Reformierte Kirche

Rothenfluh will das Pfarrhaus abtreten

Die reformierte Kirchgemeinde Rothenfluh  im Bild die Kirche - überlegt sich, das Pfarrhaus abzutreten.

Die reformierte Kirchgemeinde Rothenfluh im Bild die Kirche - überlegt sich, das Pfarrhaus abzutreten.

Tiefere Steuererträge und mangelnde personelle Ressourcen veranlassen die Kirchgemeinde zu diesem Schritt.

Für reformierte Kirchgemeinden im Baselbiet wird es je länger, je schwieriger, die Kirchen und Pfarrhäuser zu unterhalten. Durch die stets schwindenden Mitgliederzahlen reduzieren sich die Steuererträge, zudem fehlen – vor allem in kleineren Kirchgemeinden – teils die personellen Mittel.
Macht Rothenfluh den Anfang?

Seit Anfang dieses Jahres ermöglicht die Stiftung Kirchengut des Kantons Baselland, dass Kirchgemeinden die Gebäude an sie zurückgeben können. Die Stiftung, die Eigentümerin der Gottes- und Pfarrhäuser ist, überlässt diese zur Nutzniessung den reformierten Kirchgemeinden, die für den Unterhalt und die Bewirtschaftung zuständig sind.

Rothenfluh könnte Vorreiter werden mit der Rückgabe des Pfarrhauses. Die Kirchgemeinde hat einen Antrag gestellt, den die Stiftung geprüft hat. An der Kirchgemeindeversammlung am Donnerstagabend informierte Martin Innerbichler, Verwalter der Stiftung Kirchengut, über Modalitäten und Ablauf. Dazu gehören viele formelle Anforderungen.

Zusammen mit einem externen Fachmann hat die Stiftung einen ausführlichen Bericht mit Inventar und Berechnung erstellt. Dabei wurden auch getätigte Investitionen sowie zu erwartender Sanierungsbedarf berücksichtigt. Die Pfarrhäuser und Kirchen werden zum Gebäudeversicherungswert bewertet, nicht zum Marktwert.

Die Kirchgemeinde Rothenfluh muss nun bis Ende September zu diesem Bericht Stellung beziehen. Ist das Echo positiv, wird das Papier durch Verfügung rechtskräftig. Danach hat die Kirchgemeindeversammlung zwei Jahre Zeit, um zu entscheiden. Laut Heidi Bader, der Präsidentin der Kirchenpflege, schuldet diese nach Verrechnung aller Gutschriften und ­Belastungen der Stiftung 35'000 Franken.

Innerbichler macht keinen Hehl daraus, «dass unsere Stiftung ein gespaltenes Herz hat bei der neuen Option». Aber wenn Kirchgemeinden nicht mehr in der Lage seien, die Gebäude zu unterhalten, würden die Kulturgüter allmählich zerfallen. «Und wenn dann keine Rückgabemöglichkeit besteht, finden wir das unfair. Deshalb haben wir schliesslich Ja gesagt», erklärt der Verwalter der Stiftung.

Interimspräsident verabschiedet

Die Kirchenpflegepräsidentin verabschiedet Erich Straumann und Erich Erny. Alt Regierungsrat Straumann amtete ab Januar 2019 für mehrere Monate als Zwangsverwalter; wegen Querelen um das damalige Pfarrehepaar traten Mitglieder der Kirchenpflege gleich reihenweise zurück, weshalb die Behörde nicht mehr handlungsfähig war. Derzeit führen vier Frauen die Geschicke, ein fünftes Mitglied fehlt noch. «Vielen Dank, Erich, für deine grosse Arbeit», lobt Heidi Bader. Erich Straumann bezeichnet das Quartett als «Gipfelstürmer», die alles hätten, um den Gipfel zu erklimmen. Er ruft die Anwesenden dazu auf, nicht mit dem Messer ins Seil zu schneiden und die Frauen abstürzen zu lassen. Auch Erich Erny, der nach 47 Jahren als Organist abgetreten ist, darf Dankesworte entgegennehmen.

Nach turbulenten Zeiten ist die Kirche in Rothenfluh wieder im Dorf. Die Versammlung ist äusserst harmonisch verlaufen, was darauf hindeutet, dass in der Kirchgemeinde wieder Ruhe herrscht.

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