Coronakrise

«Sonst kann man ja nicht viel unternehmen»: Autowaschen gegen die Langeweile

Schilder weisen in der Waschanlage in Duggingen, zurzeit ein beliebtes Ausflugsziel, auf die Corona-Regeln hin.

Schilder weisen in der Waschanlage in Duggingen, zurzeit ein beliebtes Ausflugsziel, auf die Corona-Regeln hin.

Viele Baselbieter Waschanlagen sind trotz Coronakrise offen – das zieht Menschen aus der gesamten Region und darüber hinaus an.

Ein Auto reiht sich an das andere. Eines mit Solothurner Nummernschild, eines aus dem Kanton Jura, eines aus dem Aargau, viele mit Baselbieter Nummern. Kein Platz ist mehr frei – weder bei der Wasch- noch bei der Staubsaugerstation. Dieser Tage sind Autowaschanlagen wie diejenige in Duggingen beliebte Ausflugsziele, auch für ausserkantonale Besucher. Denn, wie eine Fahrt durch den Kanton zeigt: Fast alle Baselbieter Waschanlagen sind trotz Lockdown geöffnet, nur vereinzelt sind geschlossene Self-Wash-Stationen zu finden.

Welche Anlagen schliessen müssen, hat der Kanton klar geregelt: Bediente Anlagen dürfen offen sein, unbediente nicht. «Entscheidend ist, dass bei Waschstrassen und Self-Wash-Anlagen während des Betriebs eine Person vor Ort ist, die für die Einhaltung der Vorschriften des Bundes sorgen kann», erklärt Roman Häring, Mediensprecher des kantonalen Krisenstabs.

«Man hat ja sonst nichts zu tun»

Im «Soft Car Wash» in Duggingen wird derweil mit Schildern auf die Regeln des Bundes aufmerksam gemacht. Sie fordern die Besucher dazu auf, Abstand zu halten. Beim Jeton-Automaten wird dies eingehalten: Die Kunden warten im Abstand von mehreren Meternhintereinander.AlsLetzter in der Schlange steht ein junger Mann, der hier ist, um seinen VW zu putzen – als Zeitvertreib. «Man hat ja sonst nichts zu tun», meint er.

Auch in den anderen Waschanlagen des Kantons scheint Langeweile der Hauptgrund für den Autoputz zu sein. Im «Soft Car Wash» in Muttenz stehen die Autos sogar in einer Schlange und warten darauf, dass eine der vier Waschboxen frei wird. Eine Frau steigt aus, lehnt sich an die Seite ihres Opels und streckt den Kopf in die Sonne. «Hier kann ich wenigstens das Wetter ein bisschen geniessen», sagt sie und lacht. Eigentlich sei es ihr nicht so wichtig, ein sauberes Auto zu haben. «Normalerweise wasche ich es eher selten», sagt sie und zeigt auf die Schmutzspuren auf dem weissen Auto. Aber wie für die meisten, die anstehen, ist es auch für sie ein Zeitvertreib. «Ich habe gehört, dass die Waschanlagen noch offen sind. So sitze ich nicht nur zu Hause rum.»

Die Kinder lernen gleich mit

In der TCS-Selbstwaschanlage in Füllinsdorf sind fast alle Boxen besetzt. «Wir haben diese Anlage ausgewählt, weil sie so gross ist», erklärt ein Mann, der mit seinen beiden Kindern seinen Volvo wäscht. Seine Frau erledige den Einkauf für Ostern, denn zu viert habe man nicht einkaufen gehen wollen. «Damit die beiden auch etwas erledigen, habe ich entschieden, sie zum Autowaschen mitzunehmen», sagt er und zeigt auf die Jungen, die gemeinsam den Schlauch halten und gezielt die Felgen abspritzen. Wirklich schmutzig sei das Auto zwar nicht gewesen, sagt der Mann. «Aber sonst kann man ja nicht viel unternehmen», fügt er an.

Auch in der Selbstwaschanlage in Pratteln nutzt ein junger Vater die Zeit dazu, seinem Sohn das Autowaschen beizubringen. Der Junge steht am rechten Scheinwerfer des BMWs und putzt ihn mit einem Tuch. Immer wieder wirft er einen Blick zu seinem Vater am linken Scheinwerfer und imitiert seine Bewegungen. «Den Schlauch kann er noch nicht halten», sagt der Vater, «beim Polieren kann er aber schon helfen.» Einige hundert Meter weiter wäre das nicht möglich: Die Waschstrasse der Migrol-Tankstelle ist zwar offen, die Putzstationen mit den Staubsaugern jedoch abgesperrt.

Unklar, wie es mit den Waschanlagen weitergeht

Wie es mit der Waschanlagen-Praxis im Baselbiet weiter geht, wird der Kanton schon bald entscheiden: Der Bund hat seine Erläuterungen zur Verordnung vergangene Woche angepasst – ob das eine Änderung für die Waschanlagen bedeutet, werde man Mitte dieser Woche prüfen, so Roman Häring.

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