Harmos
Baselbieter Lehrer sind für Frühfranzösisch gerüstet

Die anfängliche Skepsis ist gewichen - mehr als genug Lehrer haben sich ausbilden lassen. Die Umsetzung des Frühsprachenunterrichts ist somit zwar aufgegleist - und trotzdem stellen sich weitere Hürden in den Weg.

Leif Simonsen
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Frühfranzösisch

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Es ist ein Auftakt nach Mass für Stephan Zürcher. Der kantonale Leiter des Mandats Fremdsprachen hat die Skepsis vorerst zerstreut, die ihn und seine Arbeit bis in diesen Sommer hinein begleitet haben. Seine Aufgabe war es unter anderen, die Primarschulen für die nächste Herausforderung fit zu machen, die im Zuge der schweizerischen Bildungsharmonisierung (Harmos) für das nächste Schuljahr anstehen.

Ab August werden die Baselbieter Primarschüler schon in der 3. Klasse mit der ersten Fremdsprache konfrontiert: Französisch. Zürcher will nicht vom Frühfranzösisch sprechen, wie es in aller Munde ist. Schon jetzt, in der 4. Klasse, würden die Kinder früh mit der ersten Fremdsprache beginnen.

Skepsis begleitete Zürcher, weil viele dachten, die Lehrer würden von den geforderten zusätzlichen Ausbildungen abgeschreckt. Das Gegenteil ist nun der Fall. «Wir stehen da mit dem Privileg, dass mehr Lehrer für den Französischunterricht ab der 3. Klasse ausgebildet wurden, als wir im kommenden Jahr brauchen», sagt Zürcher.

Insgesamt haben rund 190 Personen den Kurs besucht. Zürcher kann damit versichern, dass «eine Mehrheit» der Primarschulklassenlehrer ihre 3. Klassen in Französisch unterrichten kann und somit mindestens im Besitz eines sogenannten B2-Diploms ist, das anfänglich für den Fremdsprachenunterricht gefordert wird.

Weitere Hürden

Ganz problemlos verlief die erste Weiterbildungsphase indes nicht, wie Christoph Straumann, Präsident des Baselbieter Lehrervereins, weiss. «Es mussten einige Kurskorrekturen vorgenommen werden.» Zürcher gibt zu, dass für die Didaktik-Ausbildung nach den anfänglichen Rückmeldungen der Lehrer tatsächlich Anpassungen vorgenommen werden mussten. «Die Teilnehmer wollten früher mit dem Lehrmittel arbeiten - sie vermissten die Praxisnähe», sagt er. Die Ausbildung sei dann laufend «nachjustiert» worden.

Neben der interkantonal abgestimmten Didaktik-Ausbildung mussten die Lehrer auch die eigene Fremdsprachenkompetenz auf das erforderte Level bringen. «Hier konnten wir den Lehrern gute Bedingungen ermöglichen», sagt Zürcher. Das bedeutete unter anderem, dass der Kanton die Rechnungen für die Sprachkurse in der Volkshochschule, der KV und in anderen Institutionen übernahm.

Die Umsetzung des Frühsprachenunterrichts ist somit zwar aufgegleist - und trotzdem stellen sich weitere Hürden in den Weg. Ab 2018 wird B2, das dem Maturniveau entspricht, nicht mehr reichen: Dann müssen die Lehrer mindestens ein C1 oder ein C1* vorweisen.

«Ob es dieses Niveau braucht, ist nicht unbestritten», sagt auch der Mandatsleiter Fremdsprachen. Zweifel bleiben darüber hinaus beim Lehrerverband, ob der Französischunterricht ab der 3. Klasse tatsächlich einen Mehrwert mit sich bringt. «Wir haben uns bei der Planung eher skeptisch geäussert, was den Erfolg der Mehrsprachendidaktik angeht», betont Straumann. «Nun sind wir gespannt, ob die Kinder die Fremdsprachen am Ende der Volksschule tatsächlich besser beherrschen werden.»

Auch Zürcher hat nächste Herausforderungen geortet, zumal die Schüler im neuen System in den ersten beiden Jahren drei Stunden Französisch haben; im alten sind es eineinhalb. Anzunehmen ist, dass die Jüngeren die Älteren überholen - der Streit zwischen dem grossen und kleinen Bruder ist in einigen Familien programmiert. «Wir werden nach den Sommerferien einen Elternbrief verschicken, wo dies unter anderem angesprochen werden soll.»

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