Ziegler Papier
Adrian Schmidlin: «Die Firma bedeutete den Grellingern viel»

Am Mittwoch kam die unerwartete Meldung: Ziegler Papier in Grellingen muss den Betrieb einstellen. Der frühere Laufentaler Wirtschaftsförderer Adrian Schmidlin sagt im Gespräch mit der bz, was er über die Schliessung der Traditionsfirma denkt.

Simon Tschopp
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Adrian Schmidlin: «Aus der Optik der Gemeinde ist es eine echte Chance, wenn man das Areal mit Anlagen und umfangreichem Gelände richtig nutzen kann.»

Adrian Schmidlin: «Aus der Optik der Gemeinde ist es eine echte Chance, wenn man das Areal mit Anlagen und umfangreichem Gelände richtig nutzen kann.»

Martin Töngi

Lichterlöschen in der letzten Papierfabrik der Region: Ziegler Papier in Grellingen wird voraussichtlich auf Ende April ihren Betrieb einstellen. Diese Hiobsbotschaft machte am Mittwoch die Runde. Adrian Schmidlin war der erste Wirtschaftsförderer des Laufentals und hatte in der Grellinger Papierfabrik seine ersten beruflichen Erfahrungen gemacht.

Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als Sie vom Aus von Ziegler Papier erfahren haben?

Adrian Schmidlin: Ich war überrascht. Denn ich wusste nichts davon, obwohl ich immer wieder lose Kontakte zur Papierfabrik hatte. Die 150 Jahre Firmengeschichte zeigen, dass das Unternehmen ein stetes Auf und Ab durchgemacht hat. Dies ist in der Heimatkunde Grellingen dokumentiert. Interessant ist, wie die Ziegler-Dynastie Krisen überwunden und so lange überlebt hat. Sie hatte die Strategie, sich auf Nischen zu konzentrieren und war damit sehr erfolgreich. Ziegler Papier betrieb auch Entwicklung und Forschung. Für einen Betrieb von heute noch 100 Mitarbeitenden ist dies ein grosser Aufwand.

Sie haben in diesem Betrieb eine kaufmännische Lehre absolviert und sind mit Ziegler Papier bestimmt auch emotional verbunden. Hat Ihr Herz geblutet, als Sie vom Schliessungsentscheid gehört haben?

Solches bewegt jeden, vor allem die Älteren. Die Firma bedeutete den Grellingern viel. Die Familie Ziegler nahm am Dorfgeschehen teil. Familienmitglieder mehrerer Generationen waren im Gemeinderat. Die Firma brachte sich auch kulturell ein und organisierte und finanzierte regelmässig Kindertheater. Es war eine gute Beziehung. Auch die heutigen Besitzer suchten den Kontakt zur Gemeinde. Nun verlieren zahlreiche Leute ihre Stelle. Die Bevölkerung fühlt mit den Mitarbeitern. Für alle Betroffenen ist das ein herber Schlag. Soweit mir bekannt ist, stammt die Mehrheit der Belegschaft nicht mehr aus Grellingen. Die meisten Angestellten wohnen auswärts oder gar im Elsass.

Die Papierindustrie war im Laufental stark. Früher wurde im Bezirkshauptort produziert, bis vor 15 Jahren in Zwingen und jetzt noch in Grellingen. Mit der Schliessung von Ziegler ist die Laufentaler Papierindustrie endgültig gestorben.

Das ist so.

Wie viele Arbeitsplätze bot dieser Industriezweig in der Blütezeit?

Grellingen ist die mit Abstand älteste Papierfabrik im Laufental und auch die letzte, die es noch gibt. Hier arbeiteten früher um die 300 Leute, schätzungsweise gleich viele in Zwingen, Laufen war ein wenig kleiner. Gesamthaft dürften es im Mittel 600 bis 700 Beschäftigte gewesen sein. Als in Grellingen noch die Textilfabrik Schappe existierte, fanden dort und bei Ziegler gegen 700 Personen Arbeit. Als 1860 die Industrialisierung einsetzte, kamen wir um die grosse Krise herum.

Ziegler war bis 2009 während fast 150 Jahren in Familienhand. Danach wechselte das Management. Hat das Besitzerpaar die Situation unterschätzt?

Nein. Es hat an seine Chance geglaubt und sich bemüht, erfolgreich weiterzufahren. Die Professionalität war gross, die Qualität hoch, die neuen Besitzer investierten. Bis vor zwei, drei Jahren lief es gut. Nun findet ein grundlegender Wandel statt. Vor ein paar Jahrzehnten sind fast 100 Prozent des Papiers in der Schweiz abgesetzt worden, heute werden über 60 Prozent exportiert. Der Schliessungsentscheid ist wegen der Umstände unvermeidbar. Es ist nicht nur der starke Franken, sondern dass auch grössere Betriebe auf Nischenprodukte setzen. Solche Unternehmen haben mehr Möglichkeiten, da kann eines wie Ziegler nicht mithalten.

Das Eigentümerpaar redet schon von Umnutzung des Firmengeländes. Was wäre aus Ihrer Sicht denkbar?

Aus der Optik der Gemeinde ist es eine echte Chance, wenn man das Areal mit Anlagen und umfangreichem Gelände richtig nutzen kann. Aber es braucht eine gewisse Flexibilität der Gemeinde. Ich denke weniger an ein Einzelunternehmen, eher an ein Gewerbezentrum. Der hintere, nicht überbaute Teil könnte zu Wohnraum umgezont werden. Ich bin überzeugt, dass Unternehmensleitung und Gemeinde das Gespräch suchen. Die Eigentümer werden alles Interesse haben, das Gelände sinnvoll zu nutzen und zu verkaufen.

Grellingen ist finanziell nicht auf Rosen gebettet. Was bedeutet die Firmenschliessung für die Gemeinde?

Sie ist schmerzhaft. Aber man darf nicht vergessen, dass die jährlichen Steuereinnahmen von juristischen Personen derzeit bloss mit 100 000 Franken budgetiert sind; ein grosser Teil davon dürfte von Ziegler stammen. Vor fünf Jahren waren die Ertragssteuern noch doppelt so hoch. Das sind sehr bescheidene Summen. Bezogen auf die heutigen Gemeindefinanzen ist das jedoch ein harter Rückschlag.

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