich, ist die Branche überschaubarer geworden. Das hohe Angebot führte zu einem Preissturz, dem vor allem kleinere Produzenten zum Opfer fielen. Zu grossen Playern im Anbau von CBD-Hanf entwickelten sich zwei Betriebe, die im Thiersteiner Hauptort Breitenbach beheimatet sind. Während beim einen die Kurve steil nach oben zeigt, hat der andere auch mit Schwierigkeiten zu kämpfen.

Marry Jane AG baut eine der grössten Anlagen der Welt

Noch ist an den Türen nur mit einem Blatt Papier angeschrieben, wer drinnen arbeitet. Die Angestellten der Marry Jane AG sind erst kürzlich in die Büroräumlichkeiten auf dem Areal der Von Roll gezogen. In der riesigen Produktionshalle duftet es noch nicht nach süsslichem Marihuana. «Der Bau der Anlage wird bald beginnen und soll im nächsten Frühjahr abgeschlossen sei», sagt Geschäftsführer Afrim Saliu. Für sein Unternehmen sind rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig. Neben Läden in Basel, Zürich und Genf betreibt man auch Filialen in Erfurt und Frankfurt.

Derzeit wächst das CBD-Hanf noch in einem Industriegebiet im Nachbarort Büsserach. Die dortigen Räumlichkeiten decken den Bedarf aber nicht mehr. Bei der neuen Einrichtung in Breitenbach handle es sich «nach unseren Recherchen um eine der grössten Indoor-Anlagen der Welt», so CEO Saliu. Die Produktionskapazität liege bei rund 16 Tonnen Indoor CBD-Blüten im Jahr.

Stellt sich die Frage, weshalb die Marry Jane AG ausbauen kann, während andere Firmen den Betrieb einstellten. Geschäftsführer Afrim Saliu meint dazu: «Wir haben früh verstanden, dass man ein vollwertig vertikal integriertes Unternehmen benötigt, das die ganze Wertschöpfungskette von der Produktion bis zum Verkauf der Produkte an den Endkunden abdeckt.» Zusätzlich zu den Blüten werden auch Produkte wie Öle und Extrakte produziert.

Pharmedic Group AG hat hohe Forderung am Hals

Nur rund 300 Meter vom Von-Roll-Areal entfernt liegen die Produktionsräume der Pharmedic Group AG. «In Breitenbach produzieren wir nach wie vor rund eine Tonne CBD-Hanf pro Jahr. Weiter übernehmen wir die Weiterverarbeitung von bis zu 300 anderen produzierenden Unternehmen», sagt Benjamin Rutz. Er führt den Betrieb mit Patrick Gubler in dessen Lagerhalle. Dieser ist in der Szene bekannt und musste für den Anbau von berauschendem Hanf mehrjährige Haftstrafen verbüssen.

Es sei gelungen, «sowohl unser Produktesortiment als auch unser Dienstleistungssortiment zu vervielfachen. Wir konnten unser Kundennetz und Partnerschaften international ausweiten», sagt Rutz. Nachdem viele Länder in Afrika und Südamerika den Startschuss für den Cannabis-Export erhielten, gehe man von einem weiteren Preisverfall bei Cannabis-Produkten im Grosshandel aus. «Entsprechend fokussieren wir uns auf den Handel und Dienstleistungen rund um Cannabis und sind stets auf der Suche nach neuen und zuverlässigen Partnern.

Trotz «der schlechten Wirtschaftslage» sei das Unternehmen zuversichtlich, das Team von 33 Personen erhöhen zu können. Dass das Geschäft aber kein Zuckerschlecken ist, zeigte ein kürzlich publizierter Zahlungsbefehl gegen die Pharmedic Group AG über rund 40'000 Franken wegen offener Stromrechnungen. Benjamin Rutz betont, man habe gegen die Forderung Rechtsvorschlag erhoben.

Es wird spannend zu beobachten sein, wie sich die Firmen weiterentwickeln. Auch wenn der Boom vorbei ist, bleibt der Absatzmarkt gross. «Es gibt viele, die mit dem CBD-Hanf ihre Substanz gefunden haben und ihr die Treue halten», erklärt Marco Kuhn, Sekretär der IG Hanf, der viele Schweizer Hanfproduzenten angehören. Bei etlichen Kunden stammt diese Substanz aus dem Thierstein.

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