Archäologie
Die Archäologie Baselland findet Allschwiler Zeugen aus der Bronzezeit

Die Archäologie Baselland gräbt aktuell auf über einem Dutzend Bauplätzen. Auf dem Allschwiler Baselink-Areal gabs interessante Funde, darunter Keramikscherben mit einer Datierung vor ungefähr 1000 vor Christus.

Martin Stohler
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Die Archäologie Baselland gräbt aktuell auf über einem Dutzend Bauplätzen.

Die Archäologie Baselland gräbt aktuell auf über einem Dutzend Bauplätzen.

Archäologie Baselland, Suzan Afflerbach

Was für Indiana Jones und seine Rivalen eine alte Schatzkarte ist, das ist für die Baselbieter Archäologin Simone Kiefer das kantonale «Amtsblatt». Darin findet die Mitarbeiterin von Archäologie Baselland die laufenden Baugesuche. Kiefer geht diese durch und prüft, ob die Bauvorhaben in einer archäologisch interessanten Zone oder gar einer archäologischen Schutzzone liegen. Letzteres sind Gebiete, in denen es bereits Bodenfunde gegeben hat.

Als archäologisch interessant gelten Gebiete, in denen man auf Grund von Erfahrungswerten mit Funden rechnen kann. Liegt ein Bauvorhaben in einer dieser Zonen, legt Kiefer beim Bauinspektorat Einspruch ein und nimmt mit dem Bauherrn Kontakt auf. Der Einspruch wird zurückgezogen, sobald der Bauherr über seine Pflichten informiert ist und dies mit seiner Unterschrift auf einem entsprechenden Formular bestätigt. Dies tönt zwar bürokratisch. Kiefer sagt, so erfahre der Bauherr frühzeitig und nicht erst mit der Baubewilligung, was von ihm verlangt werde. Das sei der guten Zusammenarbeit förderlich.

Zwei Wochen vor Baubeginn wird die Archäologin informiert. Wenn dann die Bagger auffahren und die oberste Humusschicht entfernt ist, ist Simone Kiefer auf dem Bauplatz und nimmt Proben vor. Das Coronavirus hat an ihrer Arbeit nicht viel geändert. Den Sicherheitsabstand auf Baustellen einzuhalten, sei für sie kein Problem. Und die Büroarbeiten erledigt sie wie viele andere in diesen Tagen im Homeoffice.

Neues Tropeninstitut entsteht auf dem Areal

In den letzten zwei, drei Monaten dürften es im ganzen Kanton gegen 15 Bauplätze gewesen sein, die Simon Kiefer wiederholt besucht hat. Der grösste ist die Baustelle Baselink in Allschwil zwischen Hegenheimermattweg und Kiesstrasse, wo auch der Neubau für das Schweizerische Tropeninstitut entsteht. Die Bauarbeiten auf dem Baselink-Areal begleitet Kiefer seit dem Baubeginn im Juni 2018. Dabei hat sie Keramikscherben, Holzkohle und gebrannten Lehm aus der späten Bronzezeit gefunden. Die Eigenheiten der Keramikscherben legen eine Datierung auf 1000 vor Christus nahe.

Die weiteren Ausgrabungen, die ihre Kollegen von Archäologie Baselland vornahmen, deuten darauf hin, dass der Fundort am Rand einer bronzezeitlichen Siedlung liegt, die grösstenteils wohl jenseits des heutigen Hegenheimermattwegs lag. Das passt gut ins Bild, denn wie andere Fundstellen zeigen, gab es in der Bronzezeit im Baselbiet zahlreiche Siedlungen. Nicht zum Vorschein kamen auf dem Baselink-Areal mittelalterliche Gräber. Mit solchen hatte Kiefer allenfalls gerechnet, da der Jahresbericht des Schweizerischen Landesmuseums für 1905 unter den Ankäufen auch «zwei alamanische Skramasaxen, gefunden in Neu-Allschwil, Kanton Baselland» nennt.

Anders als erhofft keine mittelalterlichen Gräber

Bei den beiden kostbaren Hiebschwertern muss es sich um Grabbeigaben gehandelt haben. Dass auf dem Baselink-Areal keine Gräber gefunden wurden, muss noch nicht viel besagen. Kiefer sagt dazu: «Neu-Allschwil ist ein grosses Gebiet und die Angabe nicht sehr genau.» Nachdem der Aushub Baselink-Areal so weit gediehen war, dass die Bagger auf eine Rheinkiesschicht gestossen sind, ging Kiefers Einsatz dort kürzlich zu Ende. Unterhalb dieser Kieselsteine, die in der letzten Eiszeit von Gletschern herumgeschoben worden sind, sind keine Funde zu erwarten.