Nationalrat
Christian Miesch machts – seiner Partei zuliebe

Der überraschende Rücktritt von SVP-Nationalrat Caspar Baader aus der grossen Kammer setzte die Baselbieter SVP unter Druck. Als Nachfolger wurde nun Christian Miesch ernannt, dieser tritt das Amt nun nochmals an, der SVP zuliebe.

Michael Nittnaus
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Christian Miesch ist der Weg ins Bundeshaus bestens bekannt. Hier passiert er 2007 auf dem Bundesplatz einen Demonstrationszug für die Rechte der Frau.

Christian Miesch ist der Weg ins Bundeshaus bestens bekannt. Hier passiert er 2007 auf dem Bundesplatz einen Demonstrationszug für die Rechte der Frau.

Keystone

Bei Nacht und Nebel fand die Suche nach dem Nachfolger von Caspar Baader wohl nicht statt. Doch die Baselbieter SVP musste sehr schnell reagieren, da Baader bereits per Ende Juli sein Amt als Nationalrat niederlegt. «Alltäglich war es sicher nicht. Wir mussten alles in rund drei Stunden organisieren», sagt Parteipräsident Oskar Kämpfer.

So kam es, dass der Erstnachrückende Christian Miesch per Pressemitteilung bereits als Nachfolger ausgerufen wurde, obwohl er darauf zu Protokoll gab, «erst in guter Baselbieter Manier darüber schlafen zu wollen».

Spiess und Kämpfer sind Gegner

Der Eklat blieb gestern aus: «Ich steige wieder ein», sagt Miesch. Gegenüber der bz schiebt er allerdings nach: «Eigentlich hatte ich nicht vor, nochmals in den Nationalrat zurückzukehren. Doch es war der Wunsch der Parteileitung.» Tatsächlich muss man nüchtern feststellen: Mit 66 Jahren gehört Miesch nicht mehr zu den Jüngsten.

Zudem musste er sich 1995 – damals noch bei der FDP – und 2011 schon zwei Mal unfreiwillig aus Bundesbern verabschieden. Warum also war es der ausdrückliche «Wunsch der Parteileitung»? Dafür gibt es zwei Erklärungen: «Es musste jemand sein, der viel Erfahrung mitbringt, damit er zur Herbstsession ohne viel Vorbereitung loslegen kann», sagt Kämpfer. Das leuchtet ein, zumal Miesch betont, immer politisch interessiert geblieben zu sein – kantonal wie national.

Der Blick auf die Liste der Nachrückenden eröffnet aber noch eine andere Erklärung: Hätte Miesch abgesagt, dann wäre Dieter Spiess Nächstnachrückender gewesen. Der Gelterkinder war Baselbieter Parteipräsident, ehe er 2012 von Kämpfer abgelöst wurde. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die zwei Politschwergewichte das Heu nicht auf derselben Bühne haben. Im Nachgang von Kämpfers Wahl zog Spiess gar öffentlich über den neuen Präsidenten her – und entging nur knapp dem Parteiausschluss.

Zuletzt hatte der hemdsärmelige Schuhverkäufer zwar betont, mit der aktiven Politik abgeschlossen zu haben. Darauf angesprochen, sagt Kämpfer jedoch: «Das glauben Sie doch nicht wirklich, oder? Dieter Spiess wäre bereitgestanden.» Spiess selbst war gestern nicht erreichbar.

Mit Mieschs Zusage konnte die aktuelle Parteispitze dieses Riff umschiffen. Kämpfer gibt sich selbstbewusst: «Für mich war klar, dass Christian Miesch es macht.» Zudem seien die Proporzwahllisten gesetzt und kein Wunschkonzert. Dennoch herrscht innerhalb der Parteileitung nicht eitel Sonnenschein. Vizepräsidentin Jacqueline Wunderer sagt: «Ich hätte es geschätzt, wenn man mich über diesen Entscheid informiert hätte.» Die 50-Jährige ist die Nummer drei auf der Liste und macht keinen Hehl aus ihren Ambitionen: «Als ich von Caspar Baaders Rücktritt erfuhr, schoss mir sofort durch den Kopf, dass ich jetzt vielleicht in den Nationalrat kann.»

Wunderer sitzt zwar erst rund vier Monate im Landrat, hätte die Herausforderung aber «sehr gerne» angenommen. Kämpfer sagt dazu trocken: «Ich erinnere Jacqueline Wunderer gerne daran, dass sie auf der Liste erst an dritter Stelle steht.» Zudem hätte er vergeblich versucht, sie vorab zu erreichen.

Ob Wunderer für die Nationalratswahlen im Oktober 2015 wieder einen Listenplatz bekommt, ist offen. «Das liegt nicht in meinen Händen», sagt sie. Möglich ist zudem, dass Miesch nur ein kurzes Intermezzo gibt. Die Liste wird erst im Frühling zusammengestellt und er selbst möchte sich noch nicht festlegen. Und Kämpfer sagt: «2015 kann sich die Situation wieder ändern.»

Ausgelöst wurde die Unruhe letztlich von Caspar Baader. Er gibt sogar zu: «Es war mein Ziel, zu überraschen.» Wobei: Kämpfer habe er vor zwei Monaten angedeutet, dass dieser Schritt kommen könnte. Baader relativiert zudem den Zeitdruck, denn noch blieben schliesslich eineinhalb Monate bis zum Sessionsbeginn. Er selbst möchte sich nun auf seine Anwaltskanzlei konzentrieren – und: «Ich bin bereit, neue Aufgaben anzunehmen.» Fest steht, dass sich Baader gegen die Kantonsfusion einsetzen möchte. Seine politischen Gegner kann er denn auch nicht beruhigen: «Ich gehe jetzt sicher nicht in den Ruhestand.»

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