Münchenstein
Das Walzwerk setzt auf langsame Mühlen

Der Verkauf des Industrieareals Walzwerk bedroht Kleingewerbe und Kulturgastronomie. Noch kann die Gemeinde einschreiten.

Yannette Meshesha
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niz Nicole Nars-Zimmer

«Uns war immer klar, dass nur einer viel Geld bieten muss und dann ist es vorbei», sagt Joel Schneebeli, Betreiber der Fahrbar auf dem Walzwerk-Areal in Münchenstein. Ganze 54 Millionen Franken hat kürzlich die Immobiliengesellschaft Swiss Finance & Property Investment AG (SFPI) geboten, mit der Absicht, das Gewerbeareal umzonen zu lassen und dort Wohnungen zu bauen – eine Bedrohung für das dortige Kleingewerbe und die alternative Kulturgastronomie.

Mieter spielen auf Zeit...

«Der jetzige Besitzer hat immer klar kommuniziert, dass er mit dem Areal Geld verdienen will», hält Joel Schneebeli fest. Gute Rendite sei da wichtiger als Herzblut. «Trotzdem ist noch nichts in Stein gemeisselt. Es kann gut sein, dass es zehn bis zwanzig Jahre dauert, bis wirklich etwas passiert.» Die Fahrbar gehört zu denjenigen Mietern des Areals, die erst kürzlich neue Verträge über zehn Jahre abgeschlossen haben und so auf der sicheren Seite sind. «Es wird auch sonst sicher nicht so einfach, das Gewerbe rauszuschmeissen. Denn bei der Umzonung hat die Gemeinde dann noch mitzureden», bleibt Schneebeli zuversichtlich. Allerdings sei die jetzige Verwaltung, die Wohnplus AG, bei einigen Mietern angeeckt, weil sie den Besitzerwechsel erst nach abgewickeltem Verkauf kommunizieren wollte.

«Das Ganze ist erstaunlich schnell über die Bühne gegangen, sodass wir gar keine Zeit hatten, uns zu organisieren oder irgendetwas zu unternehmen», sagt auch Jan Pistorius von der Handwerkergenossenschaft Schoolyard, die auf dem Walzwerk die Kulturbar 1. Stock betreibt. Er und seine Kollegen sind wenig erfreut über die Neuigkeit, die kurz vor den Sommerferien gerüchteweise zu ihnen durchgesickert ist, insbesondere da der 1. Stock keinen Langzeitvertrag hat. «Bei der letzten Infoveranstaltung für die Mieter hat die Verwaltung angeblich noch nichts von dem Deal gewusst. Die wollen uns wohl für blöd verkaufen», sagt Pistorius. Der Verdacht, dass der Kommunikationszeitpunkt absichtlich kurz vor die Sommerferien gelegt wurde, wenn viele Mieter abwesend sind, sei nicht ganz von der Hand zu weisen.

... und hoffen auf die Gemeinde

Schneebeli erzählt: «Es war eigentlich der Traum einiger Mieter, sich zu einer Genossenschaft zusammenzuschliessen und das Areal irgendwann zu erwerben.» Das hätte die Betriebe langfristig gesichert. Pistorius wie auch Schneebeli bedauern, dass Geld bei dem Verkaufsdeal die Hauptrolle spiele. «Aber bei einem Gebot von über 50 Millionen Franken ist das ja klar», meint Pistorius. «Da kann niemand mithalten.» Dennoch bleiben die Gastrobetreiber optimistisch. «Ich verfalle jetzt noch nicht in Panik. Der Zeithorizont ist noch lang», sagt Schneebeli. «Für Münchenstein wäre das Walzwerk ein grosser Verlust, also hoffen wir auf Gemeinde und Stimmbürger, die Umzonung abzulehnen», sagt Pistorius.

Umzonung steht noch offen

Der Münchensteiner Gemeindepräsident Giorgio Lüthi sagt: «Die letzte Zonenplanrevision liegt momentan noch zur Genehmigung beim Regierungsrat. Da kann man nicht so schnell wieder Änderungen vornehmen.» Die Planbeständigkeit sei sehr wichtig. Zonenpläne würden grundsätzlich etwa alle 15 Jahre revidiert. «Nur wenn ein dringendes öffentliches Interesse besteht, sind kurzfristige Änderungen möglich», erklärt Lüthi. «Die SFPI hat auch noch keinen Antrag für die Umzonung zum Wohngebiet gestellt, also kann die Gemeinde noch nicht aktiv werden.» Ausserdem liege das Walzwerk-Areal auch teilweise auf Arlesheimer Boden, weshalb beide Gemeinden und auch die Region Birsstadt zustimmen müssten. «Es macht keinen Sinn, wenn jede Gemeinde allein für sich entscheidet. Mir liegt viel an überregionalen Lösungen», sagt Lüthi. Das Areal sei für das Kleingewerbe wichtig. «Meiner Meinung nach hat sich das Walzwerk gut entwickelt. Es bietet einen Kontrapunkt zum Dreispitzareal. Ich schätze das sehr.» Das Schicksal des Walzwerk-Areals scheint also noch nicht besiegelt.

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