Gemeindefusion

Kurz und emotionslos: Oberdorf will keine Fusion

Blick ins Waldenburgertal mit dem Bezirkshauptort (vorne), Oberdorf und Niederdorf. (Archivbild)

Blick ins Waldenburgertal mit dem Bezirkshauptort (vorne), Oberdorf und Niederdorf. (Archivbild)

Die Oberdörfer Gemeindeversammlung spricht sich gegen eine Prüfung einer Gemeindefusion aus.

Ein Zusammenschluss von Dörfern im Waldenburgertal ist für Oberdorf derzeit kein Thema. Vom Antrag des Stimmbürgers Claude Schwizgebel, eine mögliche Fusion der Gemeinden zu prüfen, will die Oberdörfer Gemeindeversammlung nichts wissen: Diese lehnt es mit 32 gegen 12 Stimmen bei 4 Enthaltungen ab, den Vorstoss als erheblich zu erklären und folgt damit der Empfehlung der Exekutive. Die Meinungen dazu waren offenbar schon im Voraus gemacht. Nur so ist zu erklären, dass die Diskussion kurz und emotionslos verläuft.

Weshalb nicht im Kleinen beginnen?

Schwizgebel schwebt primär ein Zusammengehen von Oberdorf, Hölstein, Niederdorf und Waldenburg vor. «Nahezu sämtliche Gemeinden im Waldenburgertal kämpfen mit den gleichen Problemen und stehen weiterhin vor schwierigen Aufgaben», schreibt er in seinem Antrag. Gemeindepräsident Piero Grumelli betont, auch die anderen Gemeinden müssten eine Fusion wollen, «wir müssten sie anflirten». Die Dörfer der ganzen Umgebung seien schriftlich angefragt worden, die Antworten zu dieser Idee jedoch wenig begeistert ausgefallen. Oberdorf kooperiert bereits in diversen Bereichen wie Feuerwehr, Schulen oder Zivilschutz.

In einer Vorlage mit Analyse und Bedeutung einer Fusion könnte der Gemeinderat ohnehin nur die Oberdörfer Sicht beleuchten, welche Auswirkungen ein solcher Schritt auf Schule, Verwaltung und Werkhof hätten. Der Antragsteller bekräftigt erneut, dass die Probleme existierten und nicht verschwänden. «Möglich ist auch eine Fusion nur mit einer Gemeinde, so könnten wir im Kleinen anfangen», sagt er.

Dieter Lipp, früher Präsident der Geschäfts- und Rechnungsprüfungskommission (GRPK), wirft ein: Wenn dem Antrag zugestimmt wird, habe der Gemeinderat einen längeren Hebel und ein Instrument in der Hand, um andere Gemeinden anzugehen. Dazu Grumellis persönliche Einschätzung: «Das spielt keine Rolle.» Mit dem abgewiesenen Vorstoss ist eine Gemeindefusion allerdings nicht für immer vom Tisch. Sollte der Schuh noch stärker drücken, dürfte das Thema wieder aufs Tapet kommen.

Finanzchef kritisiert den Kanton

Ein düsteres Bild malt Neo-Gemeinderat Michael Wild zur Finanzsituation in Oberdorf. Tendenziell gehe der Ertrag zurück, während der Aufwand steige. Bei dieser gegenläufigen Bewegung sei der Gemeinderat gefordert, Gegensteuer zu geben. Nach einem Verlust von 1,27 Millionen Franken in der letztjährigen Rechnung – dies ist das drittschlechteste Ergebnis seit 2013 – sank das Eigenkapital auf 2,15 Millionen. Nur dank eines aufgenommenen Darlehens konnten alle Ausgaben gedeckt werden. Finanzchef Wild hält mit Kritik am Kanton nicht zurück: «Es ist frustrierend und mühsam, wenn die Regierung höhere Tarife bei der Pflegefinanzierung bestimmt, nachdem das Budget bereits erstellt worden ist.» Die Budgetierung für 2021 dürfte dem Gemeinderat Kopfzerbrechen bereiten.

Michael Wild gehörte bis Ende Juni der GRPK an und prüfte mit diesem Gremium die Rechnung 2019. Beruflich ist er als Finanzinspektor für den Kanton Bern tätig. Für Oberdorf ein Glücksfall, dass ein ausgewiesener Fachmann die Finanzen übernommen hat. Allerdings kann es der 54-Jährige nicht allein richten, die 2450-Seelen-Gemeinde finanziell wieder auf Kurs zu bringen.

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