Abklärungszentrum Lausen

Testzentrum-Mitarbeiter platzt der Kragen: «Habt ihrs immer noch nicht begriffen?»

Selfies im Warteraum, rasch ein Test zwischen zwei Partien Basketball: Geht es nach den Schilderungen eines Mitarbeiters des Abklärungszentrums in Lausen, unterschätzten gerade junge Menschen die Coronapandemie weiterhin.

Selfies im Warteraum, rasch ein Test zwischen zwei Partien Basketball: Geht es nach den Schilderungen eines Mitarbeiters des Abklärungszentrums in Lausen, unterschätzten gerade junge Menschen die Coronapandemie weiterhin.

Gaffer, Hypochonder und Jugendliche, die im Warteraum für Selfies posieren oder zwischen zwei Partien Basketball rasch einen Test machen wollen: Das Personal der Corona-Abklärungszentren im Baselbiet hat es nicht leicht. Ein Mitarbeiter liess seinem Frust freien Lauf.

«Was ich in den letzten Tagen gesehen habe, ist für mich ein Wechselbad der Gefühle»: So beschreibt ein Mitarbeiter des Corona-Abklärungszentrums in Lausen die ersten Eindrücke seines Einsatzes. Der IT-Fachmann berichtet auf LinkedIn von «Gaffern und fotogeilen Idioten», die vom Sicherheitspersonal weggeschickt werden müssen. Er sehe, schreibt er weiter, «Samariter, die stundenlang dieselben Vitalparameter auch bei offensichtlich gesunden Menschen aufnehmen.» Und er sehe Helfer, die sich «ziemlich sicher anstecken werden, weil man bereits beim Material triagieren muss!»

Was ihm den Rest gibt, das sind junge Menschen, die den Ernst der Lage offenbar noch immer nicht erkannt haben. Er sehe, fährt der Informationstechniker in seinem Beitrag fort, «junge Menschen in Jogginghosen, die zwischen zwei Basketball-Spielen das Gefühl haben, dass das ein ganz grosser Spass ist, was wir da machen. Junge Menschen die bereits im Abklärungszentrum wichtige Kapazitäten stehlen, und im Warteraum gemeinsam für Selfies posieren.»

Da platzt ihm der Kragen: «Verdammt nochmal, muss das wirklich sein? Habt ihr es eigentlich immer noch nicht begriffen? Denkt ihr immer noch, dass es euch nicht betrifft?»

«Putzmuntere» Patienten wollen sich testen lassen

Aber nicht nur Ignoranz sei das Problem. Im Bericht kommen auch überängstliche Besucherinnen und Besucher vor. Sie wollen nur eines: einen, ihren Test – und merken offenbar nicht, dass sie damit wichtige Kapazitäten blockieren, die für die wirklich Gefährdeten gedacht wären.

Was den IT-Koordinator wohl besonders stört: Solche Besucher überlasten das Personal, gerade auch das Medizinische, das alles gebe, dabei sei es selber der Gefahr einer Ansteckung mit Covid-19 ausgesetzt. «Ich sehe Ärzte, die den halben Tag damit verbringen, putzmunteren ‹Patienten› freundlich zu erklären, dass sie nicht getestet werden.» Dieselben Ärztinnen und Ärzte würden sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen lassen, sondern weiterhin «schwere Fälle sofort erkennen und krisensicher betreuen.»

Schwere Fälle, das seien zum Beispiel ältere Menschen, die schon mit Sauerstoff-Flaschen ankämen und kaum mehr sprechen könnten. Es gebe aber auch junge Patienten, «denen es im Check-In bereits so schlecht geht, dass sie sich vor lauter Husten übergeben und kaum mehr stehen können.»

Der Gesamteindruck zum Betrieb im Testcenter fällt klar positiv aus. Die Stimmung sei gut, die Opferbereitschaft ebenso. Alle seien hochmotiviert, von den Fachangestellten Gesundheit über die Praxisassistenten, die Putzmannschaft, das Ärzteteam bis zu den Kurieren, die unermüdlich Tests ins Labor fahren. Und nicht zuletzt seien da die Zivilschützer, die alles am Laufen halten und «geduldig in der Sonne brutzeln». Der IT-Mann schreibt: «Ihr habt alle meinen tiefsten Respekt! Ihr macht das toll!»

Kraftakt von Zivilschutz, Kantonsspital, Kanton und Ärzteschaft

Roman Häring vom Informationsdienst des Kantonalen Krisenstabs Baselland sagt auf Anfrage der bz, in den beiden Baselbieter Abklärungszentren in Lausen und Münchenstein sei Fotografieren untersagt, wegen des Persönlichkeitsschutzes der Patientinnen und Patienten. «Das ist auch ganz klar so ausgeschildert.»

In beiden Stationen sind Tag für Tag rund 130 Personen im Einsatz. Diejenige in Lausen ist rund um die Uhr geöffnet, das Zentrum in Münchenstein täglich von 8 bis 20 Uhr. Die Mitarbeitenden seien hoch motiviert, ihre Moral sehr gut, sagt Häring, «zumal das Personal auch von der Bevölkerung im Umfeld sehr umsorgt wird und deren Einsatz grossflächig sehr geschätzt wird.»

Dass der Betrieb in den Stationen weitestgehend reibungslos funktioniert, ist nicht selbstverständlich. Es gab lediglich wenige Tage Vorbereitungszeit, um die zwei Abklärungszentren aus dem Boden zu stampfen. Beide Einrichtungen gingen am Mittwoch vergangene Woche in Betrieb. Ebenso sind mobile Test-Teams unterwegs, unter anderem in Altersheimen, da die Bewohner nicht so mobil sind.

Eine Anmeldung zum Besuch der Abklärungsstationen ist nicht notwendig. Der Kantonale Krisenstab Baselland bittet jedoch gerade Patienten mit Fieber, nicht mit dem öV anzureisen, damit möglichst niemand anderes angesteckt wird.

Stand Mittwoch, 25. März, wurden in den beiden Stationen bislang total 1567 Personen getestet. Das entspricht jedoch nicht der tatsächlichen Anzahl an Besucherinnen und Besuchern, denn nicht für alle ist auch ein Abstrich vorgesehen.

Meistgesehen

Artboard 1