Arlesheim
Arlesheims Liberale sagen den Strassenschwellen den Kampf an

Die Arlesheimer FDP lanciert eine Petition gegen die Verkehrsschwellen in den 30er-Zonen. Dabei kann sie sich der breiten Unterstützung der Bevölkerung sicher sein. Die will wohl die Temporeduzierung, nicht aber die -behinderungen.

Lukas Hausendorf
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Arlesheim soll auch ohne Schwellen Tempo 30 haben. (Symbolbild)

Arlesheim soll auch ohne Schwellen Tempo 30 haben. (Symbolbild)

Keystone

Das Gewerbe nervt sich fürchterlich über die sogenannt vertikale Massnahme zur Temporeduktion auf Arlesheims Strassen. Und im Birsecker «Wochenblatt», dem örtlichen Amtsanzeiger, vergeht kaum eine Woche ohne einen geharnischten Leserbrief gegen die Schikanen. Die FDP, in der progressiven Gemeinde als ebensolche politische Kraft bekannt, hat die Gunst der Stunde erkannt und lanciert heute eine Petition für ein schwellenloses Tempo 30 im Dorf.

«Die Schwellen will niemand», sagt Präsident Balz Stückelberger. Es gehe hierbei aber nicht um grundsätzliche Opposition gegen Tempo 30. «Wir sind absolut dafür, das ist für Arlesheim und seine Quartiere auch wichtig», betont der Landrat. Die flächendeckende Temporeduktion wurde vor einem Jahr auch praktisch ohne Widerstand eingeführt. «Tempo 30 ohne rote Köpfe», titelte Stückelberger vergangenen April euphorisch in seinem Weblog «Dometown Arlesheim».

Die Schwellen sind überall

Er irrte. Wohl hatte niemand etwas gegen die Verkehrsberuhigung der Gemeindestrassen, aber welche Begleitmassnahmen damit verbunden sind, ahnte eben auch kaum einer. Das Versprechen der Gemeinde die unbeliebten Schwellen nur ganz zurückhaltend und nur wo unbedingt nötig zu installieren, ist zwischenzeitlich überholt. Kaum eine Sammelstrasse ist davon verschont geblieben, ausser dem Dornachweg, wo der Bus verkehrt. Die Autofahrerseele kocht. Das Gewerbe ist genervt. Und die FDP hat einen günstigen Zeitpunkt gewählt, das populistische Anliegen just dann aufzugreifen, wenn die Überprüfung der provisorischen Massnahmen zur Umsetzung von Tempo 30 ansteht.

Mit einer Petition kann die FDP nichts erzwingen. Das Mittel ist nicht rechtsverbindlich und nur eine Willensäusserung, mit der die Partei aber gewiss bei der Dorfbevölkerung punkten kann. «Tempo 30 liegt in der Kompetenz des Gemeinderats», sagt Gemeindepräsident Karl-Heinz Zeller. Das Anliegen sei aber legitim.

Irritiert ist Zeller einzig über die Vorgehensweise der Partei, die offenbar vorgängig keinen Kontakt zum Gemeinderat gesucht habe. «Das ist schade», so Zeller. «Nur davon gehört» hat der zuständige Tiefbauchef Anton Fritschi, selbst ein Freisinniger. Er nimmt es aber sportlich. «Ich bin gespannt auf diesen Stimmungstest», sagt er und signalisiert Dialogbereitschaft. Über die Notwendigkeit von Schwellen könne man reden. Fritschi stellt aber klar: Fallen die Schwellen, kommt der Radar. Was das heisst, konnte man in Reinach erfahren. Dort wurde weitgehend auf vertikale Hindernisse verzichtet, dafür aber auf Geschwindigkeitskontrollen gesetzt, was bis dato mehr als zehn Führerscheinentzüge zur Folge hatte. «Wir wollten es humaner machen», sagt Fritschi.

Alt genug für Tempo 30

Mit mehr Radarkontrollen kann Stückelberger allerdings gut leben: «Es liegt in der Eigenverantwortung eines jeden Autofahrers, sich an das vorgeschriebene Tempo zu halten.» Ganz der liberale Ansatz eben. Seiner Partei sei diese Konsequenz bewusst gewesen. Autofahrer seien mündig, da brauche es keine Schwellen. Darin sind sich in Arlesheim die Automobilisten von links bis rechts einig. Und damit wird die FDP punkten können, ohne in der grünen Gemeinde den Ruf einer Autopartei zu riskieren.

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