Uni-Standortfrage
«Der Dreispitz ist nicht so weit ab vom Schuss wie Liestal»

Die Süd-Spitze des Dreispitz-Areals sei der bessere Standort für neue Ableger der Universität als der Liestaler Bahnhof, sagt Münchensteins Präsident Giorgio Lüthi: Ein Vorteil bestehe darin, dass bereits eine Hochschule vorhanden sei.

Benjamin Wieland
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Giorgio Lüthi auf dem Aussichtsturm bei der «Rakete Dreispitz». Im Hintergrund: «Sein» Teil des Areals.

Giorgio Lüthi auf dem Aussichtsturm bei der «Rakete Dreispitz». Im Hintergrund: «Sein» Teil des Areals.

Dominik Plüss

Giorgio Lüthi, wann wird Münchenstein Universitäts-Standort?

Giorgio Lüthi: Wenn es nach mir ginge, wäre das so schnell wie möglich der Fall. Aber selbst, wenn schon ein fixfertiger Quartierplan vorläge, müsste man mit sechs Jahren rechnen, bis die Gebäude bezogen werden könnten.

Wie weit sind denn die Planungen fortgeschritten?

Konkrete Pläne gibt es keine, aber ich habe bereits Gespräche geführt.

Laut «Schweiz am Sonntag» auch mit Vertretern der Universität ...

... dazu muss ich anmerken: Es fanden keine offiziellen Gespräche mit der Universität statt. Ich habe nicht mit dem Rektorat gesprochen – auch nicht mit Dekanen von möglichen Fakultäten, die nach Münchenstein ziehen könnten.

Mit wem haben Sie dann gesprochen?

Professoren der Universität sind auf mich zugekommen und haben mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, dass Teile der Uni auf dem südlichen Teil des Dreispitz zu stehen kommen, das wäre doch ein guter Standort. Im Gemeinderat war das aber noch nicht Thema, ebenso wenig habe ich bisher mit der Grundeigentümerin, der Christoph-Merian-Stiftung, konkret über diese möglichen neuen Nutzungen gesprochen.

Dreispitz-Südspitze: Grösser als das Gartenbad Eglisee

Der südlichste Zipfel des Dreispitz-Areals, auf dem Münchenstein unter anderem Universitäts-Standorte ansiedeln will, misst insgesamt fast 35 000 Quadratmeter – das Areal ist damit grösser als das Gartenbad Eglisee. Die beiden bedeutendsten dort ansässigen Betriebe, die Arfa Röhrenwerke AG und Debrunner Acifer, haben das Gelände verlassen. Damit ist auch das Kapitel der metallverarbeitenden Industrie auf dem Dreispitz zu Ende gegangen.

Eine Ansiedelung von Teilen der Universität auf dem Dreispitz-Südzipfel hält die Grundeigentümerin «durchaus für sinnvoll», sagt Toni Schürmann, Sprecher der Christoph Merian Stiftung (CMS) – entsprechende Anfragen würden «wohlwollend geprüft». Die CMS wolle aber den kursierenden Ideen nicht vorgreifen, sagt Schürmann, denn: «Entscheiden muss die Politik.»

Münchenstein steht in Konkurrenz zu Liestal: Der Kantonshauptort will im noch zu erstellenden Bahnhofsneubau die Juristische und die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät unterbringen.

Das ist uns bekannt. Dazu muss ich sagen, dass wir uns schon seit Jahren mit möglichen neuen Nutzungen für unseren Teil des Dreispitz beschäftigen. Wir wollen Industriebrachen wenn immer möglich vermeiden. So neu sind unsere Absichten also nicht. Und bei diesen Nutzungen hat, wie erwähnt, auch Bildung schon immer eine Rolle gespielt.

Welche Areale haben Sie im Sinne?

Es geht, wie das schon in der «Schweiz am Sonntag» geschrieben wurde, um die frühere Arfa Röhrenfabrik in der Nordhälfte des Südzipfels des Dreispitz-Areals. Die Fabrik steht leer. Dann ist auch Debrunner Acifer derzeit daran, seine Hallen in der Südhälfte zu räumen. Der ganze Perimeter böte sich als möglicher neuer Standort für die Universität an.

Was spricht für Münchenstein?

Liestal hat den Nachteil, dass es doch zwölf Kilometer Luftlinie entfernt liegt vom Kollegiengebäude. Eine Organisation kann jedoch effizienter arbeiten, wenn ihre Standorte möglichst nahe beieinander liegen. Der Dreispitz ist nicht so weit ab vom Schuss wie Liestal. Er ist mit dem öV gut erschlossen und liegt auf der Achse Bahnhof SBB mit Fachhochschule – Petersplatz. Und Münchenstein hätte auch einen weiteren Vorteil: Auf dem Dreispitz ist bereits die Hochschule für Gestaltung und Kunst ansässig. Die Pionierleistung ist also schon erbracht.

Sie würden die Fachhochschule einbeziehen in eine Art Campus?

Ja. Das würde sicher Sinn ergeben.

Es wäre ein zerschnittener Campus: Zwischen der Fachhochschule und dem Arfa-Röhrenwerk liegen noch
Eisenbahn-Geleise.

Die Bahnanlagen würden bei den Campusplanungen berücksichtigt. Eine attraktive Verbindung sollte also möglich sein.

Was sind die nächsten Schritte?

Ich möchte betonten, dass wir auch abseits des Gschtürms, das um die Fakultäten-Standorte entfacht worden ist, mit der Christoph-Merian-Stiftung über die Zukunft des Südteils gesprochen hätten. Wir haben mit dem neuen Quartier Freilager bewiesen, dass wir es ernst meinen mit der Entwicklung des Areals. Heute stehen dort unter anderem die Hochschule für Kunst und Gestaltung sowie das Haus der elektronischen Künste, bald ist das Transitlager-Gebäude fertig. Wenn es also vorwärtsgeht auf dem Dreispitz, dann auf den 49 Prozent, die auf Münchensteiner Territorium liegen. Das ist einfach so.

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