Neueröffnung

«Motel» feiert Comeback – trotz Neubau keinen Tag geschlossen

Das ehemalige Motel Egerkingen wurde durch die erste Fernsehserie des Schweizer Fernsehens berühmt.

Das ehemalige Motel Egerkingen wurde durch die erste Fernsehserie des Schweizer Fernsehens berühmt.

Autogrill verkauft das Hotel Egerkingen an Georg Hein. Der Solothurner Immobilien-Magnat hat damit Grosses vor.

Nur schon die Erwähnung des Namens lässt ältere Semester in Erinnerungen schwelgen: Das 1974 unter dem Namen «Motel Agip» eröffnete Hotel am Autobahnkreuz in Egerkingen erlangte durch die Fernsehserie «Motel» in den 1980er-Jahren landesweite Bekanntheit. Jetzt könnte es quasi zu neuer Blüte auferstehen. Der bekannte Solothurner Immobilien-Investor Georg Hein hat das in die Jahre gekommene Hotel gekauft und hegt damit offenbar grosse Pläne.

Anfang Oktober in Egerkingen: In einem kleinen Sitzungszimmer des alten Motels erzählt Georg Hein erstmals davon, wohin er mit dem Gebäude steuern möchte. Im Dorf war sein Hotel-Kauf schon seit Wochen Stammtisch-Gespräch. Viel preisgeben will der Hägendörfer nicht. «Das Hotel wird grösser und interessanter sein», sagt Hein zunächst nur. Zu schlechte Erfahrungen habe er in der Vergangenheit mit Einsprachen und sistierten Grossprojekten gemacht. Wer Heins Wirken der letzten Jahre verfolgt hat, weiss jedoch: Mit seinen diversen Immobilien-Aktiengesellschaften strebte er jeweils nach Grossem. Auch sein neustes Immobilien-Objekt will er etappenweise erneuern und ausbauen. Zuerst möchte der Investor das bestehende Hotel sanieren, dann das neue Bauprojekt in zwei Etappen realisieren.
Schon kommenden Monat will er einen ersten Gestaltungsplan einreichen. Wie viele Zimmer das künftige Hotel Egerkingen zählen wird, verrät Hein noch nicht. «Das Hotel wird trotz Neubau keinen einzigen Tag geschlossen sein», verspricht Hein.

Autogrill verzeichnete gute Zahlen

Viele übernachten in Egerkingen nur, weil dort mit der A 1 und der A 2 die wichtigsten Verkehrsadern durchführen. Doch dies scheint als Geschäftsmodell für die Hotellerie gut zu funktionieren. Autogrill betont, es verkaufe kein Hotel, das defizitär gewesen sei. «Das Geschäft blieb in den letzten Jahren konstant auf gutem Niveau», sagt Maximilian Schiedt, Leiter des operativen Geschäfts bei Autogrill Schweiz. «Aufgrund der zentralen Lage war das Hotel immer rentabel.» Die Kundschaft konzentriert sich auf Personen, die in der Schweiz einen Zwischenstopp machen. Zunehmend kämen Reisegruppen aus Asien. Genaue Zahlen will das Unternehmen nicht nennen.

Autogrill verkauft das Hotel Egerkingen weiter, nachdem es dieses 2001 übernommen hat. «Unser Kerngeschäft liegt woanders», begründet Schiedt. Das Unternehmen veräusserte in den letzten Jahren bereits in Holland und Belgien seine Hotels. Autogrill will sich auf die Verkehrsgastronomie an Bahnhöfen, Autobahnraststätten und Flughäfen konzentrieren.
Für Hein ist der Strategiewechsel von Autogrill zum Glücksfall geworden. Maximilian Schiedt sagt zum Verkauf: «Mit Georg Hein haben wir eine lokale Grösse gefunden, die verbunden ist mit der Region.» Auch seiner geografischen Nähe zum Hotel wegen sei er die beste Lösung.
Hein selbst sagt: «Mut und Geld» habe er benötigt, um seine Hotel-Idee wiederzubeleben. «Aus einem kleinen Hotel ein schönes zu machen, ist eine schöne Herausforderung.»

Über Nacht 30 Mitarbeiter mehr

Am Dienstag fand zum Monatsbeginn im Hotel Egerkingen offiziell die Übergabe statt. Zu dieser fuhr der Hägendörfer mit einem grünen Oldtimer vor, auf den er mit den goldenen Lettern «Hotel Egerkingen» drucken liess. Drinnen ist der amerikanische Motel-Charme noch erhalten geblieben. Wenn Hein durch die Gänge des Hotels geht, scheint er bereis als Patron angekommen zu sein. «So schnell geht das, über Nacht habe ich 30 Mitarbeiter mehr», sagt er, um aber anzufügen: «Hinter die Bar stehen werde ich nicht.»

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