Wittinsburg
Auch Nationalratspräsidentin Maya Graf saust in einer Seifenkiste durchs Dorf

Am Freitag beginnt in der Baselbieter Gemeinde die Seifenkisten-Europameisterschaft. Die Organisatoren erwarten bis zu 2000 Zuschauer. Wieso findet ein solcher Anlass in einem 400-Seelen-Kaff statt?

Oliver Sterchi
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Selbst Maya Graf wird in einem Boliden durch Wittingsburg fahren – allerdings nur als Beifahrerin.

Selbst Maya Graf wird in einem Boliden durch Wittingsburg fahren – allerdings nur als Beifahrerin.

Keystone und bz-Archiv

Als «Formel-1-Wagen ohne Motor» bezeichnet Thomas Zumbrunn die selbst gezimmerten Boliden, die an diesem Wochenende an der Seifenkisten-Europameisterschaft in Wittinsburg an den Start gehen werden.

Zumbrunn ist der OK-Präsident des Rennens und wehrt sich gegen die gängige Vorstellung, dass Seifenkisten nichts weiter als klapprige Holzkisten auf Rädern seien. «An diesem Rennen werden Hightech-Fahrzeuge auffahren, ausgestattet mit allerlei technischen Raffinessen», erklärt er. Nur motorisiert seien sie eben nicht.

Während dreier Tage werden über 270 Piloten um den Titel des Europa-Champions fahren. Sie stammen aus allen Ecken des Kontinents. Sogar aus Lettland ist eine Delegation angereist. Der Grossteil komme jedoch aus der Schweiz, Deutschland und Frankreich, sagt Zumbrunn.

Dass die Seifenkisten-EM gerade im 400-Seelen-Kaff Wittinsburg stattfindet, ist laut dem OK-Präsidenten kein Zufall: «Seit Jahren schon führen wir in Wittinsburg die Schweizer Meisterschaften durch. Die Strecke hat sich bewährt.» Da sei es naheliegend gewesen, auch die Europameisterschaft hier durchzuführen. Die Rennstrecke verläuft mitten durch die Ortschaft, deren Hauptstrasse eigens für den Anlass gesperrt wird.

Bis zu 2000 Zuschauer erwartet

Damit die Veranstaltung ihrem Namen auch gerecht wird, haben sich Zumbrunn und seine Mitstreiter ziemlich ins Zeug gelegt: Neben dem eigentlichen Rennen gibt es noch eine Open-Air-Bühne, wo jeden Abend Bands aus der Region auftreten werden. Auch ein Festwirtschaftsbetrieb wird nicht fehlen. Über 140 freiwillige Helfer stehen im Einsatz.

Kurzum: Der Event bietet einiges mehr als nur den eigentlichen Seifenkisten-Wettkampf. Zumbrunn rechnet denn auch mit reichlich Publikum: «Wir erwarten bis zu 2000 Zuschauer.» Für eine Randsportart wie Seifenkisten sei das ziemlich viel, verrät der OK-Präsident.

Auch die höchste Schweizerin, Nationalratspräsidentin Maya Graf, wird dem Rennen beiwohnen. Und nicht nur das: Sie wird sogar selber in einen Boliden steigen und den Hang runter rasen – als Beifahrerin jedenfalls. «Ich wurde angefragt, ob ich nicht eine kleine Eröffnungsrede halten wolle», erzählt Graf. Und da es sich um eine originelle Veranstaltung im Baselbiet handle, habe sie kurzerhand zugesagt, so die Sissacherin weiter.

Schwerer Unfall im letzten Jahr

Ganz ungefährlich sind Seifenkistenrennen nicht. Die Gefährte erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 100 Stundenkilometern – und geraten leicht ausser Kontrolle. So geschehen in Wittinsburg vor einem Jahr: Damals verlor ein 16-jähriger Pilot aus Deutschland die Herrschaft über seinen Wagen und donnerte frontal in eine Mauer.

Er und sein Mitfahrer wurden aus dem Gefährt geschleudert und erlitten schwerste Verletzungen. Zumbrunn betont zwar, dass dieser tragische Unfall das Verschulden des Fahrers gewesen sei. Trotzdem habe man die Sicherheitsvorkehrungen in diesem Jahr massiv erhöht.

Graf jedenfalls hat keine Angst vor der rasanten Fahrt, wie sie beschwichtigt: Sie würde ihrem Piloten «voll und ganz vertrauen».

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