Mordversuch

Kanton Baselland klagt Mordverdächtige an

Geschah hier ein Mordversuch? Das Seniorenzentrum Rosengarten in Laufen.

Geschah hier ein Mordversuch? Das Seniorenzentrum Rosengarten in Laufen.

Die Ereignisse, die bald die Baselbieter Justiz beschäftigen werden, könnten aus einem Krimi stammen: Zwei Pflegerinnen des Altersheims in Laufen werden entlassen, weil sie mehrfach versucht haben sollen, eine Bewohnerin umzubringen. Ausserdem wird ihnen vorgeworfen, Geld der älteren Frau veruntreut zu haben.

Vor dem Strafgericht Baselland werden die Hintergründe zum Vorschein kommen. Wie sie mitteilt, hat die Baselbieter Staatsanwaltschaft Anklage gegen zwei Schweizerinnen im Alter von 31 und 44 Jahren erhoben. Die beiden Frauen seien ehemalige Pflegekräfte des Laufner Seniorenzentrums Rosengarten. Für die beiden Verdächtigen gilt die Unschuldsvermutung. Wann die Gerichtsverhandlung stattfinden wird, steht noch nicht fest.

Angeklagte waren lange in Untersuchungshaft

Die Anklagepunkte gegen die beiden Pflegerinnen sind happig, wie der Medienmitteilung zu entnehmen ist: «Einer beschuldigten Person wird mehrfacher versuchter Mord, eventualiter mehrfache versuchte Tötung, Veruntreuung sowie Vorbereitungshandlungen zu Mord, eventualiter zu vorsätzlicher Tötung vorgeworfen.» Der zweiten Frau wird Gehilfenschaft zu den Taten der ersten zur Last gelegt. Einzig für die Veruntreuung wird sich nur die Haupttäterin vor Gericht verantworten müssen.

Die Geschehnisse im 5600-Einwohner-Städtchen liegen bereits rund eineinhalb Jahre zurück. «Die mutmasslichen Taten, für welche die beiden Frauen angeklagt sind, wurden zwischen September und Dezember 2018 begangen», sagt Thomas Lyssy, Kommunikationsbeauftragter der Baselbieter Staatsanwaltschaft, auf Anfrage. Die Staatsanwaltschaft habe die Strafuntersuchung in diesem Fall, welche rund ein Jahr dauerte, abgeschlossen. Die beiden Frauen seien während mehrerer Monate in Untersuchungshaft gewesen, aus der sie mittlerweile wieder entlassen worden sind. Das Zwangsmassnahmengericht habe nach der Untersuchungshaft eine Ersatzmassnahme für die beiden erlassen. Bei dieser kann es sich unter anderem um ein Kontaktverbot, eine Geldhinterlegung oder um eine Meldepflicht handeln.

Oberhalb von Massnahmen zum Coronavirus und einer Danksagung an Personen, die den Bewohnern in den letzten Wochen geschrieben haben, findet sich auf der Website des Seniorenzentrums Rosengarten auch die neueste Medienmitteilung der Staatsanwaltschaft. «Uns war von Anfang an wichtig, offen mit dem Thema umzugehen. Es ist zwar unschön, aber wir können es auch nicht leugnen», sagt Michael Rosenberg, Leiter des Altersheims. «Wir können gut damit umgehen, was auch daran liegt, dass die Bewohnerin uns keine Vorwürfe macht, am Leben ist und sonst niemand anderes zu Schaden gekommen ist.» Die Frau lebe noch immer im Laufner Seniorenzentrum, sei geistig fit und erfreue sich guter Gesundheit.

Die beiden Pflegerinnen habe man im Dezember 2018 fristlos entlassen müssen. «Beide waren langjährige Mitarbeiterinnen, die überhaupt nicht negativ aufgefallen waren.» Auch das Team sei schockiert gewesen über die Taten, welche den zwei Frauen zur Last gelegt werden. Am Prozess werde auch er anwesend sei, betont Rosenberg. «Für mich ist es wichtig, zu erfahren, was damals genau vorgefallen ist.» Auch die Bewohnerin warte auf die Gerichtsverhandlung, lasse sich aber noch offen, ob sie daran teilnehme.

Im Thonbrötli sollen Rizinussamen gewesen sein

Was sich im vorletzten Herbst in Laufen abgespielt hat, soll während der Gerichtsverhandlung ans Tageslicht kommen. Gemäss einer Person aus dem Umfeld des Altersheims habe eine der beiden Pflegerinnen die Bewohnerin schon gepflegt, als diese noch nicht im Seniorenzentrum lebte. Schon damals habe die Pflegerin eine Vollmacht für das Bankkonto der Frau gehabt. «Eines Tages wurde sie misstrauisch, hat bei der Bank nachgefragt und musste feststellen, dass sie um rund 20000 Franken erleichtert worden war.» Bei der Mordwaffe habe es sich laut einer anderen Quelle um hochgiftige Rizinussamen gehandelt, die ins Thonbrötli der Frau gemischt worden seien.

Ob es sich tatsächlich so zugetragen hat, wird sich vor dem Baselbieter Strafgericht zeigen. Eines ist jetzt schon klar: Der Prozess gegen die beiden Pflegerinnen verspricht viel Spannung. Eben wie ein Krimi.

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