Briefkästen im Baselbiet
Aus 44 mach 4: Der Abbau bei den Sonntagsleerungen ist noch dramatischer als gedacht

Auf Nachfrage der Baselbieter Regierung publiziert die Post die genauen Zahlen zu den Briefkastenleerungen seit der Umstellung Ende Mai.

Bojan Stula
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Die beiden Briefkästen am Muttenzer Bahnhof gehören zu jenen, die sonntags nicht mehr geleert werden.

Die beiden Briefkästen am Muttenzer Bahnhof gehören zu jenen, die sonntags nicht mehr geleert werden.

Nicole Nars-Zimmer

Dass die Post seit Ende Mai in Muttenz keinen einzigen Briefkasten mehr am Sonntag leert, hat die Politik auf den Plan gerufen. Der Muttenzer Grünen-Landrat Peter Hartmann griff das Thema in der vergangenen Landratssitzung in der Fragestunde an die Regierung auf.

Bereits zuvor hatte die Muttenzer Gemeindepräsidentin Franziska Stadelmann (CVP) in dieser Zeitung angekündigt, bei der Post wegen der Streichung intervenieren zu wollen und sich wenigstens noch für einen Briefkasten einzusetzen, der weiterhin am Sonntag geleert werden soll.

Inzwischen hat die Post auf Nachfrage der Baselbieter Volkswirtschaftsdirektion konkrete Zahlen geliefert, wie umfassend die Anzahl Leerungen am Wochenende im gesamten Kanton zurückgegangen ist. Die bisher unveröffentlichte E-Mail liegt der Redaktion vor.

Wochenenden besonders stark betroffen

Besonders frappant ist der Abbau an Sonntagen. Statt 44 Briefkästen, die bis Ende Mai 2021 jeden Sonntag geleert wurden, sind es nur noch 4. An Samstagen wurden vorher 334 Briefkästen geleert, jetzt sind bloss 124 übrig. Wer an Sonntagen nach 16 Uhr die Briefpost einwerfen will, findet anstelle von 32 Orten gerade noch 2.

An Samstagen wurden schon vor dem Stichdatum am 29. Mai keine Briefkästen nach 16 Uhr geleert. Gemäss Angabe von Post-Sprecher Erich Goetschi stehen in Liestal und Pratteln Briefkästen, die weiterhin sonntags geleert werden. Der landesweite Abbau, den die Post mit den immer tieferen Frequenzen bei der aufgegebenen Briefpost rechtfertigt, ist in Baselland unter der Woche weniger dramatisch, aber gleichwohl spürbar.

Zwar hat die Anzahl Gesamtleerungen von 352 auf 354 sogar leicht zugenommen; dies aber vor allem deshalb, weil jetzt die Pöstlerinnen und Pöstler bei ihren regulären Verteiltouren in der ersten Tageshälfte auch den Grossteil der Briefkästen leeren. Nach 16 Uhr werden von Montag bis Freitag kantonsweit dagegen nur noch 107 statt 160 Briefkästen geleert. Die Post sieht darin sogar einen Vorteil, wie sie der Baselbieter Volkswirtschaftsdirektion schreibt: Denn dadurch würden «weniger zusätzliche Touren oder Fahrten notwendig – was effizienter, günstiger und letztlich auch ökologischer ist».

Achselzucken bei der Regierung

Obschon die Baselbieter Regierung erst auf Umwegen von diesem Abbau erfahren hat – die Post informierte bloss betroffene Gemeinden und KMU –, reagierte sie in der Fragestunde ziemlich gelassen. «Die Zahlen der letzten Jahre zeigen eine abnehmende Bedeutung des Briefverkehrs. Der technologische Wandel hat dazu geführt, dass der Austausch zwischen Personen, Unternehmen und Institutionen/Behörden vermehrt auf elektronischem Weg erfolgt», heisst es in der Antwort auf Hartmanns Anfrage lapidar. Wie ein einzuhaltender Mindeststandard bei den Postleerungen zu definieren sei, könne die Regierung anhand des individuellen Nutzungsverhaltens nicht sagen.

«Wichtig ist, dass der Zugang zu öffentlichen Briefkästen bzw. Postannahmestellen vorhanden ist und eine werktägliche Leerung erfolgt. Für Unternehmenskunden sind zudem möglichst flexible Abgabe- und Zustellmöglichkeiten entscheidend.»

Immerhin kündigt der Regierungsrat an, bei seinem regelmässigen Austausch mit den nationalen Parlamentsmitgliedern aus dem Baselbiet das Thema auf die Traktandenliste zu bringen.

Kaum zufrieden mit dieser Haltung zeigt sich Landrat Hartmann: Aufgrund des ersten bz-Artikels zum Thema habe er «zahlreiche Rückmeldungen erhalten von Leuten, welche die geänderten Zeiten ebenfalls eine Zumutung finden».

Allerdings gibt es auch, gibt Hartmann zu, viele achselzuckende Stimmen nach dem Motto, da liesse sich eh nichts mehr machen. Trotzdem hat er seine parteiinternen Verbindungen aktiviert. Grünen-Nationalrätin Florence Brenzikofer bestätigt auf Anfrage der bz, dass sie in der Fragestunde der kommenden ersten Sessionswoche dem Bundesrat entsprechende Fragen zum Thema stellen wird. «Ob die Proteste dann etwas bewirken werden, ist eine andere Frage», fügt Hartmann an.

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