Coronafasnacht
Wie und wo die närrische Zeit bei uns trotzdem ein wenig stattfindet

Nicht alle Fasnächtler beugen sich der Pandemie. In ein paar Gemeinden der Region werden kreative Ideen umgesetzt – streng nach Coronaschutzmassnahmen.

Eva Oberli und Simon Tschopp
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Dieser übergrosse Frosch hinter Gittern ziert den Kreisel beim Coop in Reinach.

Dieser übergrosse Frosch hinter Gittern ziert den Kreisel beim Coop in Reinach.

Nicole Nars-Zimmer

Im Kantonshauptort sind momentan die sogenannten Fasnachtsfenster zu besichtigen. Rund 40 Liestaler Geschäfte haben ihre Schaufenster fasnächtlich geschmückt oder regionalen Guggen zur Verfügung gestellt. Im zugehörigen Wettbewerb um das schönste Fasnachtsfenster kann noch bis 27. Februar auf der Website www.fasnachtsfenster.ch abgestimmt werden.

Im ähnlichen Stil, aber ohne Wettbewerb wird auch in Muttenz eine Schaufensterfasnacht organisiert. Die Lausner Fasnächtler dagegen setzen auf soziale Medien, selbst gemachte Videoclips sollen online ein wenig Fasnachtsambiente verbreiten.

Dekorationen im grossen Stil

Die meisten Gemeinden und Comités sorgen für stimmungsvolle Dekorationen: In Reinach wurde der Kreisel beim Coop aufwendig geschmückt, Pratteln ermunterte Anwohnende und Geschäfte, entlang der Umzugsroute ihre Schaufenster, Vorgärten und Balkone fasnächtlich zu gestalten.

In Pratteln wird ausserdem das traditionelle Fasnachtsfeuer am Mayenfels auch dieses Jahr entzündet, allerdings ohne anschliessenden Fackelzug und Schneemaaverbrenne.

Trotz abgesagter Fasnacht soll das Jahr 2021 in der Blaggedde-Sammlung nicht fehlen. In Liesberg passt die Blaggedde mit dem Sujet «Verschobe» sowohl zur Fasnacht als auch zum abgesagten Dorffest. In Aesch musste die Vernissage für die diesjährige Blaggedde zum Sujet «Weisch wenn» abgesagt werden, derweil wird die Vernissage der Prattler Blaggedde Thema in einem Beitrag von RegioTVplus in der kommenden Woche sein.

Im Unterbaselbiet werden Fasnachtszeitungen wie die Aescher «Aetsch Baetsch» oder die Oberwiler «Schnägge-Poscht» wie üblich herausgegeben. Weiter finden sich in den Lokalzeitungen wie dem Birsigtal-Boten laufend Bängg aus verschiedenen Ortschaften.

In Allschwil kann noch bis zum Aschermittwoch die Ausstellung FasnachtART besucht werden.

20 Cliquen sind daran beteiligt und gestalten zu einem selbstgewählten Dorfsujet Installationen entlang der Tramlinie 6. Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli sagte dazu am vergangenen Mittwoch vor dem Einwohnerrat: «Wir werden fast ein Feeling haben, wie wenn wirklich Fasnacht wäre.»

«Aerdwybli» gehen in Kleingruppen auf die Strasse

Die Thürner Fasnachtsgesellschaft Aerdwybli lässt sich durch die herrschende Krise ebenfalls nicht kleinkriegen. Sie hat eine «Pandemie-konforme» Fasnachtsversion fürs 1'400-Seelen-Dorf ausgearbeitet. Der Gemeinderat unterstütze ihr Vorhaben, sofern es die Situation Ende Februar zulasse, schreiben die «Aerdwybli» im Gemeindeanzeiger von Thürnen.

Am Fasnachtssonntag, 21. Februar, sowie am darauffolgenden Cherussamstag streifen ab 14 Uhr Gruppen von maximal fünf Personen durch Wohnquartiere und werden mit Rhythmen und schiefen Tönen den Winter vertreiben.

«Wir freuen uns über grosse und kleine Zuhörer, welche aus ihren Fenstern schauen oder im Garten mitklatschen.»

Für Kinder hätten sie eine kleine Überraschung im Gepäck, die sie gerne im Briefkasten deponierten oder zuwärfen, so die Fasnachtsgesellschaft.

Die «Aerdwybli» appellieren an die Dorfbevölkerung, ihnen nicht auf den Strassen zu folgen, sondern das Geschehen aus sicherer Distanz zu beobachten. Am Abend des Fasnachtssonntags wird ein Feuer entzündet, jedoch ohne Zuschauer.

Gelterkinder Fasnacht: «tieftraurig»

Im Hauptort des Bezirks Sissach ist der Dorfkern wie gewohnt fasnächtlich dekoriert, weil laut Fasnachtsgesellschaft (FG) «die 5. Jahreszeit trotzdem ist». Die FG ruft die Einwohnerinnen und Einwohner dazu auf, ihre Deko aus dem Keller zu holen und Haus, Garten und Wohnung zu schmücken. «Damit Sissach richtig bunt und fasnächtlich wird.» Man dürfe auch auf diverse Überraschungen gespannt sein.

Fasnachtspuppen bereichern den «Strichcode», die Begegnungszone in Sissach.

Fasnachtspuppen bereichern den «Strichcode», die Begegnungszone in Sissach.

Nicole Nars-Zimmer

Der Vorstand der Gelterkinder Fasnacht (Gefa) hat bereits im vergangenen November «tieftraurig» entschieden, dass die Fasnacht nicht stattfinden wird, auch nicht mit einem abgespeckten Programm. Mit «tieftraurig» dürfte die Gefa den zahlreichen Fasnächtlern in der Region aus der Seele sprechen. Gelterkindens Dorf präsentiert sich jedoch seit Ende Januar in fasnächtlichem Look.

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