Ausstellung

Simone Forti im Kunsthaus Baselland - was sind schon News, angesichts des Meeres?

Simone Forti bei ihrer Performance Zuma News am Strand von Los Angeles.

Simone Forti bei ihrer Performance Zuma News am Strand von Los Angeles.

Das Kunsthaus Baselland zeigt die Performance-Pionierin Simone Forti. Die Entdeckung ihres Werks lohnt sich.

Aufgabe des Journalismus ist es unter anderem, komplexe Themen herunterzubrechen und einfach zu erklären. Die Kunst geht oft den umgekehrten Weg. Sie zeigt uns, dass die Welt vielleicht doch komplexer und rätselhafter ist, als wir meinen. Die italienisch-amerikanische Künstlerin Simone Forti gehört zu einer Generation, die sich die Erweiterung des Bewusstseins auf die Fahne geschrieben hat.

Die heute 84-Jährige zählt zu den Pionierinnen der Minimal Art und Performance. Geboren ist sie in Florenz, musste mit ihren Eltern Ende der 1930er-Jahre jedoch über die Schweiz in die USA flüchten. Dort entwickelte sie anfangs der Sechzigerjahre unter dem Einfluss von John Cage und seinen Schülern Anna Halprin und Robert Dunn eine Körper- und Objektsprache, die noch heute fasziniert. Das zeigt die aktuelle Schau im Kunsthaus Baselland, notabene die erste Einzelausstellung zu Fortis Werk hierzulande.

Die alte Frau am Meer

Eine alte Frau mit weissem, zerzaustem Haar trägt einen Stapel Zeitungen ans Meer. Sie blättert darin, legt sich darauf, wühlt mit dem ganzen Körper durch die Seiten, die von den Wellen aufgeweicht, vom Wind davongetragen werden. Passanten, Badende und Surfer am Beach von Los Angeles staunen ungläubig über den seltsamen Kampf, den die sandpanierte und durchnässte Frau mit den Elementen ficht.

Absurd und irritierend ist dieses Ringen allemal. Und doch sendet es eine klare, wenn nicht Botschaft, dann zumindest Frage: Was sind Nachrichten? Was bedeutet dieses Gerede von Politik und Welt und Macht verglichen mit den Elementen, dem Meer, dem Wind, der Zeit, dem alternden Körper?

Die von Ines Goldbach kuratierte Ausstellung zeigt, wie Simone Forti diese ureigene Körpersprache entwickelt hat. Das beschriebene Video stammt von 2014, die ältesten gezeigten Arbeiten aus den frühen Sechzigerjahren. Es wird ablesbar, wie die Künstlerin konsequent den Körper und sein Verhältnis zu Objekten und zur Welt befragt: Was passiert, wenn wir uns von hergebrachten Wahrnehmungs- und Verhaltensmustern lösen? Wenn wir beispielsweise versuchen, unmittelbar mit dem Körper News zu verstehen, oder eine Beziehung zum Sternenbanner der USA zu knüpfen? Das Rationale hat bei Simone Forti einen schweren Stand. Die Irritation ist gewollt und wirkt befreiend.

Die Ausstellung zeigt zudem Objekte, die Forti für Performerinnen entworfen hat, oder auch Bilder von Katzen, deren Körpersprache die Künstlerin inspiriert. Als Pendant zum ersten Video sehen wir die Achtzigjährige am Ende der Ausstellung an einem anderen Strand. Hier ist es Winter. Simone Forti schiebt mit einem Taschenradio in den faltigen Händen ihren gebrechlichen Körper über Geröll und Eis. «Stop it!», möchte man ihr helfend zurufen. Doch die zierliche Frau setzt ihre berührende Erkundung der Elemente unbeirrt fort.


   

Simone Forti, bis 7. Juli, Kunsthaus Baselland, Muttenz.

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