Stadtentwicklung

Liestaler Stadthalle: Vorstellungen stehen weit auseinander

Die Initianten sind sich uneins über Ruedi Riesens Vorschlag, die Frenken-Halle zu erweitern. Die Stadt hinterfragt den Bedarf.

Vertreter von Liestaler Vereinen haben vor drei Monaten eine Initiative lanciert, die eine multifunktionale Stadthalle mit etwa 1'000 Plätzen und guter Infrastruktur fordert. In der gestrigen bz stellte alt Stadtrat Ruedi Riesen nun als erster einen konkreten Vorschlag für eine solche Halle vor. Seine Idee: Die Frenken-Sporthalle soll mittels Anbau zu einer Stadthalle erweitert werden. Gleichzeitig soll der Anbau auch Raum für dringend benötigte Schulzimmer bieten. Was sagen Vertreter der Initianten und der Stadt dazu?

Stefan Saladin, Leiter des Kernteams «Stadthalle Liestal», selber aber nicht im Initiativkomitee, sagt: «Die Idee ist gut. Aber dieser Vorschlag deckt sich nicht mit unserer Initiative. Wir wollen explizit einen Neubau als Stadthalle.» Deshalb favorisiert Saladin weiterhin den alten Gitterli-Fussballplatz, der derzeit als SBB-Installationsplatz für den Vierspurausbau dient, als Standort für eine Stadthalle. Für ihn ist ein Stadthalle-Neubau ohne Landkosten für zehn Millionen Franken machbar; Riesen spricht bei seinem Vorschlag von halb so hohen Kosten. Saladin ergänzt, dass trotz Coronazeit bis jetzt 916 Personen die Initiative unterschrieben haben; nötig sind 500 Unterschriften. Geplant sei, die Initiative Ende Mai einzureichen.

Nicht alle sehen Bedarf nach einer so grossen Halle

Einen etwas anderen Fokus hat Initiativkomitee-Mitglied und Kulturmanager Eric Rütsche, der unter anderem das «Guggenheim» betreibt. Er sagt zu Riesens Vorschlag: «Ich war überrascht, als ich die bz aufschlug. Aber wieso nicht? Der Ansatz ist super, der Standort auch, das muss man unbedingt prüfen.» Negativ sei nur, dass die öffentliche Lancierung ohne Absprache mit dem Initiativkomitee erfolgt sei.

Rütsche selbst organisiert immer wieder Konzerte, für die sein Saal im «Guggenheim» zu klein ist. Bisher ist er dabei auf den Engel-Saal ausgewichen, der aber in der bisherigen Form nicht mehr zur Verfügung steht. Rütsche sagt: «Der Engel-Saal in neuer Form ist für uns zu klein. Eine Halle mit 500 Plätzen in Liestal wäre toll.»

Skeptischer tönt es seitens der Stadt. Noch Bauchef Franz Kaufmann sagt zu Riesens Vorschlag: «Grundsätzlich finde ich es toll, dass jemand Ideen einbringt. Und die Idee, eine bestehende Halle zu erweitern, anstatt eine neue zu bauen, ist wirklich gut. Nur ist für mich der Bedarf nach einer Stadthalle mit 1000 Plätzen unklar.» Es gebe in Liestal kaum Anlässe mit einem derartigen Aufmarsch und für kleinere existierten genügend Räume. Zudem gebe es im benachbarten Lausen eine grosse Halle. Kaufmann: «Für mich ist das Ganze mehr eine emotionale Geschichte als ein wirklicher Bedarf.»

Und der in zwei Monaten abtretende Stadtrat legt noch einen Zahn zu: «Die Forderung nach einer Stadthalle kommt in der jetzigen Situation mit unseren finanziellen Möglichkeiten und den anstehenden Aufgaben wie von einem andern Stern.» Er persönlich schliesse deshalb einen Neubau aus. Aber das müsse dann der Stadtrat nach Eingabe der Initiative beraten. Auch zu einer Erweiterung der Frenken-Sporthalle macht Kaufmann Fragezeichen, käme denn die Initiative an der Urne durch. Denn diese Halle sei mit dem Turnunterricht der Schule und Sportanlässen von montags bis freitags praktisch ausgebucht und übers Wochenende auch stark belegt. Daniel Muri, Kaufmanns Nachfolger als Bauchef, ergänzt: «Als ehemaliger Kulturschaffender ist es heikel, das zu sagen. Aber ich bin der Meinung, Liestal braucht keine Stadthalle, wir haben genügend Möglichkeiten mit erst noch mehr Cachet, um Anlässe durchzuführen.»

Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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