Allschwil
Menschen mit Handicap drängen in den ersten Arbeitsmarkt

Der Allschwiler Pharmazulieferer Skan sucht gezielt zwei Arbeitskräfte mit einem Handicap. Eine Organisation aus Schaffhausen, die in Basel Fuss gefasst hat, steht ihr dabei zur Seite.

Tobias Gfeller
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Wenn der Neubau der Skan AG im Allschwiler Bachgrabengebiet steht, sollen zwei Menschen mit Handicap dort arbeiten.

Wenn der Neubau der Skan AG im Allschwiler Bachgrabengebiet steht, sollen zwei Menschen mit Handicap dort arbeiten.

Zvg, Visualisierung: © Burckhardt+partner Ag

Die weltweit tätige Skan AG sucht auf den kommenden Juli hin, wenn das Unternehmen im Bachgrabengebiet seinen Neubau bezieht, zwei Allrounderinnen oder Allrounder mit je einem Anstellungsverhältnis von 60 bis 80 Prozent. Das Besondere daran: Die beiden Arbeitsstellen richten sich explizit an Menschen mit einem Handicap. «Wir merkten, dass es im Neubau Arbeiten geben wird, die wichtig sind und neu organisiert werden müssen. Dann kamen wir auf die Idee, zwei Sozialstellen zu schaffen», erklärt Maryline Eby von der Personalabteilung.

Während Firmen immer mal wieder aus Imagegründen die eigene Vielfalt im Unternehmen propagieren, möchte Skan eigentlich gar nicht gross darüber reden, betont Eby.

«Uns geht es darum, Menschen mit Handicap eine Chance zu bieten, in einem guten Arbeitsumfeld tätig zu sein. Wir suchen wie bei normalen Arbeitsstellen Personen, die motiviert sind und zu uns passen.»

Normale Bewerbungsverfahren

Nach einer Recherche stiess Skan auf die Personalvermittlungsfirma mitschaffe.ch GmbH aus Schaffhausen, die sich für die Integration von Menschen mit einem Handicap im ersten Arbeitsmarkt einsetzt. Sie platzierte auch die Stelleninserate auf bekannten Kanälen. Zusammen mit Job-Coach Stephan Müller, der kürzlich als Filiale von mitschaffe.ch im Raum Basel begonnen hat, werden die passenden Personen gesucht.

«Das läuft genau gleich wie bei Nichtbehinderten. Wir führen Bewerbungsgespräche durch und präsentieren Skan eine Auswahl», erklärt mitschaffe.ch-Inhaber Thomas Bräm. Die endgültige Entscheidung treffen die Personalverantwortlichen von Skan zusammen mit dem Job-Coach. Die Stellenbeschreibung ist dabei nicht definitiv und wird gegebenenfalls den Personen gemäss ihren Fähigkeiten angepasst.

Menschen mit Handicap selbstbewusster

Thomas Bräm gründete mitschaffe.ch vor sieben Jahren in Schaffhausen. Er spürte, dass der Wille von Menschen mit einem Handicap, im ersten Arbeitsmarkt zu arbeiten, stetig grösser wurde und noch immer wächst. «Menschen mit einer Behinderung sind heute selbstbewusster und fordernder. Sie wollen nicht mehr den klassischen Weg über eine Sonderschule und den geschützten Arbeitsmarkt gehen. Demgegenüber stehen aber noch immer viele Firmen, die Respekt davor haben, so jemanden einzustellen.»

In einer Umfrage bei Schaffhauser Unternehmen wurden dabei drei Punkte als Hindernisse am häufigsten genannt: Die Unerfahrenheit, wie man mit Menschen mit einem Handicap umgeht, der bürokratische Aufwand mit zum Beispiel der Invalidenversicherung und die Angst, was man machen soll, falls es nicht funktioniert.

Mitschaffe.ch fungiert als Brückenbauer zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, übernimmt dabei die administrativen Aufwendungen, die Risiken der Anstellung – unter anderem betreffend Krankentaggelder – und vor allem, und das sei das Wichtigste, betont Thomas Bräm, steht während der ganzen Dauer des Arbeitsverhältnisses beratend und begleitend zur Seite. Die Menschen mit einem Handicap sind bei mitschaffe.ch angestellt. Die Firmen – in diesem Fall Skan – mieten sie auf Stundenbasis, aber mit einem festen Pensum. Was etwas unhöflich klingt, ist ein Erfolgsmodell und passt für alle Seiten.

Vielfalt nicht bei Behinderten

Dass es Menschen mit einem Handicap noch immer schwer haben, im ersten Arbeitsmarkt Fuss zu fassen, bestätigt Pascal Güntensberger vom Verein Impulse Basel, der KMU das Label «iPunkt» verleiht, die langfristig Arbeitsplätze für Menschen mit einem Handicap anbieten.

«Sicher haben Firmen das Thema heute stärker auf dem Radar. Das heisst aber nicht, dass es für Menschen mit einem Handicap einfacher geworden ist, eine Stelle zu finden.»

Zwar sei vielen Firmen Vielfältigkeit – Stichwort «Diversity» ̶ bei ihrem Personal immer wichtiger, dabei gingen Menschen mit einem Handicap aber oft vergessen. Eine Zahl, wie viele Firmen in der Region Basel Menschen mit einem Handicap bereits angestellt haben, kann Pascal Güntensberger nicht nennen. Das Label «iPunkt» konnte aber bereits an 70 KMU vergeben werden.

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