Aesch
Auch für Fälschungen gibt es keinen Freipass

Die 40 berühmtesten und teuersten Gemälde der Kunstgeschichte – legal kopiert von den besten Fälschern – sind in Aesch ausgestellt. Die «Gallery of Fake Art» zeigt echt-falsche Meisterwerke. Aber selbst bei Fälschungen ist nicht alles erlaubt.

Simon Tschopp
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Echte Fälschungen in Aesch
6 Bilder
Kopierte Bilder des Malers John Constable.
Werke von Henri Rousseau (links) und Caspar David Friedrich («Kreidefelsen auf Rügen»).
Eine weitere Fälschung ist «Der arme Poet» von Carl Spitzweg.
Ein paar falsche Gemälde Vincent van Goghs hängen im Aufgang der Aescher Bürgerschüre.
«Die gelbe Kuh» , ein Tierbild von Franz Marc.

Echte Fälschungen in Aesch

Kenneth Nars

Ein bisschen Schauder empfindet der Besucher schon, wenn er dieser Tage durch die Aescher Bürgerschüre streift. «Fünfzehn Sonnenblumen» (Vincent van Gogh), «Seerosen» (Claude Monet), «Der arme Poet» (Carl Spitzweg) oder «Kreidefelsen auf Rügen» (Caspar David Friedrich) sind Meisterwerke weltberühmter Künstler. Diese Bilder sind von Malern gefälscht, sehen den Originalen jedoch zum Verwechseln ähnlich.

Yvonne Bettinger, die mit ihrem Geschäfts- und Lebenspartner die «Gallery of Fake Art» in Rheinfelden führt, sammelt und verkauft seit vier Jahren Bildkopien grosser Künstler vom 17. bis Ende des 19. Jahrhunderts. In Aesch präsentiert sie derzeit 40 Gemälde, von alten Meistern bis zu Expressionisten. In ihrer Galerie in Rheinfelden sind etwa 70 Werke ausgestellt. Insgesamt nennt die 46-Jährige rund 220 Bilder ihr Eigen. All diese sind käuflich. In der Bürgerschüre sind echt-falsche Meisterwerke von 2000 bis 4000 Franken zu haben. Zum Vergleich: Um Originale zu erwerben, investieren Kunsthändler Millionenbeträge.

«Ich kaufe den Malern die Bilder ab», erklärt Yvonne Bettinger. Diese arbeitet weltweit mit 35 Malern zusammen, die Werke grosser Künstler kopieren. Den Preis ihrer Fälschungen bestimmen die Maler selber. Die Rheinfelderin organisiert neben Ausstellungen auch Auktionen. Sie könne einigermassen gut davon leben. Ein grosses Geschäft damit mache sie aber nicht, sagt Bettinger.

Kopien klar deklarieren

«In erster Linie sammle ich Bilder, weil ich die Kunst liebe. Es ist spannend, wie ich in Farben, Art und Zeitepochen Unterschiede sehen kann und welchen Stil ein Künstler gemalt hat», schwärmt die Galeristin. Deren Ausstellungen besuchen Leute, die gerne Bilder betrachten und an Epochen interessiert sind, Neugierige, Jung und Alt. Auch Sachkundige, sogar Kunsthistoriker, die Originale schon selber gesehen haben, kann Yvonne Bettinger regelmässig begrüssen. Dabei erhalte sie viele positive Feedbacks, aber auch Kritiken wie «das ist Kitsch».

Sogenannte Fake-Bilder müssen eindeutig deklariert werden. Auf der Rückseite ist darauf hinzuweisen, dass es sich um eine Kopie handelt. Die Abmessungen der Fälschung müssen vom Original abweichen, und wenn es nur ein paar Millimeter sind. Zudem muss der Urheber des Originalwerks mindestens 70 Jahre verstorben sein. «Daran müssen wir uns strikt halten», betont Bettinger. Dies schreibe das Urheberrechtsgesetz vor.

Nachdem der Künstler die Kopie fertiggemalt hat, beurteilen Experten, die für Museen, Kunst- oder Auktionshäuser tätig sind, seine Arbeit. Die Fachleute achten auf Richtigkeit des Bildes von der Art und den Farben her. Sie prüfen, dass nichts in die Fälschung gemogelt, aber auch nichts daraus entfernt worden ist. Der Künstler darf sich nur auf der Rückseite seines Werks outen.

Yvonne Bettinger ist die Einzige in der Schweiz, die eine solche Galerie betreibt. Gemäss ihren eigenen Recherchen gibt es in Europa nur noch eine. Diese befindet sich in Wien. Dass von den gefälschten Werken, die in Bettingers Besitz sind, noch weitere Kopien existieren, ist denkbar. Dazu gibt es keine Verzeichnisse.

Die 46-jährige Kunstliebhaberin hat aus ihrem Hobby ihren Beruf gemacht. Sie ist zwar nicht Kunsthistorikerin, hat zu einer solchen vom Kunsthaus Zürich aber einen guten Draht und von dieser schon viel gelernt. Für Yvonne Bettinger hat soeben die strengste Zeit begonnen. Von September bis April ist sie permanent mit Ausstellungen unterwegs.

«Die echt-falschen Meisterwerke» werden in der Bürgerschüre in Aesch ausgestellt. Öffnungszeiten: heute Vernissage (ab 19 Uhr); morgen Samstag und am Sonntag (jeweils 11 bis 20 Uhr); Sonntag Finissage (ab 18 Uhr).

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