Baselland

Thomas Weber zur Maskenpflicht: «Wir wollen das Leben nicht komplett abwürgen»

Thomas Weber, Gesundheitsdirektor Baselland: «Wir sind in unseren Spitälern zum Glück weit von der  Situation im März und April entfernt.» (Archivbild)

Thomas Weber, Gesundheitsdirektor Baselland: «Wir sind in unseren Spitälern zum Glück weit von der Situation im März und April entfernt.» (Archivbild)

Im Kampf gegen das Coronavirus führt Basel-Stadt ab Montag eine Maskentragpflicht in Läden, Restaurants und auf Schularealen ein. Der Nachbarkanton Baselland verzichtet darauf. Regierungsrat Thomas Weber (SVP) begründet dies mit den aktuell markant tieferen Corona-Fallzahlen und den geringen Hospitalisationen.

Baselland verzichtet im Gegensatz zu Basel-Stadt auf eine Maskenpflicht in öffentlichen Innenräumen. Weshalb?

Thomas Weber: Massgebende Grösse hierfür ist die Zahl der neuen Ansteckungen mit dem Coronavirus. Liegt der Inzidenzwert der vergangenen zwei Wochen bei über 40, wurden also in dieser Zeit mehr als 40 Personen pro 100000 Einwohner neu infiziert, dann werden weitere Massnahmen erwogen. So haben es die Gesundheitsdirektoren der Kantone Basel-Stadt, Baselland, Solothurn und Aargau vereinbart, als sie sich Anfang Juli auf schärfere Regeln für Bars und Clubs einigten. Wir tauschen uns weiterhin stetig aus. Baselland liegt im Gegensatz zur Stadt derzeit unter diesem Wert. Und zwar deutlich, um einen Faktor zwei bis drei.

Sollte also die Zahl der Neuinfektionen über diesen Wert steigen, dann würde auch Baselland eine Maskenpflicht einführen?

Wir würden diese Massnahme dann erwägen. Der erwähnte Schwellenwert müsste über mehrere Tage überschritten sein und eine steigende Tendenz zeigen. Einen Automatismus gibt es nicht. Zudem spielen für die Beurteilung, ob eine Verschärfung der Massnahmen angezeigt ist, auch andere Faktoren eine Rolle.

Welche?

Entscheidend ist die Zahl der Hospitalisationen; besonders der Patienten, die auf der Intensivpflegestation beatmet werden müssen. Aktuell befindet sich im Baselbiet eine Person wegen Corona in Spitalpflege. Wir sind zum Glück also weit von der Situation im März und April entfernt, als mehrere Dutzend Personen gleichzeitig im Spital waren, davon über ein Dutzend beatmet in Intensivpflege. Eine zweite wichtige Frage ist, ob die Infektionsketten via Contact-Tracing rückverfolgt werden können. Das ist aktuell der Fall. Sind davon im Kanton plötzlich Tausende betroffen, dann funktioniert das System allerdings nicht mehr.

Wirkt es nicht kurios, dass in unserer Region mit ihren kaum erkennbaren Kantonsgrenzen unterschiedliche Regeln gelten?

Unmittelbar an Grenzen wirken unterschiedliche Regeln oft willkürlich – das ist an Kantonsgrenzen nicht anders als an Landesgrenzen. Eine Maskenpflicht auf dem Dreispitz könnte so gesehen sinnvoll sein. Doch von Liestal an Richtung Oberbaselbiet oder im Laufental ist die Situation dann tatsächlich eine ganz andere. In der Stadt mit ihrer Dichte und Nutzungen ist Abstandhalten naturgemäss schwieriger als auf dem Land, was zu höheren Coronafallzahlen führen kann. Deshalb sind auch verschiedenartige Massnahmen angezeigt.

Weshalb ist die Baselbieter Regierung derart zurückhaltend, wenn es um schärfere Massnahmen geht?

Man muss schon sehen: Wir haben derzeit nicht mehr viele Massnahmen in der Hinterhand, die helfen, ohne dass sie das Wirtschaftsleben stark einschränken. Wir müssen diese Massnahmen daher mit Bedacht einsetzen. Die Gebote der Zweck- und der Verhältnismässigkeit sind für uns sehr wichtig. Dazu ein Beispiel: Solange wir via Contact-Tracing Übertragungswege rückverfolgen können, verbieten wir keine Geburtstagsfeste oder Ähnliches. Schärfere Massnahmen sollen nur zur Anwendung gelangen, wenn es anders nicht geht.

Verstehen wir Sie richtig: Die Regierung will die Corona-Ansteckungen nicht um jeden Preis tief halten?

Ich möchte es anders formulieren: Wir befinden uns aktuell in der Phase «Leben mit Covid-19», wobei die Regierung den Fokus wieder stärker auf den Aspekt «leben» legt. Das heisst, dass wir das Leben nicht komplett abwürgen wollen, selbst wenn die Coronafälle für ein paar Tage zunehmen. Daher sind wir sehr zurückhaltend beim Aussprechen von Geboten und Verboten. Dass der Gesundheitsschutz eine hohe, aber nicht die ausschliessliche Priorität geniesst, ist für uns klar.

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