Uni-Trägerschaft
Die Vision hinter dem Sparziel des Kantons Baselland

Im Falle des Trägerschaftsvertrags der Universität Basel verläuft das «partnerschaftliche» Geschäft zwischen Baselland und Basel-Stadt im Moment ziemlich destruktiv. Würden die richtigen Voraussetzungen geschaffen, könnte das auch anders aussehen.

Bojan Stula
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Alle Departemente unter einem Dach vereint: Die Hochschule für Gestaltung und Kunst macht es auf dem Dreispitz-Areal vor. (Archiv)

Alle Departemente unter einem Dach vereint: Die Hochschule für Gestaltung und Kunst macht es auf dem Dreispitz-Areal vor. (Archiv)

Kenneth Nars

Die Diskussion um die Kündigung des Trägerschaftsvertrags der Universität Basel droht nach dem gleichen destruktiven Muster abzulaufen wie andere Partnerschaftsgeschäfte zuvor. Baselland fühlt sich ungerecht behandelt und über den Tisch gezogen. Basel-Stadt reagiert gereizt und stellt die Partnerschaftsfähigkeit des Nachbarn infrage. In der Eskalation gegenseitiger Beschuldigungen und Polemiken wird der eigentliche Diskussionsgegenstand zur Nebensache. Vorerst punkten nur jene, die am lautesten anklagen. Irgendwann geht den Streithähnen die Puste aus, und dann liegt es an den Verhandlungsdelegationen, hinter den Kulissen die Scherben zu kitten – bis zum nächsten «partnerschaftlichen» Geschäft.

Dass dies kein Zustand auf Dauer sein kann, leuchtet ein. Es entspricht aber den derzeitigen Befindlichkeiten in den beiden Kantonen einerseits, dem gezielten politischen Kalkül anderseits. Ebenso bezeichnend ist die ungebrochene Tendenz, die Wechselbeziehungen zwischen Basel-Stadt und -Land bis auf die letzte Kommastelle hinter dem Franken gegenseitig aufzurechnen. Für irgendeine Form der Grosszügigkeit scheint es im institutionellen Zusammenleben momentan keinen Platz zu geben. Gerade darum wäre es falsch, die Frage der künftigen Universitäts-Standorte an die jetzige Stimmungslage zu koppeln. Der psychologische Effekt ist rasch verpufft, wenn in einer Alibiübung zur Ruhigstellung das erstbeste in der Stadt entbehrliche Institut auf die andere Seite der Kantonsgrenze verschoben wird. Die Umsiedlung von Departementen oder sogar ganzen Fakultäten soll einzig und alleine von der Frage geleitet sein, ob und wie Verbesserungen zum jetzigen Zustand erreicht werden können. Wird diese Voraussetzung erfüllt, kommt der Stimmungsumschwung von allein.

Vielversprechende Ansätze dafür gibt es mehr als genug: Die Juristische Fakultät, teuer eingemietet im ursprünglich als Bürokomplex erstellten Peter-Merian-Haus am Bahnhof SBB, fordert von den Studenten umständliches Hin- und Herpendeln zu den überfüllten Vorlesungssälen im Kollegiengebäude am Petersplatz oder den Hörsälen im Pharmazentrum und der Pathologie. Über die ganze Stadt verstreut, und oft in hochwertig renovierten Altbauten, befinden sich die einzelnen Departemente der Philosophisch-Historischen Fakultät. Gängige Fächerkombinationen wie Geschichte, Philologie und Kunstgeschichte setzen ausgedehnte Stadtwanderungen zwischen den Instituten voraus. Ein Zusammengehörigkeitsgefühl unter Phil.-I-Studentenschaft und -Lehrkörper wollte unter solchen Bedingungen noch nie aufkommen.

So umständlich und lange der Weg von der ersten Idee über Machbarkeitsstudien bis hin zur Planung und dem Neubau sein mag: Das Ziel eines zentralen Fakultäts-Campus auf Baselbieter Boden, das nach dem Vorbild des Muttenzer FHNW-Neubaus mehrere verstreute Departemente unter einem Dach vereint, wäre einen erneuten Anlauf wert. Eine Entlastung der überstrapazierten städtischen Uni-Infrastruktur, die Umnutzung hochwertiger städtischer Liegenschaften und beträchtliche Mietzinsreduktionen wären verlockende Nebeneffekte. Wie angenehm konstruktiv verliefe dieses Partnerschaftsgeschäft, wenn das vordergründige Ringen um das 25-Millionen-Sparziel in ein solch visionäres Win-win-Projekt mündete.

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