Sterbehilfe

Pfarrer Franz Sabo spricht sich in Predigt für assistierten Suizid aus

Franz Sabo befürwortet assistierten Suizid

Progressiver Pfarrer

Franz Sabo befürwortet assistierten Suizid

Der Röschenzer Geistliche geht wieder auf Konfrontationskurs mit der katholischen Kirche: In einem Gottesdienst kritisierte er die Bischöfe für die Ablehnung der Sterbehilfe.

Dass Franz Sabo in der Region zu den progressiveren Geistlichen gehört, stellte er am vergangenen Sonntag wieder unter Beweis. Im Gottesdienst, der im Internet übertragen wurde, setzte er sich mit dem brisanten Thema Sterbehilfe auseinander. Der Pfarrer der katholischen Kirchgemeinde Röschenz sprach sich in seiner Predigt für den assistierten Suizid aus, der von der katholischen Kirche abgelehnt wird.

Völlig überraschend sind seine Ausführungen nicht. Der 66-Jährige scheut sich nicht davor, andere Positionen als die offiziellen Meinungen der Kirche einzunehmen, die er vertritt. In die Schlagzeilen geriet der Pfarrer wegen einer Auseinandersetzung mit Kurt Koch, dem einstigen Bischof von Basel. Da er die katholische Kirche mehrfach kritisiert hatte, wurde er im Jahr 2005 vom Bischof suspendiert. Aus der Gemeinde Röschenz schwappte dem Geistlichen eine grosse Welle der Solidarität entgegen und es gelang ihm, sich mit dem Bischof zu versöhnen.

Niemand entscheide sich leichtfertig für Sterbehilfe 

Die Kritik, die Sabo mehr als zehn Jahre später äussert, kommt zwar eher leise, aber dennoch prägnant daher. In seiner Predigt zur Sterbehilfe sagt er: «Wie viel Leid muss der Mensch ertragen? Eine solche Entscheidung steht weder einem Arzt, noch dem Staat und auch keiner Kirche zu. Insofern sollten die Bischöfe vorsichtig sein mit ihrem Urteil gegenüber jenen Menschen, die sich keinesfalls leichtfertig, sondern aufgrund eines schweren Leidens für den assistierten Suizid entscheiden.» Eine solchen Entschluss gelte es zu respektieren und nicht verurteilen oder sogar zu bestrafen.

In seiner Predigt geht der Röschenzer Pfarrer auch auf aktuelle Ereignisse ein. Ende Februar hob das deutsche Bundesverfassungsgericht in unserem nördlichen Nachbarland das Verbot geschäftsmässiger Sterbehilfe auf. «Im Gegensatz zur offiziellen Kirche stehe ich voll und ganz hinter diesem Urteil», teilt der Priester seinen Zuschauerinnnen und Zuschauern an den Bildschirmen mit. Bis gestern haben sich rund 1000 Personen den Online-Gottesdienst angesehen.

Der Entscheid in Deutschland sei nur einer der Gründe für seine Predigt gewesen, sagt Franz Sabo einige Tage nach dem Gottesdienst auf Anfrage. «Es ist ganzer Flickenteppich, zu dem auch die Coronakrise und die Tätigkeit von Erika Preisig hier in der Region gehören.» Am Anfang habe jedoch eine schriftliche Orientierungshilfe der Schweizerischen Bischofskonferenz vom vergangenen Dezember gestanden. Gemäss Dokument sei es zwar erlaubt, einen Menschen, der assistierten Suizid in Anspruch nimmt, seelsorgerisch zu begleiten. Im Moment des Suizids hätten Seelsorgende jedoch die Pflicht, den Raum zu verlassen. «Das ist für mich völlig unverständlich und menschenfeindlich.»

Im neuen Leitfaden für Seelsorgerinnen und Seelsorger wird wiederholt, was die Schweizerische Bischofskonferenz 2002 in einem Pastoralschreiben festgehalten hatte: Die Bischöfe lehnen Sterbehilfe ab. «Die Praxis des assistierten Suizids ist eine schwere Gefährdung des Schutzes des menschlichen Lebens, das bereits ab der Empfängnis bis zum natürlichen Tod geschützt werden muss. Unter keinen Umständen kann der Ausweg des assistierten Suizids gerechtfertigt werden», heisst es in der Orientierungshilfe, welche die Seelsorgenden Ende letztes Jahr erreichte. Die Tatsache, dass die Schweiz die Praxis nicht verbiete, ändere nichts an der moralischen Anforderung.

«Vielleicht gibt es eine Massregelung» 

Den offiziellen Leitsätzen der Bischofskonferenz widerspricht nun Sabo in seiner Predigt. Mit schwerwiegenden Konsequenzen der katholischen Kirche rechnet der Pfarrer dieses Mal aber nicht. Bisher habe er noch keine negativen Reaktionen erhalten. «Vielleicht gibt es in den nächsten Wochen eine Massregelung.» Er glaube jedoch nicht, dass er gleich wieder suspendiert werde.

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