Autobahn A2
Rheintunnel: Die Vorzeichen stehen gut - aber bereits gibt es auch viel Kritik

Das Bundesamt für Strassen verrät Details zum geplanten Bau des Autobahn-Rheintunnels. Der Tunnelkomplex wird, mal abgesehen vom noch vagen Bahn-Herzstück, das teuerste Bauprojekt der Region Basel aller Zeiten.

Bojan Stula
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Vielleicht werden solche Staubilder auf der A2 dank des Rheintunnels irgendwann der Vergangenheit angehören. Doch bis dahin fliesst noch viel Wasser den Rhein hinab.

Vielleicht werden solche Staubilder auf der A2 dank des Rheintunnels irgendwann der Vergangenheit angehören. Doch bis dahin fliesst noch viel Wasser den Rhein hinab.

Nicole Nars-Zimmer

Grossaufmarsch von Politik und Behörden im Basler Kongresszentrum am Donnerstagabend: Nicht nur die beiden Basler Verkehrsverantwortlichen Esther Keller und Isaac Reber sind da, sondern auch die gesamte Führungsriege des Bundesamts für Strassen Astra, mit Direktor Jürg Röthlisberger an der Spitze. Ziel des sorgfältig geplanten und getimten Anlasses: Gute Stimmung und Zuversicht im Hinblick auf den geplanten A2-Rheintunnel zu verbreiten.

Im November 2020 hat der Bundesrat dem generellen Ausbauprojekt grünes Licht erteilt. Gemäss Bundesbotschaft soll der Rheintunnel mit dem Ausbauschritt 2023 finanziert werden. Achtzehn Monate später kann das Astra erste Ergebnisse zum konkreten Ausführungsprojekt vorlegen. Die Vorzeichen für die Realisierung stünden gut, heisst es in einem diese Woche erschienenen Bericht der Baselbieter Regierung.

Allerdings, das wird an diesem Abend schnell klar, ist man von einem verlässlichen Zeitplan für die Bauarbeiten noch weit entfernt. Erst «per ca. 2040» sei mit der Inbetriebnahme des Rheintunnels sowie des vorgelagerten Acht-Spur-Ausbaus zwischen Hagnau und Augst zu rechnen, heisst es. Im kommenden Frühjahr soll die öffentliche Planauflage erfolgen, die Baubewilligung 2025. Derzeit läuft die Umweltverträglichkeitsprüfung.

Der Baubeginn folgt «frühestens» 2029. Mit geschätzten Kosten von 2,36 Milliarden Franken ist es das teuerste Bauprojekt der Region aller Zeiten. All dies unter der Voraussetzung, dass die eidgenössischen Räte die Finanzierung überhaupt beschliessen.

Ein eigentlicher Tunnelkomplex

Präsentation im Basler Kongresszentrum: Laut Astra ist der Rheintunnel die «Bestvariante» zur Behebung des Basler Autobahn-Engpasses.

Präsentation im Basler Kongresszentrum: Laut Astra ist der Rheintunnel die «Bestvariante» zur Behebung des Basler Autobahn-Engpasses.

Bojan Stula

Wesentlich konkreter als mit der zeitlichen Planung sieht es mit dem Projekt selbst aus. Entgegen bisher landläufiger Vorstellung wird die Umfahrung der Osttangente nicht einfach nur aus zwei unterirdischen Röhren bestehen, sondern aus einem veritablen Tunnelkomplex.

Neben den beiden zweispurigen Hauptröhren zwischen dem Birsfelder Hafenkreisel und dem Badischen Bahnhof werden jeweils eine weitere einspurige Röhre im Bereich Wiese und Klybeck die Anbindungen an Deutschland und Frankreich sicher stellen (siehe Karte).

Ergänzend hinzu kommen zwei neue Brücken bei der Verzweigung Wiese. Anderseits wird die «Bananenbrücke» bei der Hagnau abgebrochen. Die beiden Haupttunnelröhren sind 3,6 und 3,8 Kilometer lang und verlaufen mindestens 18 Meter unterhalb des Rheingrunds hindurch. Angedacht ist, dass der Rheintunnel primär vom Transitverkehr benutzt wird und die bestehende Osttangente von den regionalen Pendlerströmen.

An der Präsentation im Kongresszentrum betonen alle Parteien die enge Zusammenarbeit zwischen dem Bundesamt für Strassen und den beiden Basel. So werden auf Wunsch des Landkantons die insgesamt sechs Fahrstreifen zwischen Hagnau und Birsfelder Tunnelportal auf einer Länge von 340 Metern eingehaust, um die Auswirkungen auf den angrenzenden Hardwald und die Wohngebiete zu minimieren.

Ebenso wird die Einfahrt bei der Dreirosenanlage vollständig eingehaust. Die Basler Behörden wollen die Gelegenheit nutzen, um das Dreirosen-Gebiet städtebaulich zu entwickeln, wie Baudirektorin Esther Keller ausführt.

Gruppierung Umverkehr demonstriert am Eingang

Der Baselbieter Baudirektor Isaac Reber betont die Bedeutung des Rheintunnels als unverzichtbaren Teil der «regionalen Gesamtmobilitätslösung».

Der Baselbieter Baudirektor Isaac Reber betont die Bedeutung des Rheintunnels als unverzichtbaren Teil der «regionalen Gesamtmobilitätslösung».

Bojan Stula

Mit politischem Widerstand und Einsprachen aus der Bevölkerung ist zweifellos zu rechnen. «Das muss man sich keine Illusionen machen», sagt Keller. Ein erstes Zeichen setzen am Donnerstagabend mehrere Demonstrantinnen und Demonstranten der Gruppierung Umverkehr, die am Eingang Unterschriften für ihre Petition «Milliarden für Klimaschutz statt für Autobahnen» sammeln.

In der Fragerunde stossen die Verantwortlichen von Astra und Kantone auf genauso viel Skepsis. Einerseits dreht sich vieles um den Bereich an der Dreirosenanlage, der während der zehnjährigen Bauzeit durch wesentliche Einschränkungen beeinträchtigt sein wird - sehr zum Missfallen des Quartiervereins Unteres Kleinbasel.

Weitere kritische Voten betreffen anderseits die Unvereinbarkeit einer solchen Planung mit dem in Basel-Stadt ausgerufenen Klimanotstand, der Lärmbelastung durch die Bauarbeiten oder dem generellen Misstrauen gegenüber den als Grundlage dienenden Verkehrsprognosen.

Verkehrsplanungen über den Rheintunnel hinaus

Auf der anderen Seite gehen die regionalen Verkehrsplanungen über das Rheintunnelprojekt hinaus. Nach 2030 soll «eine partielle Engpassbeseitigung im Raum Angenstein möglich sein», wie die Baselbieter Regierung aktuell in der Beantwortung einer Interpellation von FDP-Landrätin Christine Frey schreibt.

Zudem seien beim Astra zwei weitere Planungen in Arbeit beziehungsweise pendent: einerseits eine Korridorstudie zur Verkehrsentlastung im Laufental, andererseits die Planung des Westrings in Basel.

Kennzahlen des Rheintunnels: Rheintunnel Ost: Länge 3825 m, zweispurig – Rheintunnel West: Länge 3590 m, zweispurig − Tunnel Wiese (Anschluss von Deutschland): Länge 1070 m, einspurig – Tunnel Klybeck (Anschluss von Frankreich): Länge 1075 m, einspurig – Länge Einhausung Freuler: 340 m – Rheinunterquerung: mindestens 18 m unter Flussgrund.