Aesch

«In wenigen Minuten ist man im Wald»: Arealentwickler kontert Kritik an Aesch Nord

Drohnenflug über Aesch Nord

Drohnenflug über Aesch Nord

Im hinteren Teil soll es auch einen künstlichen See geben. Vorbild ist der Opfiker See im Glatttal.

Zweifler sagen, dass Arbeiten und Wohnen nicht als Mischnutzung funktionieren wird. Der Arealentwickler Hans-Jörg Fankhauser schlägt zurück. Aesch Nord werde eine Top-Adresse in der Region, ist der Planer überzeugt – und legt eigene Berechnungen vor.

Aesch Nord sei eine Fehlplanung. Unermüdlich setzen Oliver Bippus und seine Mitstreiter der Gruppe «Plan Basel» diese Botschaft in die Welt, auch mit eher unkonventionellen Mitteln. Hauptkritikpunkt des Reinachers: Der Büromarkt sei gesättigt. Und die angestrebte Mischnutzung Arbeiten und Wohnen samt See als Highlight werde nicht funktionieren. Es handle sich bei Aesch Nord, das seit Juni als Aesch Soleil vermarktet wird, vor allem um ein Prestigeprojekt von Planern und Politikern.

Hans-Jörg Fankhauser, der die Positionierung des Areals begleitet hat, schlägt zurück. Seine Firma, Fankhauser Arealentwicklungen, könne auf jahrelange Erfahrung mit solchen Vorhaben zurückgreifen, sagt der Architekt zur bz. Und er habe eine umfangreiche Datenbasis zur Hand. Seine Berechnungen zeigten: Ausserhalb der Kernstadt Basel liegt Aesch Nord in der Nordwestschweiz auf dem respektablen fünften Rang, was die Standortgunst für Unternehmen aus vielversprechenden Branchen betreffe (siehe Tabelle unten). Dazu zählt Fankhauser Medizin, Pharma, Technologie und Industrie 4.0.

Rang Standort Einzugsgebiet* Zentralität in %
(Basel SBB = 100 %)
(1) Basel Wolf 2035** 350 000 +9
1 Basel SBB 312 000 100
2 Pratteln Salina Raurica 308 000 -1
3 Basel Roche 298 000 -4
4 Basel Wolf 296 000 -5
5 Birsfelden Hafen 293 000 -6
6 Basel Klybeck 283 000 -9
7 Arlesheim Schoren 281 000 -10
8 Basel Novartis Campus 278 000 -11
9 Reinach Kägen 275 000 -12
10 Aesch Nord/Soleil 263 000 -16
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Zum Vergleich: Standorte ausserhalb Region Basel

Zürich Technopark 559 000 +79
Grenchen 130 000 -58
Lutterbach 116 000 -63

*Zahl der im Umkreis von 2,5 Kilometer Fuss-/Velodistanz, 20 Minuten Autodistanz und 45 Minuten öV-Distanz wohnhaften Personen zwischen 30 und 65 mit gymnasialer Maturität und höherem Einkommen. **Mit geplanter neuer S-Bahn-Station Basel-Wolf (Quelle der Daten: Hektarauswertung Statpop, Bundesamt für Statistik)

Ein weiteres berücksichtigtes Kriterium lautet: Wie schaut es in der näheren Umgebung mit hoch qualifizierten, stark umworbenen Arbeitskräften aus?

Beim Baselink-Areal gibt die Politik den Takt vor

Dieses Kriterium werde wichtiger, sagt Fankhauser zur bz. Der Trend gehe dahin, dass die Menschen eher wieder näher an ihrem Arbeitsplatz wohnen wollten – statt Stunden in überfüllten Zügen oder im Stau zu verbringen. Das sei auch der Grund, weshalb man in Aesch Nord auch Wohnbauten plane, sagt Fankhauser: «Das Areal liegt attraktiv: Zu Fuss ist man in wenigen Minuten im Wald.»

Hans-Jörg Fankhauser, Arealentwickler

«Das Areal liegt auch zum Wohnen attraktiv: Zu Fuss ist man in wenigen Minuten im Wald.»

«Das Areal liegt auch zum Wohnen attraktiv: Zu Fuss ist man in wenigen Minuten im Wald.»

Auch ein See ist in Aesch vorgesehen. Vorbild ist der künstliche Opfiker See im Glatttal. Coronabedingt sistiert sind die Planungen für eine neue Eventhalle in Aesch Nord, den Dom.

(Noch) unter ferner liefen fungiert auf Fankhausers Tabelle das Gebiet, auf dem derzeit gebaut wird wie nirgends sonst im Baselbiet: Das Baselink-Areal im Allschwiler Bachgraben, wo sich unter anderem das Tropeninstitut niederlassen wird. Fankhauser sagt, der Hauptinvestor, die St. Galler Senn-Gruppe, mache seine Arbeit gut. «Nicht zuletzt sieht man dort aber auch, dass der politische Wille entscheidend sein kann: Die beiden Kantone wollten, dass das Tropeninstitut nach Allschwil kommt. Das hatte Signalwirkung.» Nicht zuletzt seien mit Actelion und Idorsia bereits zwei prominente Firmen in der Nachbarschaft ansässig.

Salina Raurica wiederum werde an Attraktivität zulegen, sobald es vom 14er-Tram erschlossen sei – das habe sich im Glatttal gezeigt, mit der 2010 eröffneten Glatttalbahn. Diesen Effekt bestätigte der Baselbieter Kantonsingenieur Drangu Sehu am vergangenen Mittwoch, als das Verlängerungsprojekt in Pratteln vorgestellt wurde: Ein Tramanschluss lockt Investoren an. Eine Toplage ist der Birsfelder Hafen – aber nur auf Papier, denn dort gibt es spezifische Probleme.

Wüest Partner: Aesch Nord braucht Busverbindung

David Belart ist Experte für Arealentwicklungen bei Wüest Partner in Zürich. Er sagt, insgesamt betrachtet sei Aesch Nord interessant für Unternehmensansiedlungen, nicht zuletzt wegen des neuen A18-Zubringers. Der See könnte, das habe das Beispiel Opfikon gezeigt, dazu beitragen, das Gebiet zu positionieren. Belart empfiehlt jedoch, die Funktionen Wohnen und Arbeiten räumlich klar voneinander zu trennen.

Ein Fragezeichen setzt er beim ÖV: «Gibt es hier kein Projekt zur Verbesserung, etwa eine neue Buslinie, befindet sich das Areal an einer kritischen Grenze – gerade im Vergleich mit der direkten Konkurrenz aus Reinach, Dornach und Arlesheim.»

Bei Arealentwicklungen spielen auch die Steuerbelastung, die verfügbaren Flächen, individuelle Vorlieben und nicht zuletzt der Zufall eine Rolle. Die gute Erreichbarkeit bleibt aber zentral. Sie ist zwar nicht alles – doch ohne sie ist alles nichts.

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