Bau-Boom
Die Allschwiler Herzog & de Meuron-Allee – Wirtschaftsoffensive mit eigenem Geld

Die Stararchitekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron bauen einen Life-Science- und Gewerbepark auf eigene und auf fremde Rechnung.

Christian Mensch
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Weites Feld an der französischen Grenze: zur Überbauung bereit
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Herzog & de Meuron bauen in Allschwil
Auf dieser Fläche soll gebaut werden, einst waren hier unter anderem Schrebergärten. Nun wollen Herzog & de Meuron hier bauen, direkt gegenüber des Bachgrabenareals.

Weites Feld an der französischen Grenze: zur Überbauung bereit

Kenneth Nars

Für das Pharmaunternehmen Actelion haben die Architekten Herzog & de Meuron vor sieben Jahren ein Wahrzeichen gebaut. Das markante Fingergebäude am Anfang des Allschwiler Hegenheimermattwegs steht aber auch als einsamer Leuchtturm in der Düsternis der Baselbieter Wirtschaftsoffensive.

Nun treten die Basler Architekten an, am anderen Ende der parallel zur französischen Grenze verlaufenden Strasse einen Life-Science- und Gewerbepark zu errichten. Damit kommt privatwirtschaftlich in Schwung, was unter staatlicher Anleitung lahmt. Und aus dem Hegenheimermattweg wird eine Herzog & de Meuron-Allee.

Ausgangspunkt sind die 16 Bauparzellen, die von der Bürgergemeinde Basel und dem Energieversorger EBM unter dem Label «BaseLink» zur gewerblichen Überbauung freigegeben worden sind. Vergangene Woche kommunizierte die Bürgergemeinde, dass sie ein Geviert von vier Parzellen in Baurecht dem St. Galler Generalunternehmer Senn Resources verkauft habe.

Dieser wiederum hat Herzog & de Meuron mit Entwicklung und Bau eines multifunktionalen Gewerbekomplexes beauftragt. Inhaber Johannes Senn, der für die Basler Architekten bereits deren Helsinki-Gebäude auf dem Dreispitz gebaut hat, erzählt, dass er unbedingt wieder mit Herzog & de Meuron zusammenarbeiten wollte. So sei man auf die Suche nach einem Projekt gegangen und in Allschwil fündig geworden.

Privates Engagement

Wie stark sich die Architekten für den Landstrich Bachgraben interessieren, zeigt sich an zwei «BaseLink»-Parzellen, die der EBM gehörten. Diese wurden jüngst an die JP Bachgraben AG verkauft, die privat von Jacques Herzog und Pierre de Meuron im März zu diesem Zweck gegründet wurde. Dies zeigen Recherchen der bz.

Konkrete Angaben, was die Architekten auf dem eigenen und auf dem Senn-Areal bauen wollen, sind noch nicht erhältlich. Die Planung stecke im Vorprojekt, sagt Johannes Senn. Im kommenden März soll das Baugesuch vorliegen, ab 2019 könnte gebaut werden, Eröffnung werde voraussichtlich 2021 sein. Senn verspricht ein «spannendes Nutzungskonzept» und will alleine auf den eigenen Baurechtsparzellen rund 120 Millionen Franken in den Rohbau investieren.

In unmittelbarer Nachbarschaft entsteht gleichzeitig für 90 Millionen Franken der Neubau des universitären Tropen- und Public-Health-Instituts, geplant von den Architekten Kunz und Mösch. Damit ist der Bedarf für ein Parksilo mit 600 Plätzen gegeben, das ebenfalls von Senn Resources gebaut wird. Den Zuschlag für ein zweites Parking in Baurecht hat die Bürgergemeinde dem Generalunternehmen Fortimo gegeben. Dieser Bau startet, sobald die entsprechende Nachfrage gesichert ist.

Die Erfolgsmeldungen von «BaseLink» bringen andere Akteure unter Druck. Beispielsweise den staatlichen «Swiss Innovation Park Basel Area» (SIP). Diese Wirtschaftsförderungsaktion von Basel-Stadt, Baselland und Jura stellt in zwei Bachgraben-Gebäuden Flächen für Start-ups zur Verfügung.

Obwohl diese gemäss Medienberichten nicht ausgelastet sind, will sich der jüngst zu einer AG formierte SIP auch auf zwei Parzellen von «BaseLink» engagieren. Vorausgesetzt, es finden sich entweder eigene Finanzen in den Staatskassen oder ein Finanzinvestor. Bis Ende Jahr soll dieser Entscheid getroffen sein, sagt der SIP-Geschäftsführer Jürgen Allwohn auf Anfrage.

Neue Ansprüche

Ebenfalls in Zugzwang gerät das «Projekt 47», der dritte Anbieter von Wirtschaftsflächen im Bachgraben-Parameter. Das Areal gehört der Einwohnergemeinde Basel-Stadt, den Vermarktungsauftrag hat Burckhardt & Partner. Drei lieblos hingestellte Geschäftshäuser haben die Pharmafirmen Abbott und Polyphor in Betrieb genommen. Über den Weiterausbau mit einem vierten Geschäftshaus soll noch in diesem Monat informiert werden, sagt Projektleiter Urs Lehmann.

Mit der neuen Architekturkonkurrenz wachsen aber nicht nur die konzeptionellen Ansprüche, wie ein zeitgemässer Life-Science-Campus auszusehen hat. Auch gestalterisch werden an der neuen Allee Massstäbe gesetzt. Das vierte Haus so lieblos zu gestalten wie die ersten drei, wird kaum mehr möglich sein.

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