Spardruck
Allschwil und Muttenz wollen Theater-Beiträge streichen

Die Gemeinden Allschwil und Muttenz planen, ihre Beiträge ans Stadt-Theater zu streichen – und weitere Gemeinden dürften folgen.

Benjamin Wieland
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Etliche Agglomerationsgemeinden schreiben rote Zahlen – die Spenden ans Stadt-Theater geraten unter Druck.

Etliche Agglomerationsgemeinden schreiben rote Zahlen – die Spenden ans Stadt-Theater geraten unter Druck.

KEYSTONE

Andreas Bammatter, SP-Einwohnerrat aus Allschwil, denkt mit gemischten Gefühlen an die kommende Woche. Denn dann berät das Gemeindeparlament das Budget fürs kommende Jahr. Zwei Abende sind reserviert, an denen sich die Einwohnerräte ums Geld zanken dürfen.

Ein Punkt wird sicherlich für Diskussionen sorgen. Der Gemeinderat will den freiwilligen Beitrag von 20'000 Franken, den Allschwil an das Theater Basel leistet, streichen. Es handle sich zwar nur um einen kleinen, symbolisch jedoch bedeutenden Posten, findet Bammatter: «Es ist nicht mehr als fair, wenn sich Allschwil – als grösste Gemeinde im Baselbiet – am Theater beteiligt.» Die zahlreichen Zuzüger würden von den Angeboten der nahen Stadt profitieren, ebenso die Schulen.

Bammatter hat bereits einen Vorstoss eingereicht, in dem er fordert, dass die 20'000 Franken den Weg zurück ins Budget finden. Er will das Geld andernorts einsparen: bei den Strassen.

Brisanter Zeitpunkt

Die Finanz- und Rechnungsprüfungskommission des Allschwiler Einwohnerrats will davon nichts wissen. Sie empfiehlt den Vorstoss zur Ablehnung, ebenso der Gemeinderat. Er anerkenne die Wichtigkeit des Stadttheaters für die Kulturlandschaft, schreibt er zum Antrag Bammatter. Im Zuge der generellen Leistungsüberprüfung habe der Gemeinderat jedoch entschieden, «die Unterstützung einzustellen».

Dieser Entscheid kommt zu einem brisanten Zeitpunkt. Erst Ende Oktober lehnte die Baselbieter Regierung die Erhöhung des kantonalen Beitrags ab. Die Baselbieter Subventionen hätten um 1,4 Millionen auf 5,9 Millionen Franken wachsen sollen. Basel-Stadt bezahlt heute mehr als das Zehnfache davon, obwohl fast gleich viele Besucher aus Stadt und Land stammen. Im Fall Allschwil kommt hinzu, dass die Bevölkerung das Angebot rege nutzt. Vor der Theater-Abstimmung 2011, bei der das Baselbieter Stimmvolk eine Erhöhung der Subventionen ablehnte, schlüsselte das Theater die Abo-Besitzer nach Gemeinde auf. Im Frühjahr 2011 wohnten 490 Abonnenten in Allschwil. Das ist der Spitzenplatz im Kanton Baselland. Auf den weiteren Rängen folgen Binningen und Arlesheim (siehe Tabelle). Aktuellere Zahlen konnte das Theater auf Anfrage nicht liefern. Da die Abo-Besitzer – das belegen Erhebungen – jedoch treue Kunden sind, dürften bei den Zahlen seither keine grösseren Verschiebungen eingetreten sein.

Würde Allschwil nichts mehr ans Theater spenden, so wäre es keine Ausnahme unter den Agglomerationsgemeinden. Und auch in anderen Gemeinden gerät der Beitrag im Zuge der roten Zahlen unter Druck. Muttenz etwa will seinen Beitrag von 10'000 Franken ebenfalls auf 0 herunterfahren; dort muss die Gemeindeversammlung am 9. Dezember darüber entscheiden. Als Minimalbeitrag empfahl die 2013 aufgelöste Baselbieter Vororts-Konferenz (VOK), dass sich die Gemeinden mit 1 Franken pro Einwohner und Jahr an kulturellen Zentrumsleistungen Basels beteiligen sollen. Das erfüllte Muttenz schon bisher nicht – ebenso wenig Birsfelden, das seinen Beitrag schon 2012 strich, hingegen das lokale Theater Roxy unterstützt.

Auftrag kam vom Parlament

Die Allschwiler Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli (FDP) will die empfohlene Einstellung des Beitrags nicht als Ablehnung verstanden haben. «Das hat nichts damit zu tun, dass wir mit dem Theater nicht zufrieden wären oder so.» Der Gemeinderat habe jedoch im Frühjahr vom Einwohnerrat den Auftrag erhalten, alle freiwilligen Leistungen zu überprüfen. «Wir sind zum Schluss gekommen», sagt Nüssli, «dass der Beitrag verzichtbar ist.»

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